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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-01-25 · Heft 4 (25.1.1907) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 4 (25.1.1907)
Date
1907-01-25
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 empfangen. In der Petition ist die Erhöhung der Funktionszulage, welche israelitische Volksschullehrer für nebenamtliche Versehung des Vorsüngerdienstes beziehen, auf 500 Mark p. a. gewünscht. Sämtliche Herren der Vorgesetzten Behörde versicherten den Delegierten, daß die Behörde von der Berechtigung des Wunsches überzeugt und mit der Begründung desselben einverstanden sei, daß auch Mittel und Wege zur Abhilfe gesucht und gesunden werden sollen. Eine Belastung der israelitischen Zentralkirchenkasse behufs Aufbringung der hierfür erforderlichen Mittel sei jedoch vor Beratung des Etats 1908 09 nicht möglich. Wie in der Zwischenzeit abgeholfen werden soll, das werde die erneute Beratung innerhalb der hohen Behörde zeigen. Die Delegierten waren der Ueberzeugung, daß die Wünsche der israelitischen Lehrer bei der Behörde ein geneigtes Ohr finden werden. Gesterretch-Nnsarn. Wien, 21. Januar. Die christlich - fo ziale Partei veröffentlicht eine Kundgebung, worin sie sich neuerdings als christlichsoziale Reichspartei mit „auf christlicher Weltanschauung" beruhendem Programm erklärt und mitteilt, daß sie in allen Bezirken, wo sie auf Erfolg rechnen kann, eigene Kandidaten ausstellt. Wir brauchen nicht zu sagen, was das für uns zu bedeuten hat. Ob aber der Judenhaß auch „auf christlicher Weltanschauung" beruht, mögen die frommen geistlichen Protektoren der Partei entscheiden, der übrigens doch nicht mehr alles hier so gelingt, wie sie es wünscht. So wollte Herr Lueger jüngst bei dem Empfang der Deputation des Bukarest er Magistrats eine kleine antisemitische'Demonstration, auf der Ringstraße arrangieren, was ihm aber gründlich mißlungen ist. Am Ende ist das „Volk" von Wien schon des ganzer! chrisÜichsozialen Spektakels müde. Sobald es ein anderes Spielzeug erhält, ist die ganze Herrlichkeit zu Ende. Davor zittert auch Herr Lueger, der weiter sieht als sein Anhang. Schweden. J'. Stockholm, 17. Januar. Die hiesige jüdische Gemeinde'' hat wieder den Verlust eines ihrer besten Männer zu beklagen.. Am 8. d. M. ist hier der langjährige Vorsteher der jüdischen Gemeinde und türkische Generalkonsul Simon Sachs im 68. Lebensjahre gestorben. In Deutschland geboren und erzogen, kam er her als junger Mann und fand hier eine Anstellung in dem bekannten Warenhause des Josef Leja. Später wurde er Schwiegersohn und Kompagnon des letzteren. Unter seiner Leitung entwickelte sich ckms genannte Warenhaus zu einem der ersten Geschäftshäuser in Stockholm. Obgleich er mehrfacher Millionär und Besitzer hoher Orden und Auszeichnungen war, blieb er doch dem Glauben seiner Väter unerschütterlich treu und zeichnete sich durch Bescheidenheit und Anspruchslosigkeit aus. Die Trauerfeier fand in der Synagoge statt, die bis auf den letzten Platz gefüllt war. Die ganze Feier, und insbesondere die Gedächtnisrede des Herrn Rabbiners Professor Tr. Klein, machte ans die Anwesenden einen tiefen Eindruck. Die große Beteiligung an dieser Trauerkundgebung, sagte Redner, ist schon ein beredtes Zeichen für die hohe Wertschätzung, deren sich der Verstorbene von allen Seiten zu erfreuen hatte. Simon Sachs wird von sehr vielen vermißt werden, aber am meisten wird er den Armen und Bedürftigen fehlen. Tenn er war im Besitze wahrer Menschenliebe und übte große Wohltätigkeit im Stillen. Ehre feinem Andenken! Von Aah und jfern. ---- Anläßlich des Ordensfestes haben erhalten: den Kronenorden iII. Klasse Geheimrat Professor Pinner, Geheimrat Professor Dr. Mosse-Königsberg; den Roten Adlerordeu IV. Klasse Oberrabbiner Weil-Colmar, Professor Schreiber-Königsberg, Geheimrat Marcuse, Amtsgerichtsrat Buka-Graudenz, Justizrat Geiger- Frankfurt a. M., •, Landgerichtsrat M a r e u s. Kommerzienrat Kantorowicz-Posen," Bezirksrabbiner Dr. M. Silberstein-Wiesbaden. — Die ^Oberlehrer^Tr.,Mosler und Dr. Sachs haben den Professortitel erhalten. — In Charlottenburg ist aui 13. d. M. Frau Dr. Elise Edel, die Gattin des Sanitätsrats Dr. Edel, gestorben. Die Dahingeschiedene hat sich Jahrzehnte hindurch bis zu! ihrem Tode in hervorragender Weise um die wohltätigen Ein - richtungen in der Religionsgemeinde verdient gemacht. — In! Crossen a. O. ist am 16.'d. M. der Vorsteher der jüdischen Gemeinde ’ I. Lesser, gestorben. — Zn Neuruppin hat die Stadtverordneten; Versammlung mit allen gegen eine Stimme beschlossen, dem seiteru des Magistrats vorgelegten Schlachthofstatut, das ein Verbot de. Schächtens aussprach, die Zustimmung zu versagen. — Für Breslau! Land ist von der Freisinnigen Volkspartei als Reichstagskandida! Justizrat Heilberg aufgestellt worden. — In Harburg ist Amts : richten Dr. Hertz, in Karlsruhe Stadtrat Dr. Weill als Kandida j für den Reichstag aufgestellt worden. -- Der bisherige antisemitisch; Reichstagsabgeordnete Pastor Krösell umrbe vom Schöffengericht ii; K yri tz dieser Tage zu zwei Wochen Gefängnis wegen Ehrenbeteidigun; verurteilt. —■ Das Reichsgericht in Leipzig verwarf die Revisioi des Grafen Pückler gegen das Erkenntnis der Berliner Strafkammer vom 20. Oktober v. I., nach welchem der Angeklagte zu drei Monate, Gefängnis verurteilt war. — In Hannover ist die Frage: Habei jüdische Eltern die gesetzliche Verpflichtung, ihre Kinder in der jüdischen Religion unterrichten zu lassen?, die kürzlich vom Schöffen gericht bekanntlich verneint worden ist, vom Landgericht bejah; worden. Sie wird jetzt zur Entscheidung des höchsten Gerichts gebrach werden. — Dem seitherigen Kult ns Vorsteher Jakob Huhn ii Stadtleugsfeld wurde in Anerkennung seiner 50jährigen verdienst : vollen Amtsverwaltung vom Großherzog die goldene Verdienst medaille verliehen. — In der öffentlichen Ausschußsitzung der israe Mischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. wurde die Zustimmung de- Polizeipräsidenten zn der erfolgten Neuwahl von drei Ausschuß Mitgliedern und einem Vorstandsmitgliede bekanntgegeben. Zun Vorsitzenden des Ausschusses für 1907 wurde Dr. Hecht, zum Stell Vertreter Dr. Baerwald gewählt. Der Gemeindevorstand hat aU Vorsitzende Dr. Blau und Dr. Jafsö berufen. Ter Verbandsta. der deutschen Juden wird in diesen! Jahr in Frankfurt abgehalten. Der pensionierte Kultusbeamte F. Uhlfelder in Bamberg begüu mit Frau, geb. Weismann, das Fest der goldenen Hochzeit. De« Jubilar hat sich durch gewissenhafte Pflichterfüllung und unermüdlich- Bernsstreue die Liebe und Zuneigung der hiesigen israelitische!; Knltusgemeinde erworben. So nahm auch die ganze Gemeind : Anteil an der goldenen Jubelfeier. — Die Großherzogin'von Bade!; hat aus der Jubiläumsspende der Frauen und Jungfrauen dc- Landes dem Großherzoglichen Oberrat der Israeliten für das in Ba> j Türrheim zu errichtende Hospiz für israelitische Kinder und minder - bemittelte Erwachsene die Summe von 8000 Mark zugewiesen um dabei ihren! Interesse au der baldigen Erstehung dieser Anstalt Ans druck verliehen. -- In Stuttgart wurde der Rechtsanwal Dr. Erlanger zum Vorsitzenden des Bürgerausschusses gewählt. — Anden erstmals vorgenommenen Proporzwahlen für den württembergischei Landtag ist Rechtsanwalt Tr. Elsaß iru ersten Wahlkreis als Siege hervorgegangen. - - Dem Kaufmann Heinri ch Hi rsch in Stn t tga v ist vom Präsidenten der französischen Republik der Orden der Ehren legiou verliehen worden. — In Mailan d ist am 21. d. Al. de Senator Professor Graziadio Ascoli im 78. Lebensjahre gestorben Mit ihm ist einer der größten Sprachforscher unsererZeit dahingegangen Ausführlicher Nekrolog folgt. -Der Gesetzentwurf über die Regelung de Verhältnisse der russischen Inden soll von. dem Minister de Innern bis zum Februar für den Ministerkonseil vorbereitet werden . woraus er an die Reichsduma geht. (Aber hoffentlich noch vv : der Anleihe!) --- Tie „Nowoje Wremja", die behauptet hatte. bi Revolutionär, der das Attentat auf den Stadthauptmann vo! Petersburg verübte,sei ein Jude gewesen,veröffentlicht heute,daß zwo seine Personalien lücht festgestellt worden seien, wohl aber, daß er nia! Jude gewesen ist. — Der Stadthauptmann von Moskau hat den Rekt«! der Universität um Angabe der Adressen sämtlicher jüdischer Studentc! gebeten, da er im Falle von Unruhen an der Universität sie al | ausweisen will. Ein tüchtiger Mensch! — Der amerikaniscl! Handelsnnnister Oscar Straus hat eine Kommission zum Studiui der gesetzlichen Vorschriften über die Behandlung von Zwischende^ Passagieren ernannt. Er glaubt, daß die Zurzeit in Amerika gelten« Akte von 1882 einer zeitgemäßen Revision bedarf.

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