Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 71 (1907)
- Issue
- Heft 25 (21.6.1907)
- Date
- 1907-06-21
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
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ihren Hörern, was dafür zeugt, eine welch große Rolle die Juden gerade in der ungarischen Intelligenz spielen. Am meisten wenden sich die Juden auch in Ungarn aus naheliegenden Gründen der ärztlichen und Advokaten-Laufbahn zu. Im Jahre 1906 waren von sämtlichen Advokaten 34,2, von sämtlichen Aerzten 48,2 und von j sämtlichen Tierärzten 24,8 v. H. Juden. Dieses Verhältnis ist im! fortwährenden Steigen begriffen; so wuchs z. B. die Zahl der jüdischen! Advokaten in der Zeit von 1890—1900 von 918 auf 1558, d. i. um - 68,6 v. H. an. während die Gesamtzahl der Advokaten in derselben! Zeit bloß eine Erhöhung von 7,2 v. H. ausweist. Geringer ist die! Zahl der jüdischen Bearnten, denn ihre Zahl beträgt unter den j Staatsbeamten bloß 4,4, unter den Komitatsbeamten 2,2, unter den; städtischen Beamten 4,5 und unter den Gemeindenotaren 3,2 v. H.! Erfreulich ist es. daß die Juden auch in der Landwirtschaft eine j große Rotte spielen. Unter den 3836 Großgrundbesitzern (mit einem! Besitz von mehr als 1000 Joch) gibt es bereits 1064, d. i. 27,6 v. H.,! unter den 23184 Grundbesitzern mit einem Besitz von 100 bis i 1000 Joch aber 5922, d. i. 25,5 v. H. Juden. — Interessant | sind die Mitteilungen über das Budget der jüdischen Gemeinde in j Budape st. Diese hatte im Verwaltnngsjahre über anderthalb j Millionen Kronen Ausgaben und etwas mehr Einnahmen. Die! Mitgliederzahl vermehrte sich um 1200. aber infolge Ablebens usw. j sind nahezu 1100 ausgeschieden. 267 Taufen wurden beim Rabbinat i augemeldet, 77 mehr als im Vorjahre. Groß ist wohl auch die Zahl! der Getauften, die auf die Verabschiedung beim Rabbiner verzichteten.; In 31 Fällen ist keine Beschneidung vorgenommen worden, obwohl! die Knaben in der Nabbinatsmatrikel eingetragen wurden. Da die j jüdische Eintragung nicht mehr obligatorisch ist, dürften auch noch eine große Anzahl von Fällen vorgekommen sein, von denen das Rabbinat keine Kenntnis hat. 65 Personen wurden in den Verband des Judentums ausgenommen. Das Motiv des Nebertritts ist in den allermeisten Füllen Heirat. Von Aah und jfrrn. Der Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner B. B.-Logen, hat durch seine Vermittlung im Monat Mai . 205 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch 27 Personen! vorübergehende Beschäftigung nachgewiesen. — Der Bankier Eugen Panofskh hat den Roten Adlerorden 4. Klasse erhalten. — Der Schriftsteller Gustav Kadelburg hat das Ritterkreuz 1. Klasse des Wurttembergischen Friedrichs-Ordens erhalten. — An Stelle des verstorbenen Oberkantors Schönberger wurde in Potsdam Herr S. Guttmann zum ersten Kantor und Lehrer gewählt. — Herr Rabbiner Dr. Rosenthal nebst Gattin in Pr. - Stargar d feierten dieser Tage ihre Silberhochzeit und waren aus diesem Anlaß Gegenstand warmer Ovationen. Der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde, Magistrat und Stadtverordneten-Versammlung, die Geistlichkeit aller Konfessionen, der Kranken- und Beerdigungsverein der israelitische Frauenverein, die ehemaligen und jetzigen Schüler und Schülerinnen waren durch Deputationen und Ehrengeschenke vertreten. Während die Vertreter der Stadtverwaltung der patriotischen Wirksamkeit des Jubilars gedachten, rühmte Superintendent Dreher die friedliche Arbeit, die Dr. Rosenthal zum Segen der gesamten Bevölkerung geleistet habe. — An der Universität Bonn ist der außerordentliche Professor für indogermanische Sprachwissenschaft und slavische Philologie, Dr. Felix Solmsen, zum ordentlichen Professor befördert worden. — Dem Kantor Springer in Freibürg i. B. ist anläßlich seines 50jährigen Dienstjubiläums vom Grobherzog die kleine goldene Medaille verliehen worden. — Auf Vorschlag des Direktors am Gymnasium in Malmö wurde neben j dem Oberpfarrer Dr. Dalin auch Rabbiner Dr. Wohlstein äls j Examinator berufen. — Der jüngst verstorbene Philantrop Osiris j hat auch der jüdischen Gemeinde in Tours die Mittel zur Erbauung einer Synagoge testamentarisch hinterlassen. — In Gothenburg ist am 3. d. M. der frühere österreichische Konsul in Schweden, Ludwig Lev iss on, einer der angesehensten Männer der Stadl wie der Gemeinde, nach kurzem Leiden gestorben. — Der Rektor der Universität Pisa, Senator Alessaudro d'Ancona, hat seine Demission wegen antiklerikaler Demonstrationen der Studenten gegeben. Für ihn sei die Universität der Wissenschaft und nicht der Politik wegen da, erklärte er in seinem Schreiben an die Behörde. — Der Hilfsverein der deutschen Juden hat sich bereit erklärt, auch an einer Aktion zugunsten der vom Lande vertriebenen rumänischen Juden teilzunehmen, um ihnen zu ermöglichen, in den Städten ihren Lebensunterhalt zu gewinnen. —-- Von den jüdischen Deputierten der aufgelösten Duma wurden Unterschriften für ei,' Gesetzprojekt über die Abschaffung aller mit Religion und Nationalität verbundenen Beschränkungen gesammelt. Die jüdischen Deputierte!' beabsichtigten dieses Gesetzprojekt der Dumakommission für Religionsfreiheit vorzulegen, die sich zuletzt mit dem ministeriellen Gesetzprojeki über die Religionsfreiheit befassen sollte. — In Orel (Gouvernement Grodno) kam vor einigen Tagen der orthodoxe Bischof aus Grodw. an. Der Rabbiner und einige angesehene Juden gingen ihm zur Begrüßung mit Brot und Salz entgegen. Der Bischof sah sie scharan und sagte: „Es ist mir gleichgültig, ob mich die Juden begrüßen oder auch nicht. Als höchster Priester im Gouvernement habe \d) aber zu bemerken, daß, wenn ihr gut und tugendhaft seid, euä: nicht in die Politik mischet und die Christen nicht behelligt, euch nichts geschehen wird." - Sprachs und ging, ohne das Brot und SaU anzunehmen, von dannen. — Die Zahl der „Chederschulen" in Rußland beträgt 24 540, wovon auf Polen mit seiner jüdischen Bevölkerung von 1 300 000 Seelen 5724 entfallen. Es kommt durch schnittlich 1 Cheder auf 199 jüdische Einwohner oder 33 Schulkinder 55,8 Prozent der jüdischen Kinder besuchen das Cheder, und vor diesen sind mehr als 50 Prozent die Kinder von Eltern, die wenigeals ein Rubel pro Tag verdienen. Die Kosten pro Kind variiere!, zwischen 18—25 Rubel (39—54 Mark) jährlich. 25 000 Chederschuler zu je 14 Schülern mit den Minimalkosten von 18 Rubeln pro Kop erfordern also 6 300 000 Rubel (13 545 000 Mark), die die ärmst Bevölkerung ohne jeden Zwang jährlich für Unterricht ausbringt. - Der Sultan hat den Großrabbiner von Konstantinopel 25 00« Piaster zur Verteilung an die jüdischen Armen der Stadt geschickt. — Zum Dozenten für Bibelexegese und semitische Sprachen am Hebrev Union College in Cincinnati ist Rev. Dr. Julian Morgenstern der seine Studien in Berlin und Heidelberg absolviert hat, gewähl worden. — Bon den 252 536 Einwanderern, die laut amtliche Statistik im Jahre 1906 in den argentinischen Häfen landeten waren 13 880 Juden. — Rabbiner Jaco b Meier in Jerusalem ist zum Oberrabbiner von Salonichi gewählt worden. - Jnl Anschluß an unsere früheren Mitteilungen über bv aramäischen Papyri und die jüdische Kolonie von Elefan tine im 5. Jahrhundert v. Chr., die wir vor längerer Zeit gebracht wird berichtet, daß der französische Orientalist Clermont- Ganneau bei seinen jüngsten Ausgrabungen auf Elefantine unter andern wichtigen Funden etwa 100 mit aramäischer Schrift und Sprache beschriebene Ostraka (Topfscherben), die den durch die ara mäischen Papyri bereits erkarrnten Aufenthalt von Juden auf Ele fantine im 5. Jahrhundert v. Chr. weiter bestätigen, gefunden hat Dieser Neufund ist aber von ganz besonderer Wichtigkeit, da e gestattet, den Stadtteil zu bestimmen, in dem die aramäischen Inder ihre Niederlassung hatten. Damit wird es auch möglich, im nächster Jahre nach dem kleinen Heiligtum Ausgrabungen anzustellen, vor dem in diesen aramäischen Papyri aus der Zeit des Darius Artaxerxes und Xerxes die Rede war. Clermont-Ganneau wird dies Ausgrabungen in der nächsten Saison selbst unternehmen. Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagier-Dampfern der Hambnrg-Amerika-Linie finden statt: Nach New Uorkr 22./6. Postdampfer /.Batavia", 27./6. „Kaiserin Auguste Viktoria", 29./6. „Arcadia", 4./7. „Amerika", 6./7. „Patricia", 11./7. Schnellpostdampfer „Deutschland", 13./7. Postdampfer „Präsident Lincoln", 20./7. „Graf Waldersee". Nach Boston r 30./6. Postdampfer „Bethania". Nach Baltimore; 30./6. Postdampser „Bethania". Nach Philadelphia; 26./6. Postdampfer „Artemisia". Nach Westindienr 24./6. Post dampfer' „Hermersberg", 25./6. „Mecklenburg". Nach Ostasten 25./6. Postdampfer „Brasilia", 30./6. „Slavonia", 10./7. „Liberia" Nach Wladiwostok n. Nikolajewsk a. Amur: 20./6. Post dampfer „Cyrus". Arabisch - Persischer Dienst: 30./6. Post dampfer „Secilia", 27./7. „Canadia". *