Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 31 (2.8.1907)
- Date
- 1907-08-02
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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■ oentionierung der Schulen in Brody und Zabloce 10850 Kr. Von den auf Kosten der Stiftung bei Handwerksmeistern untergebrachten Lehrlingen sind 32 freigesprochen worden, 75 wurden neu ausgenommen; am Schlüsse des Schuljahres erstreckte sich die Fürsorge der Stiftung auf 267 Lehrlinge. — Auch der ungarische Reichsrat hat seine Arbeit beendet und seine Mitglieder können sich fe zum Oktober von ihrer chauvinistischen und reaktionären „Tätigkeit" ausruhen. Zn der herrschenden magyarischen Koalition macht sich irnmer breiter der Geist der nationalen und religiösen Unduldsamkeit, der sich nicht nur in dem Schulgesetze gegen die nichtmagharischen Nationalitäten, in den Eisenbahnvorlagen gegenüber Kroatien äußerte, sondern sich auch in der anwachsenden antisemitischen Strömung den Juden fühlbar machte. Nicht nur. daß die klerikalantisemitische Volkspartei in ganz Ungarn , eine äußerst rührige Tätigkeit entfaltet, daß die christlich-soziale Bewegung sich überall ausbreitet, auch in Wahlbezirken der Kossuthpartei und der ehemaligen Liberalen, auch in den Sitzungen des ungarischen Reichstages tritt bereits die antisemitische Strömung offen hervor (siehe die Aenßerungen des Abgeordneten Olay). Und noch eine Weile und in Ungarn herrscht ein klerikal-antisemitisches Ministerium! * Von Aah und Lern. Nach den Mitteilungen der statistischen Kommission des deutsch-evangelischen Kirchenansschusses traten im Zähre 1905 in Deutschland zur evangelischen Kirche über 463 Juden. Es traten aus und gingen über zu den Juden 81 Evangelische. — Der Kaufmann Siegfried Meschelsohn hat den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Der Rechtsanwalt und Notar Max Grabower ist nach langem Leiden gestorben. Zustizrat Grabower erfreute sich in Richter- und Anwaltskreisen großen An" sehens. — Am 22. v. Mts. ist Friederike Engel geb. Struck in Berlin gestorben, die mehr als 30 Jahre ein treues, tätiges Mitglied des israelitischen Frauenvereins in Fi lehne und dessen Vorsitzende während einer langen Reihe von Jahren gewesen ist. Ehre ihrem Andenken! — Dem deutschvölkischen, d. h. antisemitischen Turnverein in Erfurt, der nach seinen Satzungen keine Juden aufnimmt, hat die Stadt auf sein Ersuchen, ihm die städtische Turnhalle zu seinen Hebungen zu überlassen, ablehnend geantwortet. — Die Bibliothek des bekannten Spinoza-Forschers Professor Freudenthal in Breslau, besonders auch wertvoll durch Schriften über jüdische Philosophie, Kabbala usw. ging in den Besitz der Firma Alfred Lorentz, Leipzig, Buchhandlung für Universitäts-Wissenschaften, über. — In Myslowitz wurde Dr. D. Winter zum Rabbiner gewählt. — Lehrer Kaufmann in Ahlen, der nach 44jähriger Tätigkeit in den Ruhestand getreten, hat den Adler der Inhaber des Hausordens von Hohenzollern erhalten. — Anläßlich der Feier des 50 jährigen Stiftungsfestes der Turner-Feuerwehr in Oberst ein wurde dem ersten Vorsitzenden der Gemeinde, Herrn Jacob Wolfs jun, als Mitbegründer und treuem Mitglied des Vereins, die Verdienstinedaille verliehen. — In München-Gla dbach ist am 26. v. Mts. der Rentier Hermann Cohen nach langem Leiden gestorben. Er war eines der angesehensten Gemeindemitglieder und seit Begründung des „Vereins für jüdische Geschichte und Literatur" dessen Vorsitzender. Ehre seinem Andenken! — Oberlehrer Dr. I. Caro von der Realschule der israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. hat den Professortitel erhalten. — In Aschaffenburg fand die 28. Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins für das Königreich Bayern statt, die sehr gut besucht war. Der Verein verfügt über ein Vermögen von 120 000 Mark. Die nächste Generalversammlung soll in Rothenburg o. T. stattfinden. — Die Passauer „Donauzeitung" veröffentlicht folgende Todesanzeige: „In Gottes heiligen Willen war es gelegen, unfern innigst geliebten, treubesorgten Gatten, Vater, Bruder und Schwager Herrn Ferdinand Huber, Judenfeind in Aspertshain, nach längerem schweren Leiden usw. usw." — In Mannheim ist am 24. v. Mts. der ehemalige italienische Generalkonsul Eduard Trautmann im 89. Lebensjahre gestorben. — Zn Amsterdam ist mit MW^WWMMWWWWWWWWW großer Mehrheit Rabbiner S. Heertjes zum O.berrabbiner von Nord-Brabant, mit dem Sitze in Nymwegen, gewählt worden- — Der Generalsekretär der Loire, Albert Hendls, ist zum Präsekten des Departements Eure et Loire ernannt worden. -- „Die Volksstimme", das Organ der jüdischen Sektion in der polnischen Sozialdemokratie, hat zu erscheinen aufgehört. Es erschien in jüdischer Sprache. — Während des russisch-japanischen Krieges erließ der später ermordete Minister des Innern v. Plehwe ein Zirkular, welches weitere Ausweisungen von Juden aus Ortschaften, in denen sie sich widerrechtlich niedergelassen, untersagte. Da die Gültigkeit dieses Zirkulars jetzt abgelaufen ist, hat Ministerpräsident Stolypin im Kabinett den Antrag gestellt, die Wirkung desselben für Juden, die sich bis zum 1. (russischen) August 1906 irgendwo widerrechtlich niedergelassen haben und Familie sowie eigene Wirtschaft haben, zu verlängern. Das Kabinett hat diesen Antrag genehmigt, so daß Stolypin dieser Tage Zirkulare in diesem Sinne an die Gouverneure geschickt hat. — In Sachen des Pogroms auf der Eisenbahnstation Bielostok sprach das Schwurgericht sechs Angeklagte frei. Ein Angeklagter wurde zu acht Jahren Zwangsarbeit, drei zu einem Jahr und drei Monaten Hausarrest und einer zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Ein Angeklagter ist entflohen. — Aus Wilna wird berichtet, daß das Wahlkartell zwischen den Juden und den Polen gegen die Russen bereits zustande gekommen ist. Dem Kartell schließt sich nicht nur die liberale, sondern auch die sozialistische Judenschast an. Der „Bund" hat schon seinen Beitritt erklärt, ebenso die Zionisten. Die Stellungnahme der übrigen Sozialistengruppen ist noch nicht bekannt. — In Bialozerkow ist es augenscheinlich zu gar keinen Ausschreitungen gekommen. Denn von den dortigen zehn Angeklagten sind sieben sreigesprochen und drei mit drei Monaten bis zu einem Jahr bestraft worden. Wahrlich! Die russische Gerechtigkeit läßt nichts zu wünschen übrig! — Ein Pogrom hat in der polnischen Stadt Skonitz stattgesunden. Die Bauern der umliegenden Dörfer griffen die Stadt an mit der ausgesprochenen Absicht, die jüdischen Einwohner zu massakrieren. Die Mehrzahl der- Juden versuchte zu entfliehen, um auf österreichisches Gebiet zu gelangen, doch verfolgten die Bauern sie mit großer Hartnäckigkeit. Die Bauern ergriffen 37 Juden in den Wäldern zwischen Skonitz und der österreichischen Grenze und töteten 25 Personen beiderlei Geschlechts. Die übrigen zwölf Juden, die ergriffen wurden, kamen mit dem Leben davon, wurden aber von den Bauern schwer mißhandelt und gequält. Schließlich griffen auf Befehl der Behörde Kosaken ein und trieben die Bauern in ihre Dörfer zurück. — In Warschau wurde in dieser Woche der Sekretär der „konfessionslosen Gemeinde", der auf den Namen S. W. Rabinowicz hört, verhaftet! — Der englische Ministerpräsident empfing am 30. d. Mts. eine Abordnung einflußreicher Männer, welche ihn ersuchte, dahin zu wirken, daß die Kosten für die Naturalisation von Juden als britische Untertanen herabgesetzt würden. Campbell Bannermann erwiderte, er wolle mit seinen Ministerkollegen darüber sprechen. Doch oürfe man nicht erwarten, daß die Staatskasse durch die Prüfung von Gesuchen um Naturalisierung Schaden erleiden solle. Er persönlich würde es gern sehen, wenn die Tür zur Erlangung des britischen Bürgerrechts so weit wie möglich geöffnet würde. — In New Jork ist Morris Nosenfeld, der bekannte Jargonlhriker, in großem Elend und fast völlig erblindet gestorben. — Zu den Zusammenstößen in Teheran zwischen Juden und Muselmanen ist noch zu berichten, daß das jüdische Stadtviertel jetzt von Soldaten besetzt ist. Eine Bombe wurde gegen den Palast des Gouverneurs von Teheran geschleudert, ohne jedoch zu explodieren. Grlchäktliche Mti?m. Unter dem Namen Salem Aleikum bringt die Firma „Nenidze", Dresden, seit reichlich zehn Jahren eine Spezialmarke heraus, deren Absatz von Jahr zu Jahrgrößer geworden ist. Den ausgezeichneten Rus verdanken diese Zigaretten den sich stets gleich bleibenden Qualitäten, wie sie besser nicht geboten werden können. Die Firma ist in der Lage, den höchsten Ansprüchen zu genügen, weil sie mit allen technischen und sonstigen modernen Hilfsmitteln arbeitet. Die Packungen der Salem Aleikum sind einfach, aber trotzdem sehr ansprechend. Alles an den Packungen Gesparte kommt aber sehr reichlich der Qualität der Zigaretten zugute. In allen Ländern, wo deutsche Zigaretten geraucht werden, fehlen auch Salem Aleikum nicht; sie sind bahnbrechend für die deutsche Zigarettenindustrie geworden und fördern ihren Ruhm in vielen fremden Landern. — Warum also teure ausländische Fabrikate rauchen, wenn das Inland bessere, bezw. ebensogute zu billigerem Preise bietet!