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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-04-21 · Heft 48 (21.4.1838) · p. Seite 192

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 48 (21.4.1838)
Date
1838-04-21
Page
Seite 192 (sequence 4)
Language
German
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192 tantestes Beispiel die Beschlüsse Rabbi Gerschoms in Bezug auf die Me anführen können,— so geben diese nur Jeugniß, daß allerdings kein menschliches Institut so eisern fest ist, daß es nicht bisweilen vor der Gewalt der Zeit sich biege. Hierdurch würden denn auch die andern Consequenzen des Verf. in Bezug des Rabbinenthums auf die Jetztheit wegfallen. — Da aber doch in der Tiefe der Ansicht des Verf/s, daß nemlich derRationalismus integrirendes Element des Judenthüms ist, eine Wahrheit liegt, so wollen wir nicht blos negiren, sondern nur einen andern Weg versuchen. — Der Verf. scheint uns den Rationalismus Ln der oben angeführten Definition nicht distinkt genug gefaßt zu haben. Wir verstehen unter Rationalismus die Vermittelung desJnhalts derOffenbarung mit dem Inhalte der Vernunft. Die für sich bestehende Entwickelung der religiösen Begriffe mag man, in ihrer exoterischen, empirischen, populären Gestaltung, wie bisher, natürliche Religion nennen; Ln esoterischer Gestaltung, istsieimmer das Geschäft unabhängiger Philosophie, mag man zu dem Glauben recurriren, wieKant, odersieaus der eigenen Existenz deduciren, wie Fichte. Der Rationalismus aber ist nur die Operation, vermittelst derer die Gesetze der Vernunft auf die Offenbarungslehre angewandt werden, und diese von jener erfaßt und gewältigt wird. Allerdings ist der Rationalismus dadurch eine Lösung, aber nur die Losung des Absoluten vomRelativen innerhalb derOffenbarung selbst. ÄZol zu bemerken aber ist es, daß alles Supernaturalistische in der mosaischen Offenbarung nur in das Gebiet des Relativen gehört, und nirgends als etwas Absolutes (wie im Christenthume z. B. die Menschwerdung Gottes für das ganze Menschengeschlecht) erscheint. Denn selbst die Offenbarung als Factum ist nur als ein Relatives, nemlich als israelitisch dargestellt (s. z. B. 5 Mos. 4, 7), deren letztes Resultat allerdings die Erkenntniß des einigen Gottes durch alle Völker ist (S. die Propheten in: „Von der fortschreitenden Entwickelung des Begriffs der Gottheit m der heil. Schrift", im Jsr. Pred.- u. Schul-Magazin Bd. III.).-Nicht im Judenthume, sondern in den fünf Büchern Moses, noch mehr im ganzen A. T. ist der Rationalismus schon vorhanden, indem in ihm schon die Lösung des Relativen vom Absoluten begonnen ist. Wenn es nun auch heißt: „Nichts davon und Nichts dazu!" so streitet dies mit unsrer Ansicht gar nicht, denn dies bezieht sich allein auf den Umfang derOffenbarung, und will diesen gerechter Weise sicher stellen. Daß aber schon innerhalb der mosaischen Gesetzgebung zeitliche Modification mit der Offenbarung vereinbar angenommen wird, ersieht man z. B. aus den Könkgsgesezzen, die schon an und für sich Anomalie nnd Modification voraussetzen (5 Mos. 17, 14 ff.). — Wir stimmen förmlich mit Herrn B. überein, daß eine Vernichtung des Rabbinenthums und Rückkehr zu der mosaischen Gesetzgebung theils unmöglich, theils verderblich wäre. Wie können wir zwei Jahrtausende ausstreichen, und da wieder anfangen, wo jene begannen? Das Rabbinenthum hatte in seinen ersten Jahrhunderten untaugbar die Tendenz, das Relative der mosaischen Gesetzgebung, das vermöge veränderter Zeit und der Entfernung aus Palästina, des Verlustes -der Selbstständigkeit unmöglich geworden, aus derselben zu scheiden. .Allerdings gingen sie dabei mit der mikrologischesten Gewissenhaftigkeit zu Werke, und sie trafen die Vorsicht, theoretisch noch lange leben zu lassen, was praktisch längst nicht mehr war. Aber geläugnet kann es nicht werden. Dahin gehört z. B. das förmliche Ersetzen der Opfer durch bestimmte Gebete. Es hat die Opfer nicht abgeschafft und aufgegeben, aber ersetzt — n:>roN pni n-mmn nwttS — diStd*» gibt das offene Gestandniß. Eben so die Zehenten; obschon der Zehente des Ertrags in einen Zehnten des Erwerbs verwandelt wurde, so wurde auch dies nicht einmal strenges Gesetz, und die Rabbinen selbst unterwarfen sich ihm nicht. --Auf gleiche Weise ist es die Aufgahe des neuern Judenthums, nicht die Zerstörung des Rabbinenthums^ wol aber die nothwendig gewordene Modification des rabbinischen Judenthums zu vollführen, und die Lösung des Relativen vom Absoluten wieder einige, Schritte weiter zu führen. Diese aber v ollständig zu machen, ist warlich noch nicht die Zeit gekommen! Anzeiger. Zn demselben werden Annoncen aller Art gegen 1 Gr. Gebühren für die gespaltene Zeile auö Petit-Schrift oder deren Raum ausgenommen. Die Verlagshandlung. Die große Chronik oder Geschichte des Weltkampfs in den Zähren 1813, 1814 und 181.), . von Johann Sporschil. 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