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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-10-23 · Heft 43 (23.10.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 43 (23.10.1903)
Date
1903-10-23
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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Misrellru, Bischof und Rabbi. Der verstorbene Rabbiner Dr. Gustav Gottheil in Newhork, der vor kurzem im Alter von76 Jahren ins Jenseits abberufen wurde, war nicht bloß ein glänzender Kanzelredner, sondern auch äußerst schlagfertig in der Debatte und der Unterhaltung. Diese seine Schlagfertigkeit bewies er auch bei einem Zusammentreff en mit dem Bischof Potter, das, wie wir einer niedlichen, unter obiger Spitzmarke mitgeteilten Erzählung in einer der vornehmsten Wochenschriften Newyorks entnehmen, in folgender Weise verlies. Der Bischof, der immer zu einem kleinen Scherz aufgelegt war, redete den Rabbiner mit den Worten an: „Mein lieber Rabbi; letzte Nacht habe ich einen sonderbaren Traum gehabt. Ich träumte nämlich, ich sei gestorben und käme in den Himmel." „Wirklich? Nun, so möge sich einmal der Traum erfüllen!" antwortete Dr. Gottheil mit der größten Gemütsruhe. „Ich danke Ihnen für Ihren freundlichen Wunsch. Aber der Wahrheit gemäß muß ich noch hinzusügen, bevor ich in den Christenhimmel einzog, erlaubte man mir einen Blick in den Judenhimmel zu werfen!" „Und was haben Sie da gesehen?" fragte der Rabbi. „Nun, ich sah eine Menge alter Männer mit kahlen Köpfen und langen weißen Bärten und eine Menge lieber alter Frauen — alle ziemlich wohlbeleibt und mit Brillen auf der Nase — unter allen den vielen Menschen war nicht eine einzige junge Person. Was sagen Sie dazu?" „Hahaha!" lachte der Rabbi. „Aber wie sonderbar der Zufall oft spielt — denken Sie sich, lieber Bischof, auch ich habe letzte Nacht geträumt, ich sei gestorben." —‘ „Und wären in den Himmel gekommen-" „Natürlich. Aber ich kam an dem Christenhimmel vorbei, ich war nämlich auf der andereil Seite hinaufgekommen," setzte er erläuternd hinzu. „Als ich an der Himmelstür vorbeiging, stand dieselbe weit offen, und Sankt Peter stand halb schlafend an einen der Türpfosten gelehnt. Natürlich war ich neu* gierig, auch einmal einen Blick in den Christenhimmel zu werfen, und ich sagte zu Sankt Peter: „Erlauben Sie mir einmal einen Blick in den Himmel?" „Aber gewiß, lieber Doktor. Da schauen Sie sich die Geschichte an." antwortete Sankt Peter freundlich und stieß die Tür weit ans, so daß ich den ganzen Himmel übersehen konnte." — „Nun, und was sahen Sie?" fragte der Bischof, als der Rabbi schwieg. „Nichts, gar nichts, mein lieber Bischof, der Himmel war leer." Zu kaufen gesucht Allg. Zeitung des Judentums, Jahrgang 1886 bis 1900. Gefl. Angebote an 6. Calvary & Co. Buchhandlung Berlin 7. Junge Dame, Ende zwanzig, aus bester Familie, sehr gebildet und musikalisch, wirtschaftlich wie in allen Handarbeiten sehr gewandt, häuslich und bescheiden, sucht, nicht in Berlin, möglichst bald Engagement als Gesellschafterin «der Repräsentantin in besserem Hansen Referenzen: Herr vr. Hildesheimer, Herr Dr. Karpeles, Herr Direktor Lescynskh u. a. Gest. 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