Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-07-05 · Heft 27 (5.7.1907) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 27 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3224737-3228744-3228772--63652-3297568
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

ist es, Zünde i lm — müßte te ein Stadt Hause eshalb 1 will rtschen müsse. n seren istert: tstrafe e des anzigir ats -vJ'lt llung, nenste t um irolog xxum, »biner e von lrsikus einde lserer t mit ibilar das tum Einnach icfjtet ie ge- Ver- Beaus- und anchten nerkngen llcher 'rage enen ltion icher rum ist" > geder rlige scheu und men agsnem chen Inder ches 'setzt ung lllen nkte den Waiseneltern, Herrn und Frau Tannenwald, und richtete zum Schluß an die Zöglinge die Mahnung, auch im späteren Leben der Lehren der Anstalt eingedenk zu sein und sich als nützliche Mitglieder der Gesellschaft zu bewähren. Hierauf überreichte er den Waiseneltern einen Portugalöser und den Kindern zur Erinnerung ein Schmuckstück mit entsprechender Inschrift. Mit Gesangs- und Deklamationsvorträgen schloß die Feier. Das Waisenhauskollegium hat der Verwaltung folgendes Schreiben zugesandt: „Zu der Feier, Die das Paulinenstift morgen begehen wird, spricht auch das Waisenhauskollegium seine herzlichsten Glückwünsche aus. Seit mehreren Jahren hat die Behörde aus eigenen Erfahrungen sich überzeugen können, daß die Anstalt die ihr anvertrauten Kinder zu tüchtigen Menschen erzieht und ausbildet und es ist aufrichtiger Wunsch, daß Das Israelitische Mädchen-Waisenhaus noch lange Jahre hindurch seine segensreiche Tätigkeit sortsetzen möchte." gez. Senatsjyndikus Dr. Schäfer. Von den Verwandten der Stifter wohnte noch Herr und Frau Ludwig Jaffe und Frau M. Lipschütz, geb. Goldschmidt, Der Feier bei. Die letzte Dame gehört bereits seit 50 Jahren der -Verwaltung an. Von den vielen Gönnern, die das Paulinenstift mit Legaten bedachten, seien hervorgehoben die Herren Senatoren Lutteroth, M. Jenisch, Schröder, Goddefroi, M. I. Hahn und Bürgermeister Rellinghusen. s. Altona, 29. Juni. Der Jahresbericht des Israelitischen llnterstützungsver eins für Obdachlose legt Zeugnis ab von stner selbstlosen und aufregenden Tätigkeit, die ihresgleichen suchen Dürfte. Die Zahl der in den Auswandererhallen zu Versorgenden war im verflossenen Jahre außerordentlich gestiegen, denn die Verfolgungen in Nußland trieben die Armen in Scharen aus ihrer Heimat. Schrecklich waren die Bilder des Jammers, die sich fast äglich boten. Männer, Frauen und Kinder, deren Köpfe Narben >on den Säbelhieben der Kosaken anfwiesen, Waisen, deren Eltern von russischen „Patrioten" erschlagen worden waren, zählten zu den täglich Erschienenen in den Auswandererhallen. In diesen wurden im Verlaufe des Jahres an 45 445 Personen (!) 188 134 Portionen Mittagessen aus der rituellen Küche verteilt. 3200 Personen wurden vollständig mit Kleidung versehen. Der Vorstand hat in Aussicht genommen, sobald er sich im Besitze genügender Geldmittel befindet, ein eigenes Heim für notleidende Auswanderer zu errichten. e. München, 28. Juni. In der vorigen Woche starb hier der Leiter des Flußbauamtes, Herr Bauamtmann August Kahn, tief betrauert von allen, die ihn kannten. Das Leichenbegängnis wies eine Teilnahme auf, wie man sie hier nur selten sieht. Vertreter der Regierungs- und Stadtbehörden, Abordnungen von Burschenschaften und Verbindungen, von Straßen- und Bauämtern usw. versammelten sich auf dem jüdischen Friedhof, wo Herr Rabbinats-Substitut Dr. Finkelscherer in einer ergreifenden Trauerrede des Entsetzen erregenden Vorfalles gedachte, bei dem vier berufstreue Männer im Kampfe mit den Fluten ihr Leben verloren. Sie, die hinausgezogen, um die von dem Strom Bedrängten zu schützen, fanden in den wilden Fluten, ohne daß ihnen Hilfe gebracht werden konnte, den Tod. Das Leben des Verstorbenen war reich an Streben und Erfolgen und hätte wohl noch viele Erfolge mit sich gebracht. Als der siebente Sohn eines Beamten geboren, wandte er sich der Banwissenschaft zu und trat dann in den Staatsdienst, wo er rastlos schuf und von Stufe zu Stuse stieg, bis ihn der grausame Tod mitten inr Berufe abries. Am Grabe widmete Baurat Adelung namens des Königlichen Straßen- und Flußbauamtes Kranz und Nachruf; weitere Kränze legten nieder vier Burschenschaften, die Stadtgemeinde München, der Kreisbaureferent der Königlichen Regierung von Ober-Bayern, der alte Herren-Verband der Burschenschafter an der Technischen Hochschule, der Architekten- und Jngenieurverein München u. a. m. Unter Direktion des Lehrers Hieber sang hierauf die Münchener Liedertafel das Lied „Ueber den Sternen". — Am 25. d. M. ist hier der Justizrat Jakob Gotthel.f im 83. Lebensjahre gestorben. Mit ihm scheidet einer der geschätztesten und bekanntesten Bürger Münchens, ein hervorragender Jurist und der verehrte Nestor der bayerischen Advokaten, ein ausgezeichneter Politiker, ein hochverdienter und mutiger Vorkämpfer des Liberalismus. Am 3. März 1825 in Klein-Nördlingen, einem Dörfchen im Ries, geboren, sollte er aus Wunsch seiner Eltern Lehrer und Kantor werden. Privatstudien ermöglichten ihm jedoch die. Ausnahme ins Gymnasium in München, nach dessen nur dreijährigem Besuche er sich dem Studium der Jurisprudenz in München widmen konnte. Hier löste er die von der juristischen Fakultät gestellte Preisaufgabe „Historischdogmatische Darstellung der Rechtsverhältnisse der Juden in Bayern". Schon als Student nahm er den eifrigsten Anteil am politischen Leben, sowohl als Redner wie als Mitarbeiter der politischen Presse und als Redakteur des „Bayerischen Eilboten". Als solcher war er kurz nach seinem Examen wegen Beleidigung des Bundestages vor das Schwurgericht verwiesen worden, wo er sich mit glänzender Beredsamkeit verteidigte und freigesprochen wurde. Auch heute soll ihm besonders nachgerühmt werden, daß er nach dem Bruderkriege 1866 der erste war, der den Mut fand, in einer Münchener Volksversammlung für den politischen Anschluß Bayerns an Preußen mit Entschiedenheit einzutreten. So war er jederzeit bereit, der liberalen Sache opferwillig seine Kraft zu widmen, und als sein hohes Alter ein persönliches Eingreifen nicht mehr gestaltete, verfolgte er mit ungeschwächtem Interesse den Gang der Ereignisse in Staat und Gemeinde. Im Jahre 1866 wurde er zum k. Advokaten in Aschaffenburg ernannt und 1869 nach München versetzt. Hier gelang es ihm bald, in die erste Reihe seiner Berussgenossen zu treten und einer der hervorragendsten Verteidiger in Bayern zu werden. Als Verteidiger wie als Zivilist war er gleich geschätzt. Er zählte zu den Begründern der Juristischen Gesellschaft in München. Neben der Ausübung seiner großen Praxis fand er noch die Zeit zu gediegenen wissenschaftlichen Arbeiten über eine Reihe schwieriger Rechtsfragen. In solchen behandelte er auch „die Verhältnisse der Juden in Bayern". Von umfassender allgemeiner Bildung war er aber auch ein begeisterter Freund aller Wissenschaft und Kunst. Mit dem Hingang Gotthelss ist nicht nur ein hervorragender Mann, sondern auch ein trefflicher, liebenswürdiger und herzensguter Mensch zu betrauern. — Das Begräbnis fand unter allgemeiner Teilnahme auf dem jüdischen Friedhof statt. Anwesend waren der Justizminister, viele Räte, Richter, Advokaten usw. Dr. Finkelscherer hielt die Grabrede. Im Namen des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, „zu dessen Gründungsmitgliedern und eifrigsten Förderern der Verstorbene gehörte und in welchem sein Name stets in Ehren gehalten wird", legte Justizrat Boskowitz einen Kranz am Grabe nieder. Gesterretch-Nngarn. □ Wien, 1. Juli. Der Ministerpräsident Baron Beck hat vor einigen Tagen im Abgeordnetenhause eine Art Programmrede gehalten, die folgenden sehr wichtigen Passus enthielt: Vor allem müsse die Grundlage des staatlichen Lebens erhalten werden; dazu gehöre die unbedingte Achtung vor der Majestät des Gesetzes, die Gleichheit aller Personen vor dem Gesetz ohne Unterschied des nationalen, religiösen oder politischen Bekenntnisses. Jedes Bekenntnis, wenn es sich nur zum Staat bekenne, dürfe auf vollen Schutz zählen. Wir sind neugierig, wie die Regierung dieses Versprechen den Juden gegenüber einlösen wird. Und wie steht es mit dem Prozeß Hilsner nach dieser Erklärung? — An der deutschen Universität in Prag wurde der Chemieprofessor Dr. Guido Goldschmied zum Rektor gewählt. Es war das der erste Fall an der Universität Prag, daß die Rektorwähl auf einen Juden siel. Goldschmied lehnte aber dankend die Ehre ab, um allen Eventualitäten aus dem Wege zu gehen. Es ist das gewiß ein sehr ehrenwertes Motiv. Wir fürchten nur, daß es bei den Gegnern nickst auf das nötige Verständnis stoßen wird. — Zum Schluß muß ich mich heute dementieren: Meine Mitteilung, daß außer Herrn Prof. v. Schey noch ein zweiter Jude ins Herrenhaus berufen worden sei, beruhte auf einer sehr bedauerlichen Namensverwechslung. Herr Hermann Braß ist nicht nur kein Jude, sondern das Gegenteil. Ich bitte überall, wo diese Notiz nachgedruckt wurde, von meiner Berichtigung Notiz zu nehmen. Außer Hofrat v. Schey gehören nur noch Hofrat Grünhut, Hofrat Theodor Gomperz, Kammerpräsident Julius Ritter von Gomperz (Brünn), Kammerpräsident Neumann (Reichenberg) und Freiherr von Oppenheimer dem Herrenhause an. — Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hat seine diesjährige Generalversammlung abgehalten. Nach der Eröffnungsansprache des Vizepräsidenten Oswald Hohenstnner hielt Dr. Bernhard Münz eine warm empfundene Gedenkrede auf den verstorbenen Vizepräsidenten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.