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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-12-11 · Heft 50 (11.12.1903) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 50 (11.12.1903)
Date
1903-12-11
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 14. November P. P. Vorstand der israelitischen Gemeinde Diepholz z. H. des Herrn Fontheim. Seine Majestät der Kaiser und König lassen für den Ausdruck der Teilnahme danken. Auf allerhöchsten Befehl der geheime Kabinetsrat von Lucanus." 0. Frankfurt a. M., 2. Dezember. Die „Freie Vereinigung für oie Interessen des orthodoxen Judentums" hat ihren Bericht veröffentlicht. Es gelangten während dieser Zeit im ganzen 170 Gesuche zur Bewilligung und beliefen sich die Allswendungen für statutenmäßige Zwecke insgesamt auf 16170.09 Mark. Hiervon betrafen: 1. Subvention an hilfsbedürftige Gemeinden zum Zwecke der Anstellung beziehungsweise Erhaltung geeigneter Lehrer und Schächter: 51 Subventionen mit zusammen 3030 Mark. 2. Subventicmeit an hilfsbedürftige Gemeinden zur Errichtung beziehungsweise Reparatur von Nitualbädern: 29 Subventionen mit zusammen 2050 Mark. 3. Subventionen an hilfsbedürftige Gemeinden zur Reparatur von Synagogen: 6 Subventionen mit 375 Mark. 4. Stipendien als Beihilfe zur Ausbildung zum Rabbiner- und Lehrerbernfe:^27 Subventionen mit zusammen 1072 Mark. 5. Subventionen zur Erhaltung ritueller Restaurationen: 10 Subventionen mit zusammen 1850 Mark. 6. Subventionen zur Beschaffung ritueller Militärverköstigung: 11 Subventionen mit zusammen 790 Mark. 7. Diverse Subventionen (Beihilfe zur Herausgabe von aktuelle Interessen des gesetzestreuen Judentums betreffenden Schriften; Beschaffung ritueller Verköstigung am Peßachfeste in Kranken- und Gefangenenanstalten; Beiträge zur Ausbildung zum Sofer. Mohel unb anderes mehr): 36 Subventionen mit zusammen 1155 Mark. 8. Für allgemeine Zwecke im Interesse des gesetzestreuen Judentums 5843,09 Mark, Summa 16170.09 Mark. In dem Bericht fiubet sich auch folgende weitere Kreise interessierende Stelle: „Bereits in der ersten Aufforderung zur Gründung der Freien Vereinigung wurde auf die Wichtigkeit der Veranstaltung von in gesetzestreuem Smne zu haltenden Wandervorträgen hingewiesen und dieselbe als eine der Ausgaben unserer Vereinigung bezeichnet. Die Vereinsleitung hat nunmehr beschlossen, dieser Aufgabe näher zu treten und zu diesem Zwecke mit mehreren hierzu geeigneten Persönlichkeiten sich in Verbindung zu setzen, welche gegen Honorar und Vergütung der Auslagen zur Abhaltung von Vorträgen an geeigneten Orten über mit ihnen zu vereinbarende Themata sich bereit finden. — Diese Vorträge sollen, dem Zwecke derselben entsprechend, solche Themata zum Gegenstand haben, bei deren Behandlung eine Förderung des gesetzestreuen Sinnes und Lebens zu erzielen ist und die eine anregende für weitere Kreise leicht verständliche Darlegung zulassen. Wir hoffen, bald Näheres über die Art und Weise dieser Veranstaltung, welche unserer Vereinigung zum weiteren Ausbau und zugleich weiteren Kreisen zur Förderung gereichen wird, bekannt geben zu können." Man sieht, daß die Herren von den verhaßten „Neologen" gelernt haben. v Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 7. Dezember. Der Jahresbericht der Israelitischtheologischen Lehranstalt für 1902/1903 ist eben erschienen. Voran geht eine gelehrte wissenschaftliche Arbeit von Hofrat Professor Dr. Müller überHammurabbi und Moses, die sicher in der Gelehrtenwelt grobes Aufsehen erregen wird. Für die segensreich wirkende Anstalt war es trotz aller Bemühungen bis nun nicht möglich, die Oeffentlichleitsrecht zu erwirken. Die Ursache hierfür liegt einerseits in dem Gesetz, betreffend die Regelung der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Gemeinden, wonach diesen ausschließlich das Recht eingeräumt wurde. Rabbiner zu ernennen, anderseits in dem Umstand, daß die gesetzliche Qualifikation für das Amt eines Rabbiners bis heute noch nicht gegeben ist. In den zehn Jahren ihres Bestandes hatte die Anstalt den Verlust von vier Mitgliedern des Kuratoriums zu beklagen. Es sind dies die Herren Moritz Freiherr von Königswarter, Dr. Adolf Jellinek. Wilhelm Rrtter von Gnttmann und Moritz Karpeles. Letzterer, welcher am 18. März 1903 verschied, versah das Amt des Präsidenten durch acht Jahre mit seltener Hingebung, mit opferwilliger Pflichttreue, mit besonnener Um- und Vorsicht und mit bestem Erfolge. Für die restliche Funktionsdauer bis Ende 1905 wurde der bisherige Vizepräsident Herr Moritz Edler von Kuffner zum Präsidenten und Herr Theodor Ritter von Tanssig zum Vizepräsidenten gewählt. Seit dem Bestände der Anstalt waren an derselben 81 ordentliche, 12 außerordentliche Hörer und 14 Schüler der Vorbildungsschule inskribiert. Hiervon haben 21 Hörer ihre Studien an der Anstalt beendet, und von diesen haben 19 die Rabbiner- Prüfung mit gutem Erfolge abgelegt, 5 Hörer sind vorzeitig ausgetreten, 40 Hörer haben teils ihre Studien an einer anderen Lehranstalt fortgesetzt, teils sich einem anderen Berufe zugewendet und 27 Hörer obliegen derzeit ihren Studien au der Anstalt. Berufen wurden: Dr. H. P. Chajes als Dozent an das Rabbinerseminar in Florenz, Dr. Huß als Religionsprofessor nach Troppau, Dr. I. Bergmann, bisher in Friedek, als zweiter Rabbiner nach Karlsruhe in Baden. Dr. M. Bauer, bisher in Gaya, als Vereinsrabbiner in den VIII. Bezirk von Wien, Dr. I. L. Landau, bisher iu Manchester, nach Johannesburg in Südafrika. Dr. Mandel, bisher Vereinsrabbmer im X. Bezirke, wurde zum Wiener Gemeinderabbiner ernannt. Stipendien erhielten in den letzten Jahren: Ans der Osias H. Schorr- Stiftung 14 Hörer ä 600 Kronen, aus der Baron Jonas von Königswarter-Stiftnng zwei Hörer ü 936 Krollen, ferner von der israelitischen Gemeinderepräseutallz in Prag zwei Hörer a 200 Kronen und zwei ä 128 Kronen, vom Kuratorium des mährisch-jüdischen Landesmassafonds ein Hörer ein Stipendium von 100 Kronen. — In Prag kämpft der famose Pater Drozd, um seine Unschuld bei den Defraudationen der St. Wenzels-Vorschußkassa zu beweisen; bezeichnend wirkt eine Aeußerung, die er dem Präsidenten zur Antwort gab, als dieser den Angeklagten befragte, weshalb die St. Wenzelskassa nicht dem allgemernen Sparkassenverbande beigetreten sei? „Wir sind ein katholisches Institut," sagte der angeklagte Pater, „und es ist nicht llötig, daß jeder Jude uns in die Bücher schaut." Nun, die Buchführung bei dem streng katholischen Institut war derart, daß kein ehrlicher Jude oder Christ hätte darin Einsicht nehmen dürfen! Von Msh und Lern. ---- Dr. Georg Reichen heim, Mitinhaber der alten Firma N. Reichenheim Söhne, ist im Alter von 62 Jahren gestorben. Der Verstorbene, ein Angehöriger der bekannten Att-Berliner Familie, war eine durch seine Wohllätigkeitsbestrebungen beliebte Persönlichkeit. — In Perleberg wurden die Anträge des Schlächters Heinze, das Schächtverbot auf dem städtischen Schlachthof aufzuheben, ebenso wie der Antrag der jüdischen Genleindevertretung, ihr einen besonderen Raum im Schlachthaus zwecks rituellen Schlachtens zu gewähren oder die Genehmigung zur Erbauung eines eigenen Schlachthauses zu erteilen, vom Magistrat und allch von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt. — Die vom Könitz er S ch wurgerich t wegen Meineids in Sachen der Ermordung des Gymnasiasten Winter verurteilte Frau Roß hatte einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens gestellt. Wie das „Koniher Tageblatt" meldet, ist dieser Antrag zurückgewiesen worden. — In Schub in ist im Alter von 97 Jahren der bekannte frühere Lehrer L. I. Braunhart gestorben. Derselbe war der letzte Schüler Heinrich Heines, der ihn und Salomon Munk im Jahre 1823 in der Lehranstalt des Berliner Kulturvereins unterrichtet hat. — Ein Teil der wertvollen Rothschildschen hebräischen Bibliothek ist teilweise aus Frankfurt a. M. nach Hamburg gekommen. Die Frau Baronin Wilhelm von Rothschild hat nämlich aus dem Nachlasse ihres verstorbenen Gatten dem Hamburger Klaus- Institut der deutsch-israelitischen Gemeinde 120 Bände äußerst seltener hebräischer Schriften gespendet. — Rabbiner Dr. Ziegler in Karlsbad hat „in Anerkennung seiner Verdienste um die Errichtung des Kaiser Franz Joseph Regierungs-Jubiläumshospizes für arme Israeliten in Karlsbad" das Ritterkreuz des Franz-Josiphs- Ordens erhalten. — Unter der falschen Spitzmarke: „Religiöser Wahnsinn" bringen politische Blätter die Nachricht, daß der Rabbiner F. Citron in Hajdu-Dorog iu Ungarn, seine junge Frau im& sein einziges Kind getötet und dann seinem eigenen Leben ein Ende bereitet habe. —In Paris ist ein antisemitisches Sensationsstück von Maurice Donnay: Le retour de Jerusalem, aufgeführt worden. — Dr. Adolfo Rava, der seine Studien in Berlin und Heidelberg eben beendet hat, ist als außerordentlicher Professor für Rechtsphilosophie an die Universität Camerino berufen worden. — Anläßlich seines Geburtstags hat König Eduard die Herren Harry S. Samu el, Uuterhausmitglied für Limehouse und Pathaniel Nathan, bisher Reichsanwalt iu der Kolonie Trinidad und Tobago, in den Adelsstand erhoben. Ferner hat der König Herrn Arthur Sassoon und dem bekannten Oberst Golds mit den Vietoriaorden IV. Klasse verliehen.

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