Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 42 (16.10.1903)
- Date
- 1903-10-16
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
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4 israelitischen Lehrern kein staatlicherseits geregeltes Ruhegehalt wie den Lehrern an den öffentlichen Volksschulen zustande, ferner in welchem Dienstverhältnis diese Lehrer ständen und ob die israelitischen Synagogengemeinden im Besitz der Rechte einer juristischen Person wären. Hierauf ist mir mu 21. d. M. das in Abschrift beigesügte Schreiben der vorgenannten Dienststelle vom 17. d. M. zugegangen. Hiernach steht also den sämtlichen israelitischen Gemeinden, deren Neligionslehrer nicht zugleich Lehrer an öffentlichen Volksschulen sind, der Beitritt zu der eingangs genannten Kasse offen. Der Landeshauptmann." Die jüdische Lehrerschaft in Hessen-Kassel hat dadurch einen großen Erfolg erzielt, der sicherlich der ganzen jüdischeil Lehrerschaft Deutschlands ein Ansporn sein wird, mit alleul Nachdruck sich die Vergünstigung zu sichern, deren die Kollegen im ehemaligell Kurhkssen nunmehr teilhastig geworden sind. r. Remagen, 5. Oktober. Soeben ist der Geschäftsbericht der hiesigen „Chebroh Kadischoh", Verein zur Heburlg und Verbesserllng der sozialen Lage der Juden, gegrüildet 1837, erschienen. Der Verein ist in Hinblick ans den eminent jüdisch-gemeinnützigen Zweck, der gelviß jeder möglicheil Förderung würdig ist. inärmstens zu empfehlen. Derselbe sucht Knaben und Mädchen voll jüdischen unbemittelten Elteril, welche Llist und Fähigkeit für ein Handwerk oder für technische sowie für landwirtschaftliche Bernfsarten besitzen, um dieselben ein solches erlernen zu lassen, bezw. deren Eltern oder Vormüllder zu diesem Zweck mit Rat und Geldmitteln zu unterstützen. Da der Verein, bei Abschluß der Lehrverträge daraus zu sehen hat, daß es den Lehrlingen ermöglicht ist, beu religiösen Vorschriften nachzukommen, so wäre es dem Vorstande sehr erwünscht, auch Adressen von jüdischen Handwerksmeistern zu erhalten, die geneigt sind, unter dieser Bedingung Lehrlinge anfzunehmen. Meldungen von Lehrlillgen ulld Meistern sind an den Vorsitzenden, Herrn Moritz Faßbender, 31t richten. Im Jahre 1902 befanden sich in der Lehre: zwei Schneider, ein Schuster, drei Kleidermacherinnen. eine Putzmacherin, ein Schlosser. Neu ausgenommen pro 1903 sind bis jetzt: eine Näherin, eine Putzmacherin. Die Mitgliederzahl betrug 1902 : 187 ordentliche Mitglieder. 18 außerordentliche Mitglieder, vier neue Mitglieder. Der Vorstand besteht aus den Herren: Moritz Faßbender-Remagen, Vorsitzender; A. I. Wolf-Remagen, stellvertretender Vorsitzender; Abraham Gottschalk-Ahrweiler; Daniel Wallach-Linz, stellvertretender Schriftführer; Hermann Hirsch-Linz; S. Sander-Erpel. ----- Würzvurg, 9. Oktober. Die antisemitisch-bauernbündlerische „N. Bayer. Landesztg." schrieb im Januar in einem Artikel, der jüdische Arzt Dr. Mayer in Nimpar sage beim Besuch von christlichen Krankeil den christlichen Gruß und besprenge sich mit Weihwasser. Dr. Mayer stellte Beleidigungsklage, über welche nach mehrmaligen Vertagungen nunmehr das Schöffengericht zu urteilen hatte. Von einer großen Anzahl Zeugen konnte kein einziger die Behauptungen des Bündlerorgans bestätigen. Das Urteil lautete für den zeichnende»; Redakteur, der vorgab. den Artikel nicht selbst geschrieben zu haben, aus 300 Mark Geldstrafe. i..Straßbirrg, 11.Oktober. Das Konsistorium des Unter-Elsaß hat dieser Tage ein Zirkular an die Gemeinden versandt, das znr Bewerbung um den „Michel und Fanny Weil'schen Tugendpreis" auffordert, der au» 17. Januar und am 2. August 1904, jedesmal im Gesamtbeträge von 800 Mark znr Verteilung gelangt. Berücksichtigt werden „israelitische Institutionen. Schriftsteller, Rabbiner und Lehrer, rvelche durch ihre gegebene Erziehung oder Lehre»;, ihre Schriften, ihre Predigten, das meiste zur sittlichen Hebung und Wiederaufleben unterer Glaubensgenossen in Elsaß-Lothringen beigetragen habeil." Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 12. Oktober. Eine recht sonderbare Rede war es, die der Bürgermeister von Wien, Dr. Karl Lueger, diese Woche vom Stapel ließ und wer nicht schon längst znr Ueberzeugung gelangte, der Dr. Lueger betrachte sein Amt als Bürgermeister vom Standpunkt des Agitators aus, dem mußte die unverblümte Art, in der Dr. Lueger seine Parteigenossen aufforderte, weiterhin sich als Antisemiten zu gebärden, eines besseren belehren, obzwar dies wohl der erste Fall sein dürfte,daß dasOberhaupt einer Stadt einem großen Teil seiner Bürger als offener Feind gegenüber tritt, und seine Anhänger zum Kampfe ruft, „komme auch", wie er so schön schließt, „der Sturm von unten oder von oben!" Na von oben wärs dem Dr. Lueger, den; streitbare»; Bürgermeister, nicht ganz erwünscht! — Der emerit. Rabbiner und Neligionslehrer Dr. David Brüll ist am ersten Slikkothtag einem Herzschlage erlegen. Der Verstorbene fungierte jahrelallg in Döbling als Rabbiner, erwarb sich wegen seines Charakters und seines Wirkens vielfache Sympathien und erreichte ein Alter von 74 Jahren. Ehre seinem Andenken! —Dr. Bretth0lz. Bezirksrabbiner aus Sissek, ist einstimmig zum Rabbiller in Triest gelvählt worden. Von Sah und Lern. — Dem Kommerziellrat Hugo Lissauer in Berlin wurde aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Amte als stellvertretender Handelsrichter der Rote Adlerorden lV. Klasse verliehen. — Der Rechtsanwalt Dr. Ludwig Lelvin, hatte im Sprechzimmer eines Kollegen mit diesem eine geschäftliche Unterredung. Plötzlich wurde ihm übel und er stürzte lautlos zu Boden. Eine Herzlähmnng hatte seinem Leben ein Ende gemacht. — Dem Lehrer I. Eckurann in Nienburg a. d. Weser wurde bei seinem Ausscheide»; ans dem Amte der Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens der Hohenzollern verliehen. — Kommerzienrat Aronsohn wurde von den Freisinnigen als Landtagskalldidat für Bromberg an Stelle des bisherigen Abgeordneten Crüger aufgestellt. Für Aronsohn stimmen and) die übrigen deutscheil Parteien. — Der zum Syndikus der Handelskammer in Bromberg gewählte Dr. M.Kandt ist kein Jude. — In Breslau ist am 4. d. M. der Amtsrichter a. D. Emil Sandberg gestorben. — Am 4. d. M. ist in Liegnitz der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, Louis Danziger, im Alter von 69 Jahren gestorben. — Bei ben sächsischen Landtagswahlen wurden zwei Antisemiten gewählt, darunter Herr Oswald Zimmermann. — In H annover ist am 4. d. M. der Baukier Moritz Oppenheimer, der Seniorchef des bekannteil dortigen Bankhauses Meyer Oppenheilller gestorben. Ein Schlagansall hatte seiner rastlosen, nimmer rllhenden Tätigkeit ein jähes Ziel gesetzt. — Dem am 1. Oktober d. I. in den Rllhestand tretenden Herrn A. Gutkind, der über 30 Jahre als Lehrer an der Jacobson-Schule in Seesen gewirkt hat, ist bei seinem Sckieiden aus dem Amte vonr Prinz-Regenten von Braunschweig das neben dem Herzoglichen Orden Heinrichs des Löwen gestiftete Verdienstkrenz I. Klasse verliehen lvorden. — In Ribnitz feierte die dortige jüdische Gemeinde das 100jährige Bestehen ihrer Synagoge. — Wie bereits gemeldet, hat der im Elsaß geborene, gegenwärtig in Paris lebende Herr Rhees, 100 000 Franks zur Errichtung eines israelitischen Waisenhauses in Hagenau gestiftet. Nunmehr hat auch der Gemeinderat einen Zuschuß von 4000 Mark zum Bau der Anstatt votiert. — Zum erstenmal in diesen; Jahre fand an den hohen Feiertagen ein jüdischer Gottesdienst in Bergen statt. — Oberst Goldsmid in London har den Militärdienst quittiert und aus diesem Anlaß den Viktoria-Orden erhalten. — In Londoll sind Charles Samuel, ein großer Wohltäter des dortigen Seminars, und Saul Jsaac, das erste konservative Mitglied des Hauses derGemeinen für Nottingham, gestorben. — Zum Präsidentender Handelskammer in M a n ch e st e r wurde Herr Ivan L e v i n st e i u, Präsident der chenrischen Gesellschaft in England, ein geborener Berliner, gewählt. — In Po ntypr id d (Glamorganshire), einer Stadt in Südwales, kam es am Roschhaschanah-Tage zu ernsten antijüdischen Unruhe»;. Während die Juden in der Synagoge beteten, verbreitete sich das Gerücht, daß die Juden ein christliches Mädchen in die Synagoge geschleppt und dort mißhandelt hätten. Das erregte große Unruhen unter der walesredenden ignoranten Bevölkerung und es rotteten sich bald bedrohliche Volkshaufen zusammen, mißhandelten einige Juden und wollten eine englische Ausgabe von Kischinew veranstalten. Die Polizeibehörde entsendete sofort bewaffnete Macht auf den Schauplatz des „Pogramms", der es auch gelang, die aufgehetzten Massen zu zerstreuen. — Dem in Petersburg sehr beliebten russischen Priester Petrow, dem seiner liberalen Kanzelreden wegen vom Synod das Predigen untersagt ist, wurde die Ausweisung aus Petersburg angedroht. Derselbe ist Autor des Aussatzes: „Ein jüdisches Königreich" in der vorige»; Nummer. — In Philadelphia sind von der demokratischen Partei E manuel Furth zum Richter und Edward H. Weil zun; Distriktsanwalt nominiert »vorden. — Der wegen seiner warmen Teilnahme für die jüdische Wissenschaft hochgeschätzte Richter Meyer Sulzberger hat dafür gesorgt, daß die Bibliothek des sel. Halberstamn; in Bielitz für das jüdisch-theologische Seminar in Newyork angekauft wurde