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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-11-06 · Heft 45 (6.11.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 45 (6.11.1903)
Date
1903-11-06
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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67. Jahrgang. No. 45. Allgemeine Berlin, 6. November 1903 eitung des Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements.Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 HX. Redakteur:^ Gustav Ttarzreles. Begründet von Rabbinev Ludwig PHMppson. Verlags-Expedition: Berlin, Jernsalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgenl. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 46/49, zu richten. Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Die Sne Srith-Logen. B Berlin, 3. November, ehr oft hört man auch heute noch in jüdischen Kreisen die Frage anfwerfen: Was tun denn eigentlich die jüdischen Logen? Es liegt in der Natur der Sache, daß die weitverzweigte Tätigkeit des Ordens der Bne Brith-Logen nicht so in die Oeffentlichkeit dringt, wie sie es wohl verdiente. Nur bei großen und gemeinsamen Aktionen der deutschen Judenheit wird auch dieser Organisation gedacht. Es liegt aber gar kein Grund dazu vor, da es sich ja durchaus nicht um eine geheime Gesellschaft handelt, weiteren Kreisen einen Einblick in das umfassende Arbeitsgebiet der Logen zu verschließen. Der Orden hat schon jetzt mehr als sechzig Logen in den größten Gemeinden Deutschlands. Der Kreis seiner Anhänger wird sich aber ohne Zweifel noch ansehnlich erweitern, wenn man aus den Ausführungen eines der trefflichsten Männer, die diesem Bunde angehören, des Herrn Sanitätsrat Dr. Maretzki, ersehen wird, welche Anschauungen in dey Logen vorherrschen und welche Aufgaben sich diese für die nächste Zukunft gestellt haben. Der Grundgedanke dieser Ausführungen ist der Satz: „Der Orden steht auf d ein Boden sozialer Arbeit, der Orden hat die soziale Seite der Judenheit auszubauen." Diese Tendenz ist so umfassend, daß sie in Wahrheit das Gesamtleben der Judenheit in sich schließt. Hieran reiht sich die folgende Schilderung der Aufgaben, die den Logen erwachsen: Es muß also den Logen obliegen, Fragen der sozialen Arbeit aufzuwerfen, vorzubereiten in die Wege zu leiten, Fragen kultureller, wirtschaftlicher Natur, Fragen der Bildung und der Wohlfahrt, der Geschichte. Die Großlvge müßte anregen, die Geschichte der Juden aller Logen-Stüdte zur Darstellung zu bringen. Das ist höchst notwendig, dient dem Einheitsgedanken. Nicht minder wichtig ist die Kenntnis des gegenwärtigen Lebens der Juden. Das statistische Material ist nicht in dein nvtivendigen Umfange vorhanden, ist zerstreut nach Orten und sachlichem Inhalt. Es wird nicht geleugnet werden, daß nur auf Grund wahrheitsgemäßer, zuverlässiger, statistischer Aufnahmen man ein zutreffendes Bild vom sozialen Leben der Juden gewinnen kann; die richtige Enguetisierung gibt allein die Sicherheit des Urteils, die richtigen Mittel und Wege, wo und wie man Hand anlegen soll zur Aufbesserung sozialer Zustände. Denn immer noch gibt es ungelöste Fragen in der sozialen Lage der Juden und immer wieder tauchen neue auf, an deren Lösung man früher oder später Herangehen muß. Das Berufs- und Erwerbsleben der Juden, das Geistesleben derselben und seine Vielsachen Zweige, das Bildungswesen ist noch nicht genügend erforscht. Ich bin mir wohl bewußt, daß vielfach Berichte darüber vorhanden sind und fast jährlich herausgegeben werden, aber hochinteressant und für die künftige Förderung von unermeßlichem Nutzen wäre es, wenn wir zusammenfassende, von großen Gesichtspunkten geleitete Abhandlungen Hütten, die Gegenstand der Beratungen werden müßten. Sehr bedeutsam für die Zukunft der Judenheit wäre es, wenn wir eine Pathologie der Juden bearbeiten könnten, wofür ein tiefes Bedürfnis vorhanden. Es ist ungemein ivichtig, die Judenheit auf ihren Gesundheitszustand zu prüfen, Mittel und Wege zu finden, um die folgenden Generationen in ihrer Gesundheit zu heben und zu festigen. Auch hier gibt es eine Anzahl von Einzeldarstellungen; sie sind zerstreut, behandeln Sondergebiete. Auch hier fehlt das Zusammenfassende, auf die Erforschung allgemeiner Ursachen Hinzielende. Dasselbe gilt von den Wvhlfährtsbestrebungen, die in jedem Lande, in jeder Provinz gewiß ihr Gutes stiften; aber sie sind ohne Fühlung mit einander, ohne Gemeinsamkeit in der Wirkungssphäre. Kurz das gesamte Gegenwartsleben unserer Glaubensgenossen harrt noch einer objektiven verständnisvollen Bearbeitung. Das wäre so recht eine Aufgabe von hochidealem Werte, an deren Lösung die Logen ihre Kraft und Intelligenz einsetzen könnten. Das wäre von ungeheurem Werte für unsere Glaubensgenossen in allen ihren Schichten. Das Gebiet, das hier tunin kurzen Zügen geschildert, ist so umfassend und so reich, daß es für eine Reihe von Jahren Stoff genug bietet, und es ist kaum zu besorgen, daß der Stoff ausgehen könnte. Die Hebung des sozialen Bodens unserer Glaubensgemeinschaft kann nicht ails einem Punkte allein in Angriff genommen werden, alle Faktorei: müssen erörtert werden, ivill man zur richtigen Nutzanwendung gelangen. Alle großen städtischen Gemeinwesen geben Jahrbücher über Leben und Weben ihrer Mitglieder Jahr für Jahr heraus, nur bei uns Juden fehlen solche Darstellungen und Uebersichten. Und doch sind sie für uns höchst wichtig und dringend nötig, wollen wir einen Einblick in unser soziales Treiben gewinnen, »vollen wir die kulturelle Steigerung bei uns fördern. Die Gestaltung des Hausierhandels, seine Ausbreitung und Wandlung, die Handwerkersrage, das Kunsthandwerk, das Kunstleben erfordern unsere Beachtung und eingehende Aufmerksamkeit. Die bessere Ausbildung und gesicherte Fortbildung unseres Kaufmannsstandes, die hochentwickelte Technik bedarf der Fürsorge. Die Heranziehung der unteren Stände sür Bildung und Kenntnisse muß mehr in Angriff genommen werden. Ich meine damit die Unterhaltungsabende für Unbemittelte (Toynbee-Hallen) deren günstiger erziehlicher Einfluß

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