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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1907-01-04 · Heft 1 (4.1.1907) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
71 (1907)
Issue
Heft 1 (4.1.1907)
Date
1907-01-04
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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hatte, ijiiifl er, um mobeiMte Philotogie zu ftuötereu, zuuächst uacl) Bonn, um im Hause, und..unter Leitung seines inzwischen dahin verzogenen Oheims Ludwig das Studium zu beginnen. Dann ging er nach Leipzig und nach Berlin, wo er 1878 mit einer Schrift über den „Mönch von Montaudon, ein provenzalischer Troubadour", promovierte. Die Arbeit lvnrde in der Fachwissenschaft sehr anerkannt. Sein sehnlicher Wunsch war es gewesen. Universitätslehrer zu n orden, da aber inzlvischen sein Vater gestorben war, wiesen ihn die äußeren Verhältnisse auf sofortigen Erwerb. Er nahm eine Lehrerstettuug um Philanthrop in in Frankfurt a. M. cm, wo er, mit Unterbrechung durch eine halbjährige Studienreise nach England und Frankreich, von 1874 bis 1886 tätig war; darin lvnrde er zum Direktor der Jacobson- Schnle in Seesen gewählt. Seine glänzende Veranlagung in pädagogischer und verwaltungstechnischer Richtung kam hier zur Volten Entfaltung und trug die reichsten Früchte. Das innere uub äußere Aufblühen der Schule war der Erfolg seiner Leitung. Seine letzte Freude war die von ihm erstrebte regierungsseitige Bestätigung der Jacobson-Schule als Nealproghinnasinm, sein letztes Schreiberl an das Kuratorium der Schule seine Befriedigung darüber, daß das Kuratorium die von ihm beantragte Regelung der Lehrer-Witwennnd Waisenversorgung genehmigt hatte. 1879 verband er sich mit Lina Strauß aus Wiesbaden zll glückt ieb st er, aber kinderloser Ehe. Seine Frau stand ihm bei der Verwaltung des großen Alumnats der Jacobson-Schule treu und erfolgreich zur Seite. Mit seiner vielseitigen Begabung verband er Milde, Güte und Menschenliebe in reichstem und höchstem Maße. Diese Herzenseigenschaften strahlten so von ihm au* daß jeder, der ihm nahe trat, ihn verehren mußte. Auf dem Felde, seiner Ehre, beim Unterricht, ist er im 58. Lebensjahre vor: einem Schlaganfall getroffen und an dessen Folgen verstorben. Sein Warne aber und die Erinnerung an sein pädagogisches Wirkeil wird in der Geschichte der Schule, die ihn: soviel zu danken hat, unvergessen sortleben.' i. Anrtl), 29. Dezember. Ter Magistrat hat heute der Ernennung des Rechtsanwalts Alfred Nathan zum Ehrenbürger der Stadt gern linb freudig zugestimmt. lAus Anlaß der Stiftung von 300 000 M. für ein Wöchnerinnen- und Säuglingsheim.) Tie vorn Gemeindetottegiuul allgeregte Dankadresse wird mit der Ehreubürgerrecbtsurkunde vereinigt werden. Rechtsanwalt Nathan hat übrigens mit Schreibell vorn 30. d. M. jeden Dank als unverdient abzuwehren verflicht, da er nur einen mündlich ausgesprochenen Wunsch seiner Mutter, die iiocti in ihrem letzten Atemzug Liebe 31t ihrer Vaterstadt betätigt hat. in Ausführung brachte. Um auch äußerlich seinen Dank zu dokllinentieren. habe er beftimmt# daß jedes am 6. Dezember 1906 in Fürth geborene Kind aus seine Kosten ein Sparkassenbuch voll je 100 Mark erhalte. Oesterreich-Ungarn. H Wien, 31. Dezember. Einen großen nlld schlveren Verlust hat das Gesamkjudentum durch das Hiuscheideu des gefeierten Gelehrtell Salomon Buber in Lemberg erlitten, der aui 28. d. Mts. in seinem 80. Lebensjahre gestorben ist. Was er der Wissenschaft des Judentums gewesen, lvas er für die Kenntnis des Midrasch geleistet, das lnögen berufenere Federn schildern. Hier gilt es nur. den Schmerz über den große:: Vertust im atlgemeinen auszudrücken. Denn Salomon Buber gehörte nicht bloß der wissenschaftlichen Arbeit allein an. Er war allch kaiserlicher Rat, Vorsteher der israelitischell Kultusgemeinde in Lemberg. Ehrenmitglied vieler lvissenschastlicher und genieinurihiger Gesellschaften uslv., Großgrundbesitzer und Seniorchef der Firma Salomon Buber. So beklagen viele Kreise den großen, unersetzlichen Verlust. Das Leicherlbegängnis fand am 30. d. Mts. unter allgemeiner Teilnahme weiter Kreise statt. Der Name Buber aber wird sortlebeu iit der jüdischen Geschichte! . (Allch wir beklagen den Verlust des großen Gelehrten ilnd teuren Freundes mit tiefer Wehmut. Sein Andenken sei gesegnet, sein Geist lvird fortleben! Die Red.) — Leider erlveist sich das Prognostikon, das 'man allseits unserm gegenwärtigen Instizminister stellt, als richtig, und die Aussicht auf den antisemitischen Justizminister rückt immer näher. Den . jetzt amtierenden Minister Dr. *U(ein haben die Antisemiten freilich auch schon völlig verschüchtert. Als er sein Ault antrat, war er, der Schöpfer unseres Zivilprozesses, eine der stolzesten ä -- Hoffnungen der Monarchie. Fetzt zeigt es sich, daß er ein Streber ist, kein Mann? daß er au seinem Amte zaghaft klebt: daß er aus Furcht, es zu verlieren, die krasseste Rechtsbeugung fortbestehen läßt. Mm: braucht nur den Fall Hitsner zu nennen. Diesen Fall, der im zwanzigsten Jahrhundert wieder einen Ritualmord schaffte 1111 b selbstverständlich auch einen Ritualiuörver. Der Berliner Rechtsanwalt Dr. Nußbaum hat des angeblichen Täters Unschuld in einem vortrefflichen, eben in zlveiter Auslage erschienenen Buche aktellmäßig nachgewiesen, der Wiener Obertandesgerichtsrat Kallina hat diesen Nachlveis offiziell bestätigt, der frühere Beisitzer eines obersten Gerichtsj Hofes. Mar- Burckhard, ist in flalumenden Artikeln in der „Neuen! Freien Presse" für das Opfer zornig eingetreten, und der Justizminister,! er loeis; selbst arn besten, daß nicht von einen: Ritualmord, fonberu! einzig von einem Justizmord die Rede sein kann. Gleichwohl ist es! hier ein offenes Geheimnis, daß gerade an ihm alte Revisions-! bemühnngen scheitern, nub daß es nur die blasse Angst vor dem i Unmut unserer allmächtigen Ehristlichsozialeu ist, die ihn zu diesem j mörderischen Schweigen treibt. So verdanken wir es den: freisinnigen | und gelehrten Justizminister Dr. Frar:z Klein, daß Oesterreichs Justiz einem Halls Arnold Schwer überantwortet ist, dem blutrünstigen Analphabeteil des antisemitische:: Deutscheil Volksblattes, der die Hilsuer-Hetze planmäßig arrangiert hat. — Eine Fürsorgestätte von j hohem Werte für die ohne Unterstützung Heranwachsenden Mädchen i lvnrde dieser Tage in feierlicher Weise ihrer Bestimmung Übergebell. Geleitet von den: Gedanken, daß alleinstehende Mädchen in: Alter! von 14 bis 16 Jahren großen Gefahren ausgesetzt sind, mein: sic | nicht unter Schutz und Aufsicht geuommeu werden, hat in: Jahre 189.'-: ■ der Leopoldstädter Francnw0bltätigkeitsverei 1: auf Jllitiative der I Frau Vereiuspräsideutiu Frau Berta Krüger einen „Kaiseri ll I Elisabeth-Lehru: ädch e uh 0rt" als Kaiser-Jubiläumsstiftung gegründet. In diesem Hort erhalten arme, verlvaiste Mädchen im! Alter von 14 bis 16 Jahren unentgeltlich Wohnung, vollständige! Beköstigung, Kleidung, körperliche itiib geistige Ausbildung und Unterweisllng in allen häuslichen Arbeiten. Diese Mädchel: solle:! einem Berufe zugesührt merbeit nnb lverdei: zu diesen: Zwecke auf i Kosten des Vereines in Werkstätten ausgebildet. Ist die Ausbildung erfolgt, so kann das Mädchen gegen Abgabe eines ihrer Entlohnung j entsprechenden Betrages im Heim verbleiben. Von Sah und jfrrn.! - Zll Justizräten wurden ernannt die Rechtsanlvätte Mar! M 0 sse, Dr. H. 9tenma nn, L. 9Jcelldets01) 11, Sandberg,! Dr. Kuzuitzkh, Dr. Nt. Horwitz, Dr. Steiuitz, Heilborn, > D. Ranmann in Bertill, Levh in Ohlau, Dr. Emannel Eohn! und Dr. Rosenthal in Breslau, Levi in B0llu, Sternberg in Danzig, Bärwald in Bronlberg. - Geheimer Sanitätsrat! Dr. Max Alt mann erhielt der: Roten Adlerorden IV. Klasse. — | Willialn W0lf, dem verdienstvollen Musikgelehrten, Dirigenter: j des Synagogeuchores in der Lindenstraße unb Dozenten an der! Humboldt-Akademie, ist der Titel Professor verliehen lvorden. Am! 1. d. M. beging Herr Aron Friedmann seill 20jähriges Jubiläum i als Kantor der Gemeinde zu Berlin unter allgemeiner Teilnahme! weiter Kreise von Fachgenossen und Verehrern. — Dem hier seit! langen Jahren ansässigen Oberingenieur I. Mandl, über dreißig i Jahre bei A. Borsig tätig, der seit dreizehn Jahren Vorsitzender des >, hiesigen Bereills der Oesterreicher unb Mitglied des Verwalt« ugs-! kornitees des österreichisch-ungarischen Hilfsvereins ist, lvnrde von:! Kaiser voll Oesterreich das Ritterkreuz des Franz Joses-Ordens ver- > liehen. — Der persische Generalkonsul, Fabrikbesitzer Mar Leon,! ist zun: Komnlerzienrat ernannt lvorden. — Der Kreisarzt Dr. Eohn i in Hehdekrng hat den Charakter als Medizinalrat erhalten. — Jln Kreise E z a r n i k a u - F i l e h n e -K 0 l nt a r stellten die vereinigten Liberalen ' den Stadtverordneten und Privatdozenten Tr. Prellß-Bertill als! Kandidaten au f. — In Ha mburg lvnrde Dr. R. A. Nobel tu I Leipzig zun: Rabbiner des Deutsch-Israelitischen Shnagogen-Berbandes! gelvählt. — Ir: Weset ist an: 20. v. M. der Fabrikant Earl l Zaudh. Vorsteher der dortigen Geuteinde, ein allgeulein geachteter j nlld beliebter Bürger, im 76. Lebensjahre gestorben. — Kommerziell > rat Jsaac Leopold Beer in Frankfurt a. M. erhielt das Ritter! kreuz des belgischen Leopoldordens. — Jll Jeßnitz i. A. ist am

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