Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1907)
- Date
- 1907-07-19
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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jenigen einzelnen oder denjenigen mehreren Personen, die dem Gerichte oder der Oesterreichisch-Jsraelitischen Union oder dem Verteidiger Dr. Zdenko Anredniczek, Hof- und Gerichtsadvokat in Wien, innerhalb zweier Jahre, das ist bis 10. Juli 1909, solche Angaben machen oder Beweismittel beibringen, die zur Entdeckung der Täter oder zur Erweisung der Unschuld Leopvld Hilsners und somit zur Wiederaufnahme des Strafprozesses führen, eine Prämie von 20 000 Kronen zu. Dieser Betrag ist bei dem Notar Dr. jur. Johann Janatka in Polna deponiert." Hoffentlich kommt nun doch einmal die Wahrheit an den Tag! — In der vorigen Woche hat sich hier ein „Freiheitlich-sozialer Verein" konstituiert, der zumeist aus den Anhängern des Abgeordneten Dr. Ofner besteht. Derselbe soll seinen Kampf gegen drei Fronten führen: In erster Linie gegen die Klerikalen, das heißt Christlichsozialen, dann gegen die zersprengten Reste der alten Liberalen, und in der Leopoldstadt speziell gegen die zionistische Partei. Wir wollen — sagte ein Redner — uns nicht als jüdische Nation von der Mitwelt ausschließen, sondern mit den anderen Freiheitlichen eine gemeinsame Partei bilden und wir gehören der deutschen Kultur an. in der wir eben erzogen wurden. (Lebhafte Zustimmung.) —In Prag agitiert die national-antisemitische Studentenschaft sehr heftig gegen den dortigen Privatdozenten Tr. Mahler, der bekanntlich als zionistischer Kandidat in Galizien in den Reichsrat gewühlt wurde. Sie behaupten, ein Zionist könne nicht Dozent an der ersten deutschen Hochschule sein und berufen sich aus folgenden Fall- Als vor zwei Jahren in Prag eine zionistische Studentenverbindung sich gründete, entschied der Senat, daß den Zionisten das Betreten des akademischen Bodens der Prager deutschen Universität in den Farben nicht zu gestatten sei, weil hierdurch dem deutschen Charakter der Prager deutschen Hochschule Abbruch getan würde. Diese hochweise Entscheidung des Prager Universitätssenats hat freilich mit dem vorliegenden Fall absolut nichts zu tun, was die Herren hoffentlich einsehen werden. In einem vielsprachigen, von so vielen Nationalitäten bewohnten Lande ist es nicht gut, solche Präzedenzfälle zu schaffen. Mahler ist übrigens ein sehr tüchtiger Vertreter seines Faches — und ein guter Deutscher. Von Mod und srrn. Professor Dr. George Meher hat das Ritterkreuz 1. Klasse des Badischen Ordens vom Zähringer Löwen, Professor Dr. Otto mar Rosen bach den Persischen Löwen- und Sonnenorden 3. Klasse erhalten. — Ein neuer weiblicher Doktor der Medizin ist an der Berliner Universität promoviert worden: Henryka Rozenblatt aus Warschau. Sie ist 27 Jahre alt und hat vor zehn Jahren das Gymnasium zu Warschau mit goldener Medaille absolviert. — Bei der Jahresfeier der Preisverteilung in der akademischen Hochschule für die bildenden Künste haben Gustav Saling re :nd Julius Hey mann silberne Medaillen erhalten. — Der Fabrikbesitzer Ludwig Lehmann ist zum Kommerzienrat ernannt worden. — Herrn Julius Iacoby aus Nienburg (Saale), der kürzlich das Diplom-Examen für allgemeinen Maschinenbau in Charlotlenburg mit Auszeichnung bestanden hat, wurde aus Vorschlag der Technischen Hochschule Charlottenburg vom Kultusminister die silberne Medaille verliehen. — In Jena ist der Leiter des Zeiß- Werkes, Professor Dr. Siegfried Czapski, der bekannte Physiker, an den Folgen einer Blinddarmoperalion gestorben. — Sanitätsrat Dr. Marcus. Knrarzt in Pyrmont, hat das Fürstlich Waldecksche Verdienstkreuz 4. Klasse erhalten. — In Hoppstä dten ist am 4. d. M. der verdienstvolle Vorsteher der dortigen Gemeinde, Elias Weil, gestorben. Derselbe war 24Jahre lang Gemeindevorsteher und stellvertretender Vorsitzender des jüdischen Landesgemeinderats. Ehre seinem Andenken! — In D anzi g ist Sanitätsrat Dr. Nat han Simon an den Folgen einer Blinddarmoperation am 8. d. M. im 58. Lebensjahre gestorben. — Der Fabrikbesitzer S. Honigbaum, der sich durch seine langjährige Tätigkeit als Mitglied der Stadtverordnetenversammlung, des Kreistags, als erster Vorsitzender der jüdischen Gemeinde, als Vorsitzender des Vereins der Freisinnigen Volkspartei und als unbesoldeter Stadtrat in Landeshut um das Gemeinwohl verdient gemacht hat, wurde anläßlich seines Rücktritts aus letztgenanntem Amte einstimmig zum Stadtältesten ernannt. — In Bay ern ist der Leutnant der Reserve Angerer, nachdem er als Jurist ein glänzendes Staatsexamen bestanden hat, als aktiver Osfizier in das Kgl. Bayerische Kriegsdepartement ausgenommen worden. Angerer dürfte wohl der erste Jude sein, der als deutscher Kriegsrichter funktioniert. — An Stelle des im Dezember vorigen Jahres verstorbenen Professors Dr. E. Philippson ist Dr. N. Friedland, bisher Oberlehrer an der städtischen Realschule in Bromberg, zum Direktor der Jacobson-Schule (Realschule und Realprogymnasium) in Seesen gewählt worden und hat nach Bestätigung durch das braunschweigische Ministerium am 1. Juli sein Amt angetreten. — Wie es heißt, soll Major Dreyfus nach nunmehr einjährigem neuen Dienste aus Gesundheitsrücksichten um seinen Abschied eingekommen sein. — Professor David Supino ist zum zehnten Male zum Rektor des Athenäums in Pisa gewählt worden. — Der Oberst Achille Coen ist zum Generalkommandanten der Brigade Ravenna in Venedig befördert worden. — Wie verschiedene Blätter behaupten, wurde es versucht, die In den frage auf die Tagesordnung der Haager Friedenskonferenz zu setzen. Trotz der Unterstützung Englands und Amerikas wurde nur erreicht, daß in der nächsten Zeit im Haag eine Ausstellung eröffnet wird, in der einer Statistik der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Juden in der ganzen Welt eine Statistik der „Judenmassakers" der letzten hundert Jahre und ihrer Folgen gegenübergestellt wird. — Der portugiesische Generalkonsul Baron Georg Rosenthal zu Amsterdam hat den-Kronenorden 2. Klasse erhalten. — Die Zahl der israelitischen Oberhausmitglieder in England beträgt jetzt sechs: Lord Rothschild, Lord Wandsworth (Familienname: Stern), Lord Barnham, der Besitzer des „Daily Telegraph (Familienname: Levy-Lawson), Lord Herschel, Lord Ludlow (Familienname Lopes), Lord Montagu. — Dieser Tage wurde die! große Synagoge in Riga nach dem Gottesdienst wieder von Polizei j und Militär umzingelt und fünfnndneunzig junge Juden verhaftet und zur Revierwache gebracht; nach einer sorgfältigen Leibesvisitation wurden fast alle wieder freigelassen. Bei der darauffolgenden Haussuchung in der Synagoge wurde nichts Regierungsfeindliches vorgefunden. — Der russische Senat verweigerte dem Zionistischen Verband die Legalisierung. — Ali Kemali, Sekretär der ottomanischen Vertretung im Haag, gibt bekannt, daß der Konferenz ein vom Foreign Office befürworteter türkischer Vorschlag zugehen werde, große Gebietsteile Mazedoniens der Kolonisierung durch jüdische Familien zu überlassen. Die zionistische Zentralleitung bekämpfte zwar das Projekt, aber Zangwills Autorität hat genügt, das Foreign Office aufs neue günstig zu stimmen. — Bei der Überschwemmungskatastrophe in Thessalien sind viele jüdische Bürger und Landwirte, deren es in Trikata eine große Zahl gibt, unter den Geschädigten. — Der seit eineinhalb Jahrzehnten amtierende Rabbiner der orthodoxen Gemeinde in Chicago, Abraham S. Brande, ist im Alter von 62 Jahren gestorben. Geschäftliche Werl i. Wests. Dringende Bitte! Ein gutes Wort findet einen guten Ort; dieses möchte ich auch für einen alten Veteran, der mit mir die Feldzüge 1866, 1870/71 mitgemacht hat, einlegen. Derselbe litt seit Jahren an der Zuckerkrankheit, und mußte ihm schon vor fünf Jahren ein Bein abgenommen werden. Nachdem dasselbe soweit geheilt, mußte er auf Anraten der Aerzte den Kurort Neuenahr besuchen, wo er längere Zeit verweilte; zurückgekehrt, wurde er ins Krankenhaus nach Berlin gesandt. Seit einem Jahr ist er nun wieder hier, seinen Namen habe ich bei der Redaktion angegeben. > Derselbe war Fleischermeister, sein kleines Häuschen mußte schon vor! Jahren mit Hypotheken belastet werden. Denn wo solche traurigen! Verhältnisse und Krankheiten herrschen, geht alles zugrunde. Zwei! Töchter sind außerhalb im Geschäft und haben für sich selbst zu j sorgen. Wenn auch verschiedentlich Unterstützungen gegeben werden, i so ist das ein Tropfen auf einen heißen Stein. Besondere Hilfe muß! er immer um sich haben, um bei gutem Wetter im Fahrstuhl an die j Luft gefahren zu werden. Daß die Angaben auf Wahrheit beruhen,! kann der Herr Bürgermeister bezeugen. Deshalb bitte ich, mildreich! durch Spenden, hilfreich beizuspringen.! Th. Hellmich, Stadtverordneter.