Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 48 (21.4.1838)
- Date
- 1838-04-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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II. Jahrgang. No. 48« Zeitung -es Zudcnlhums. Ein unparlheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Königl. Sächsischer allergnädigster Conceffion.) Leipzig, den 21. April 1838. Zeitungsnachrichten. Schwerin, 6. April (Privatmitth.). Der Großherzog K. H. hat beschlossen, einen jährlichen Zuschuß von 200 Thalern zu leisten, wenn ein der Zeit angemessener gebildeter Rabbine hier angestellt würde. Böhmen, 30. März (Privatmitth.). Der gefeierte Sänger des C o l o m b o, Herr August Ludwig Frankl, unser Landsmann und Glaubensgenosse, hat vom gesammten Adel und der Bürgerschaft der Stadt Genua ein Schreiben erhalten, worin sie nach einem eigenen Decrete vom 26. Aug. v. I. für die Verherrlichung ihres großen Sohnes ihm dankt, „indem er nicht nur ihn, sondern auch sie dadurch geehrt hatte, und sie werde stets aus diesem Gedichte Freude und Stolz schöpfen." Gleicherweise hat er von Sr. Maj. dem Könige von Sardinien, der die Widmung des Gedichtes angenommen hatte, ein huldvolles Schreiben nebst einer goldenen Dose mit dem Namen und!der Krolle des Königs in Diamanten geziert erhalten. — Oesterreich, 8. April. Zm ganzen österreichischen Kaiserstaate außer Ungarn und seinen Nebenlandern erblickten 1836 10)000 jüdische Kinder das Licht, was auf eine jüdische Bevölkerung von 250,000, also ein Achtzigstel der Gesammtbevölkerung, schließen laßt. Todesfälle fanden unter ihnen 9410 statt. Posen, 23. Marz (Privatmitth.). Bei den hiesigen aufgeregten Verhältnissen dürfte nichts wirksamer sein, als Ihre überall verbreitete und auch hier mit ungemeinem Interesse gelesene" Zeitung des Judenthums, die schon manchen Streit geschlichtet, schon manche Gemeinde über ihre Pflichten belehrt hat. Sie haben den Zerwürfnissen der Zeit nachgespürt, die auseinanderfahrenden Richtungen der literarischen wie der religiösen Erscheinungen §im Judenthume untersucht und geprüft, und endlich in der großen Idee, der „allgemeinen Zeitung des Judenthums" einen festen archimedischen Punkt gefunden, von wo aus die verschiedensten und entferntesten Interessen des jüdischen Volkes mit Sicherheit geleitet, und die regellosesten Aeüßerungen desselben in ihren angemessenen Geleis wieder zurückgebracht werden können. Mit Umsicht und Gediegenheit suchen Sie diese Idee zu verwirklichen; Unparteilichkeit aber machten Sie mit Recht zum Losungswort Ihrer Blätter, weil nur sie allein im Stande ist, der schönen Idee gehörige Kraft und ungehinderte Wirksamkeit zu verleihen. Diese letztere ansprechend glaube ich Grund genug zu haben", anzunehmen, daß Sie meinen aus dem Herzen kommenden Worten wol kein Plätzchen versagen werden in Ihren weitschallenden Zeitungsblattern. Der humane und edelgesinnte Vorstand der hiesigen Gemeinde ist gesonnen, da, so lange die Angelegenheiten der Bildung und der religiös-sittlichen Erhebung dem Volke überlassen sind, keine vortheilhaften Fortschritte zu erwarten stehen, der hochlöblichen posener Regierung eine Petition einzureichen, worin die gütige Beaufsichtigung solcher Angelegenheiten von Seiten genannter Regierung, und die Erlassung eines Decrets, behufs philosophisch gebildeter Rabbinen, wie es längst von der österreichischen Regierung publicirt worden, unterthänigst angesucht wird. Wie es aussieht, wird es ihnen an Unterschriften nicht fehlen, sollten sie nur kräftig und energisch einschreiten, und durch den erkünstelten Muth der Gegner sich nicht alsbald Abschrecken lassen. Die sogenannte Majorität der Gegenpartei macht bei weitem nicht die Mehrzahl der eigentlichen Stimmfähigen aus, die im Gegentheil alle für die Sache des Vorstandes eingenommen sind, sondern sie ist vielmehr eine sauer erbettelte und aus Eommiseration bewilligte Unterschriftensammlung von Leuten, denen es übrigens gteichgiltig ist, ob der oder jener, oder gar kein Rabbine wäre. Es bedarf warlich nur einer beharrlichen Ausdauer, und der Vorstand behalt ohne weiteres die Oberhand. So z. B. ist das Berufen der gegnerischen Schass-Chebra auf Maimuni, Könige, .1, 7 und Mose Jssarles, Jore-Dea, 245, 22 eine ganz armselige Spiegelfechterei. Schon ein flüchtiger Blick zeigt dem nur einigermaßen im Talmud Bewanderten, daß diese Stelle keineswegs itt das Gebiet der allgemein giltigen Halacha gehöre, die man buchstäblich zu .befolgen verpflichtet wäre. Nimmermehr kann aber von Rabbinen-Entscheidung bei -dieser'. Jedem leicht zu erörternden Frage die Rede sein, am wenigsten von einer Entscheidung der drei Rabbinate zu Lissa, Berlin und Breslau, da bekanntlich diese Gemeinden keine eigentlichen Rabbi wen besitzen. Merkwürdig aber ist es — und der thatige, jedoch energielose Vorstand möge sich dies zum Muster nehmen — mit welchem Eifer und mit welcher ungeheuren Kraftanstrengung die im Grunde schwächere Parthe: ihre Sache zu behaupten sucht; kein Mittel, auch das geringste nicht, lassen sie unbenutzt, wenn es nur den Gegnern im Verwirklichen ihres Vorhabens auf einige Zeit hinderlich sein, oder ihre eigenen Anhänger zum Fortfechten ermuthigen kann. Selbst den unschuldigen Maimuni und den biedern Mose Jssarl es, der alles, was irgend ein Rabbi je behauptet hatte, im Schulchan Aruch treu wieder erzählt, wollen sie zu Mitstimmenden in ihre Obscuranten-Ansicht ma-