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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-08-09 · Heft 32 (9.8.1907) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 32 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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vom Deutschen Kaiser der Kroneuorden dritter Klasse verliehen. Rabbiner I. Z. Frischmann in Vittencz (Komm. Neutra), eine der hervorragendsten rabbinischen Autoritäten Ungarns, ist im Alter von 56 Jahren verschieden.— Dr. H. Brody, Direktor der Talmud- Thoraschule und der Lehrerprüparandie in Prag, hatte den Antrag gestellt, der Gemeindebund möge alle Kultusgemeinden Böhmens, sonne die größeren jüdischen Körperschaften zu einer Versammlung einberufen und bei ihnen beantragen, die in Prag bereits bestellende Religionslehrer-Präparandie für Rechnung der Gemeinden Böhmens zu übernehmen und zu einer Lehranstalt für israelitische Knltusbeamte, verbunden mit einem Proseminar für Rabbinatskandidaten umzugestalten, womöglich mit Begründung eines Internates sür die Schüler des Proseminars. Dieser Antrag gelangte in der am 14. v. M. stattgehabten Sitzung zur Diskussion. Der Antrag wurde von sämtlichen Anwesenden, worunter sich auch Vertreter namhafter Landgemeinden befanden, angenommen. Es wurde beschlossen, das ausführliche Gutachten des Dr. Brody an alle Gemeinden und Körperschaften zu versenden. Ferner wurde beschlossen, im Zusammenhang mit dem einzuberufenden Gemeindetag eine Versammlung behufs Beschlußfassung mit dem Bemerken einzubernfen' daß die beabsichtigte Gründung als Veranstaltung zur Feier des 60jährigen Jubiläums des Kaisers inszeniert werde. Von MH und Lern. — Der Oberlehrer Sch les in ger vom Leibnizgymnasium hat den Professortitel erhalten. — In die Preisaufgabe der Grimm- Stiftung an der Berliner Universität: „Wilhelm Grimms Verhältnis zur Romantik" teilten sich die Studenten der philosophischen Fakultät Siegfried Aschn er aus Breslau unfc Willi Neu mann aus Charlottenburg. — Folgenden Rechtsanwälten ist der Charakter als Justizrat verliehen worden: Dr. Regensburger. Alfred Levy, Dr. Eulit Hirschseld, Sylvester Heymann, Dr. Bramson, Kraft, L ublins ki. — In Breslau ist am 1. d. M. der Kgl. Kreisarzt, Geh. Medizinalrat Prof. Dr. Jo sef Jacobi gestorben. — Dem Oberarzt des städtischen Krankenhauses in Frankfurt a. M., Tr. Karl Herxheimejr, wurde der Professortitel verliehen. — Ter Synagogenratsvorsteher Stadtrat Emanuel Rotsch il d in Konstanz hat das Ritterkreuz 2. Klasse des Zähringer Löwenordens erhalten. — In Schirmes i. E. haben frevelhafte Hände seit geraumer Zeit sich an den Denkmälern des israelitischen Friedhofes in roher Weise vergangen, ohne daß es bisher gelungen war, der Täter habhaft zu werden. Um dem unerträglichen Unfug ein Ende zu bereiten, hatte sich die jüdische Gemeinde entschlossen, auf die Namhaftmachung der Buben eine Belohnung von 200 Mark auszusetzen. Es ist nun gelungen, dieselben ausfindig zu machen und vor Gericht zu ziehen. Cs sind zwei junge Burschen, denen vom Gericht in Anbetracht ihrer Jugend nur eine Geldstrafe von 30 Mark zudiktiert worden ist. — Einer der hervorragendsten französischen Historiker und Philosophen, Professor Gabriel Monod, ein hochangesehenes Mitglied des Institut cte France, hat in seiner „Revue historique", dem vornehmsten Fachorgan dieser Wissenschaft in Frankreich, jetzt eine gediegene und warmherzige Würdigung der Lebensarbeit des sel. Professors Moritz Lazarus veröffentlicht. Monod, der Sohn eines protestantischen Theologen, zeichnet das Lebensbild des jüdischen Philosophen so anziehend und aufrichtig, wie dies bisher in Deutschland noch nicht geschehen ist. — In Venedig ist am 14. v. M. der Publizist und Historiker Dr. Moritz Brosch nach längerem Leiden im 79. Lebensjahre gestorben. Brosch, ein geborener Prager, war in den fünfziger Jahren zum Zwecke seiner historischen Studien nach Wien gekommen. Rach Beginn der Verfassungsära widmete er sich dort der Journalistik und wurde Mitarbeiter an dem damals ältesten Wiener Blatt, dem „Wanderer", das wegen seiner deutschnationalen Richtung und wegen seines Eintretens sür das ungarische Verfassungsrecht unter dem Ministerium Schmerling vielen gerichtlichen Verfolgungen ausgesetzt war. Zu Anfang der siebziger Jahre ließ er sich zu bleibendem Aufenthalt in Venedig nieder, wo er historische Studien, namentlich über die. Geschichte der Päpste und über die englische Geschichte, i betrieb. Er veröffentlichte ein Werk über „Papst Julius VI. und! die Gründung des Kirchenstaates" (1878), eine „Geschichte des Kirchenj staates" (1880 bis 1882), zwei Werke über „Bolingbroke" (1883) und j „Oliver Cromwell" (1886) sowie eine fünfbändige „Neuere Geschichte Englands von 1509 bis 1874" (1890 bis 1897). Sein letztes Werk war die „Geschichte aus dem Leben dreier Großveziere" (1899). — Vorige Woche entstand in Warschau ein neues jüdisches Jargonblatt, die „Warschewer (Warschauer) Zeitung," die von ihren Mitarbeitern die schriftliche Verpflichtung verlangt, daß sie 1. sich den Bart nicht rasieren lassen werden, 2. am Sonnabend nichtrauchen nnd 3. am Sonnabend nicht schreiben werden. Kein einziger der dortigen jüdischen Zonrnalisten wollte sich solchen Bedingungen unterziehen und die Redaktion sah sich genötigt, ihre Mitarbeiter aus Galizien zu importieren. — 9Uif der Rückkehr von der Beerdigung eines ermordeten Schutzmannes begannen Mitglieder des russischen Bundes in Odessa in jüdische Läden und auf vorübergehende Juden zu schießen und verwundeten mehrere Personen. Die hinzugekommenen Soldaten mußten zur Wiederherstellung der Ruhe von ihren Waffen Gebrauch machen. Die Mitglieder des russischen Bundes schossen ihrerseits auf das Militär, verwundeten einen Soldaten schwer und liefen davon. Sie sind aber doch die Hüter der „Ordnung"! — Der Moskau er Monarchistenkongreß beschloß, den Zaren um Aenderung der Grundgesetze in dem Sinne zu bitten, das; die Reichsdnma in ein beratendes Organ umgewandelt und die Vertreter der ni ch trussische n Nationalitäten aus ihr ausgeschlossen werden. — Einer der Hauptherde der antisemitischen und reaktionären Agitation ist das Kloster Potschajew in Wolhynien. Dort haben die als Führer des schwarzen Hunderts berüchtigten Mouche Jliodo r und Vitali ihre Residenz, von dort aus werden die rohen, auf die niedrigsten Instinkte der Massen abzielenden Schriften Jliodors verbreitet, in denen er nicht selten seine Vorgesetzten, namentlich ben Petersburger Metropoliten Antoui, aber auch den Premiernlinister und andere Würdenträger aufs frechste angreist, wenn es ihm scheint, daß sie das Los der russischen Juden erleichtern wollen. Unter den Fenstern des Erzbischofs von Wolhynien ruft Jliodor die unaufgeklärte Masse seiner Hörer zur Ermordung der Juden auf, bezeichnet er die Juden öffentlich (übrigens tut er dasselbe auch in seinem Leibblatt „Potschajewskije Jswestije") als die, die zuerst „drankommen" j sollen, wenn es einen Pogrom gibt. Der Erzbischof sieht dem Treiben! ruhig zu, weil er nicht Jliodor zum Märtyrer machen will, was an-! geblich geschehen würde, wenn er ihm seine Hetzereien verbieten I wollte. Fast das ganze Jahr hindurch ist das Potschajew-Kloster von! Pilgern aus allen Gegenden Rußlands überflutet, die die j Reden der Hetzmönche über das ganze Land verbreiten, und ■ die, in ihre Heimat zurückgekehrt, die örtlichen Elemente des ' schwarzen Hundert beim Ausbruch eines Pogroms zu verstärken gesonnen sind. — Der Londoner „Board of Guardians" hatte Ende des vergangenen Jahres mit dem Defizit von 12 000 Pfd. (240 000 Mark); abgeschlossen. Durch Zuhilfenahme der dem Verein gestifteten Legate - wurde dasselbe auf 5000 Psd. reduziert. Nun ist nach einem halben Jahr die Situation dieses Vereins, der sich um die jüdische Fürsorge! in London so verdient gemacht hat, wieder ungünstiger geworden, als j sie es Ende 1906 war, und wenn die Dinge sich.so wie bisher weiter entwickeln, so wird sich die Verwaltung am Schluffe dieses Jahres einem Defizit; von 15000 Pfund gegenübersehen. GelüMtlichk Koti?kn. Bad Dürkheim. Dem Jahresberichte der Bürmann'schen Realschule ist zu entnehmen. daß diese Anstalt im Schuljahr 1906,7 von 209 Schülern, darunter 95 Pensionären, besucht war. Sämtliche Schüler der 6. Klasse haben am Schlüsse des Schuljahres die Absolutorialprüfung bestanden nnd sich dadurch die Berechtigung Zum Einjährig-freiwilligen Militärdienst, ferner zum Uebertritt an eine der Kgl. Oberrealschulen erworben. Das neue Schuljahr beginnt an der Bürmann'schen Realschule am 18. September. £ Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampsern der Hambnrg-Amerika-Linie finden statt: Nach New Bork: 10./8. Postdampfer „Pretoria", 15./8. Schnellpostdampfer „Deutschland", 17./8. Postdampfer „Patricia", 22./8. „Kaiserin Auguste Viktoria", 24.18. „Präsident Lincoln". Nach Boston: 7./8. Postdampfer „Silvia" 20./8. „Artemisia". Nach Baltimore: 7./8. Postdampser „Silvia", 20./8. „Artemisia". Nach Philadelphia: 7./8. Postdampfer „Pisa". Nach Westindien: 8./8. Postdampfer „Cheruskia". Nach Mexiko: 3/8. Postdampfer „Schaumburg". Nach Ostafienr 10./8. Pofti dampfer „Suevia", 12./8. „Brisgavia", 20./8. „Hohenstaufen", 30./8. „Segovia". Arabisch-Persischer Dienst: 13./8. Postdampfer i „Canadia", 24./8. „Assyrier". *

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