Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 67 (1903)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1903)
- Date
- 1903-10-02
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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67. Jahrgang. No. 40. Berlin, 2. Oktober 1903. Allgemeine eitung des Judentums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl. 3 ITT. Redakteur: Gustav rrarpeles. Begründet von Rabbiner D*» Ludwig PHMxpson. Verlags - Expedition: Berlin, Jerusalemerstr. 46/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Allgent. Zeitung des Judentums", Berlin SW., Jerusalemer Straße 46/49, zu richten. Verlag von Rudolf Messe, Berlin. Lum Lsubhütlmkelte. Berlin, 2. Oktober. s ist ein erhebender Gedanke, daß der Reigen der großen Feste Israels mit der feierlichen Erklärung des eivigen Blindes seinen Abschluß findet, den der Herr mit Israel geschlossen hat und immerdar aufrecht erhält: „Möge Gott mit uns sein, so lvie er >var mit unseren Vorfahren, möge er auch uns nicht verlassen und auch von uns nicht weicheil", so heißt es in der Hastarah des Festes uild dieses große Wort muß jeder Jude gerade in unseril Tagen sich tief in seine Seele prägen als eine kräftige Anregung zur Treue und Anhänglichkeit an dem väterlichen Bunde. Denn es ist dasselbe Wort, das einst der erste aller Propheten ausgesprochen: „Adonaj, unser Gott, hat mit uns einen ewigen Bund geschlossen am Horeb, nicht mit unfern Vorfahren allein hat Adonaj diesen Bund geschlossen, sondern mit uns allen, die wir noch heute leben auf Erden!" Elvig, sagt der Text, ewig und unvergänglich ist dieser Bund und eine Israel für alle Zeit auferlegte Verpflichtung. Denn eiuiij wie sein Urquell, dem es entflossen, ist das Wort Gottes, das Israel in diesen» Blinde empfangen und das es der Welt verkünden soll aberinalig nach dem Ausspruch des Propheten: „Gras verdorrt, Blnnre lvelkt, aber das Wort Gottes besteht ewiglich." Und daß nun Israel berufen ist, der Träger dieses heiligen Kleinods zu sein, diesen Ruhm will man ihm immer und immer wieder streitig machen. Gerade darum aber müssen wir.uns in diese»: Festtagen mit Kraft und Mut ausrüsten, oas Martyrium unsrer Sendung auch fernerhin zu tragen in der Ueberzeugung, daß das, »vas uns heute drückt und pudert, derinaleinst znm Seger: für die ganze Menschheit werden »vird. Das sicherste Zeichen, der »vichtigste Beweis für diese Sendung, ist diese Tatsache, daß Israel zuerst in den Besitz der Gott geoffenbarten Wahrheit gelangt ist. Diesen Vorzug müßte doch jeder gottgläubige Mensch, »velcher Religion er auch angehört, freudig anerkennen. Alle anderen Religionen und aus den: Schoße bereits entwickelter Nationen hervorgegangen, haben nur deren Eeistesprodukte in: Laufe der .seit entwickelt. Die Religion Israels aber, die bestiinint >var, 'aß aus ihr die Erkenntnis des einen einzige:: Gottes hervorgehen soll, sie ist nach einen: schönen Worte unserer Alten alter als Israel, älter als die Menschheit, ja älter als die Schöps,,»:g selbst. Nicht ist sie aus Israel, sondern Israel ist ans ihr ei:tsta»:den, denn zu Israel sprach der Herr erst durch den Mund seines Propheten: „Bevor ich Dich aus dem Mutterleib hervorgehen ließ, habe ich Dich geheiligt und zum Propheten: der Völker bestimmt." Darum sei es unser Stolz u»:d unser Ruh»»:, was auch die Gegner dagegen einwenden inögen, daß »vir in: Besitze dieser Wahrheit sind, die jede äußere Zierde, jeden freinden Glanz und Flitter verschmäht, »veil sie ihres inneren Wertes sich wahrhaft bewußt ist, daß »vir die Träger einer Wahrheit sind, die niemals altert, die nie sich verändert und die unzerstörbar ist. Als die ersten Bundestafeln zerbrochen »vnrden, da mußte man wieder andere anfertigen. Die Tafeln lagen in Trünunern, sagen unsere Weisen, ihre Worte aber sind geblieben für alle Zeiten. Denn die Wahrheit kann z»var oft und lange verhöhnt und verkannt werden, aber sie erhebt doch immer »vieder ihr strahlendes Haupt, denn es »valtet eine ewige Gerechtigkeit in: Himmel über uns, die ihr eivigen Sieg verleiht. Und dies sei Dein Ruh»»:, v Israel: Ich glaube heute noch, was ineine Urahnen vor Jahrtausenden geglaubt und meine späten Enkel einmal nach Jahrtausenden noch glauben werden. Wir gehören einem Bunde a:», den der Herr mit unser:: Vätern, mit uns und ebenso mit unseren spätesten Nachkommen geschlossen hat. Es ist sehr traurig, daß gerade aus der Mitte des Judentums heraus in neuerer Zeit gegen diese Mission sich die Stimmen derer erheben, »velche Israel seine nationale Bedeutung »vieder eroberi: »vollen, denn Israel hat unserer Ueberzeugung nach »mr sei»: Vaterland, seine Heiinat und sein ganzes Volkstun: im Geiste der ihn: von Gott geoffenbarten Wahrheit auf Erden. Ein Volk Israel ohne die Religion Israels ist ein Unding und i»ur »ver die geschichtliche Entlvickelung des Jndentums entweder nicht kennt oder absichtlich entstellt, kann solche Paradoxe aufstellen. Zu groß und zi: erhaben ist die uns überlieferte Wahrheit, um ar: ein Land gebunden, um auf einen Raum begrenzt zu sein. Selbst das Land Kanaan »vard Israel ja nicht als ein beständiger Aufenthalt verliehen, sondern ihin nur als ein vorübergehender Wohnort angewiesen. Wäre der Besitz des gelobten Landes das einzige Ziel geivesen, zu de»:: die Vorsehung Israel führen »vollte, so »väre es nach einem unabänderlichen Naturgesetz schon lär:gst gleich allen seinen Nachbarvölkern spurlos von der Erde verschwunden. Der Völker erstes ist Ainalek, sagt der heidnische Seher, aber Untergang ist doch sein Los. Nicht ein Volk, »»icht ein Vaterland, sv»:dern alle Länder :»nd Reiche der Erde sollte Israels Lehre sich erobern. Israels schönste und herrlichste Blütezeit »var diejenige, >vo es ohne Land »var, ohne Reich lebte, als es in der Wüste ii» den Hütten »vohnte, an die unser Fest erinnert und von der der Dichterin»n»d spricht: „Ich gedenke dir die Liebe deiner Jugend, die Treue deiner Brautzeit, da du mir nachzogst in die Wüste, in das Land, das saatenlose." „Als daher Moses vor seinen: Tode den Berg Nebo bestieg, uin das gelobte Land zu schauen," so heißt es in unseren» Festabschnitte, „da zeigte ihn: der Herr die ganze »veite Erde als