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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-06-12 · Heft 24 (12.6.1903) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 24 (12.6.1903)
Date
1903-06-12
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 und war ein Selfmademan in des Wortes schönster Bedeutung. — Er war aber auch ein guter Jude 'und lange Vizepräsident der hiesigen jüdischen Gemeinde sowie Mitglied des belgischen Centralkonsistoriums. Die Feier, der die Kommunal- und Staatsbehörden, sowie viele andere angesehene Männer unserer Stadt beiwohnten, wurde durch Chorgesang eröffnet und geschlossen. Der hiesige Rabbiner Goldstein sprach ein hebräisches Gebet mtb hierauf hielt der Grand rabbin deßelgique, A. Bloch, eine ergreifende Trauerrede, in der er die Verdienstedes Heimgegangenen auf allen Gebieten seiner Wirksamkeit würdigte, und die aus alle Zuhörer einen tiefen Eindruck machte. Suszlsnd. n. Kischinew, im Juni. Die Wohltäter, welche für Kischinew ihren Beitrag geleistet haben, wird es interessieren zu ersahren, in welcher Weise das Hilfswerk geleitet wird. Die Stadt ist zum Zwecke der Hilfsleistung in 24 Bezirke geteilt, von denen jeder einem Kurator unterstellt ist. Gesuche, welche an eine Hilfskommission gerichtet werden, werden dem Kurator des Bezirks, in welchem Petent seinen Wohlrsitz hat. zur Recherche überwiesen. Der Kurator des Bezirkes bildet mit drei Kuratoren anderer Bezirke eine Subkommission, welche auf Grund der Recherche Bericht zu erstatten und Vorschläge zu machen hat. Diese Vorschläge gehen an eine zweite Kommission, die zur Hälfte aus Kuratoren, zur andern Hälfte aus angesehenen Bürgern besteht, welche Sachkenntnis haben, um die verursachten Schäden zu schätzen re. Diese zweite Kommission bestimmt, in welcher Weise die Hilfe zu erfolgen hat, und welche Beträge hierfür auszu-- setzen sind. Der Beschluß dieser Kommission bedarf indessen der Genehmigung der schon früher in Kischinew in Tätigkeit gewesenen ständigen Kommission für Wohltätigkeitsangelegenheiten, welche unter dem Vorsitz des Dr. Mutschnik tätig ist. Jede der 46 Familien, denen der Ernährer geraubt worden ist. hat ihren Kurator. Es ist das eine Mizwoh, um welche sich die angesehensten Mitglieder der Gemeinde gedrängt haben. Ein besonderes Damenkomitee, welchem aus Rußland Spenden an Kleidungsstücken zugehen, und welchem zur Ergänzung auch gewisse Beträge vom Hauptkomitee zur Verfügung gestellt sind, befaßt sich'mit der Verteilung dieser Kleidungsstücke urtd unterhält für Kinder ein Tagasyl. Eine besondere Kommission besteht für die indirekt Leidenden (Fuhrleute, Handwerker rc.>, welche bnrd) das vollständige Darniederliegen voll Handel und Verkehr in Bedrängnis geraten sind und sich in höchst kritischer Lage befinden. Endlich hat das Komitee auch noch für eine Anzahl von Glaubensgenossen aus den umliegenden Dörfern zu sorgen, welche ebenfalls durch die dortigen Ereignisse indirekt betroffen sind. Bei dem Kischinewer Komitee sind bisher 450000 Rubel eingegangen. Dagegen sind bis zum 28. Mai 2216 Gesuche um Hilfe eingereicht worden, in tvelchen die Petellten den ihnen erwachsenen Verlust aus 1897 040 Rubel angegeben haben. Von diesen Gesuchen waren bis zum 28. Mai 1316 verifiziert worden, und all 853 besonders arme und bedürftige Familien, welche ihrell Verlust auf 387198 Rubel angegeben hattell, ist der Betrag von 116000 Rubel gezahlt worden. Jlldessen sind in den geltend gemachten Anträgen lange nicht alle erlittenen Schäden enthalten, da vielfach mit Angaben über die Verluste zurückgehalten wird. Die jüdische Bevölkerung ist teilweise noch zu sehreingeschüchtert, um all neue Tätigkeit zu dellken, und glaubt, daß die Gelder beim Komitee ihnen allch später zur Verfügung stehen lvürden. Teils mag auch wohl die Hoffnung bestimmend gewesen sein, größere Beiträge bewilligt zu erhalten, wenn erst größere Summen dem Komitee zur Verfügung stehen. Endlich haben sich die Leute nicht gemeldet, die große Verluste erlitten, indessen ilicht direkt bedürftig sind, weil sie keine Entschädigung erhalten können, die annähernd ihnen das Verlorene wiedergibt. Zu den Beträgen, die in Kischinew zur Verfügung stehen, silld in Kischinew selbst über 40000 Rubel aufgebracht worden. — Wie unwahr die Berichte sind, welche von der russischen Regierung über die Vorgänge in Kischinew verbreitet wurden, beweist folgende Tatsache: Bekanntlich sollen nach der amtlichen Darstellung die Unruhen in der erregten Bevölkerung dadurch zum Ausbruch gekommen sein, daß ein jüdischer Karussellbesitzer eine christliche Frau vom Karussell gestoßen haben soll. Die Unwahrheit ergibt sich daraus, dgß am ersten Osterfeiertage die Benutzung der Karussells von der PoliA überhaupt verboten war. Man sieht, daß die Fabel nicht in Kischinew aufgekommen sein kann, wo man den Sachverhalt kannte,, sondern Hl Petersburg ihren Ursprllng haben muß. Von Sah und Lern. — Frau Geheimrat Virch ow hat aus dem Büchernachlaß ihres verstorbenen Gemahls sämtliche auf das Judentum bezügliche Bücher. Broschüren, Rundschreiben und Zeitungsausschnitte der Bibliothek des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes überwiesen. — Gegenwärtig weilt hier Herr F. G. Ebstein, Major d. R. und stellvertretender Polizeikommissar in Newyork, zu Besuch. Herr Ebstein ist in Militsch in Schlesien geboren. Er hatte über die persönliche Sicherheit des Prinzen Heinrich bei dessen Anwesenheit in Amerika zu wachen. — Ein Opfer seiner Pestforschungen ist der 25 Jahre alte aus Agram gebürtige Arzt Dr. med. Milan Sachs am 5. d. M. hier geworden. — Am 2. d. M. ist hier der Verlagsbuchhändler und Bnchdruckereibefitzer, Handelsrichter Hugo Bernstein im 47. Lebensjahre plötzlich gestorben. Derselbe war der Besitzer des renommierten Dümmler'schen Verlages, in dem die Werke von Steinthal, Lazarus, Maybaum u. A. erschienen sind. —Am 6. d. M. ist hier der Ingenieur- Meyer Pletzner, Leutnant der Linie a. D., im 67. Lebensjahre gestorben. — Kommerzienrat Albert Arons hat der Stadt Berlin 10000 Mark zum Besten der Heimstätten für Genesende vermacht. — Stadtrat Josef Baer in Frankfurt a. M. hat den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Baronin Edmund v. Rothschild in Paris stiftete für das Siechenhaus in Frankfurt a. M. 300000 Mark. — In Nauheim ist am 7. d. M. der Berliner- Bankier Max Priester gestorben. Wie verlautet, hat derselbe der Stadt Berlin ein größeres Kapital für wohltätige Stiftungen hiuterlassen. — Der Bär mann Aschen Realschule in Dürkheim a. G., die durch ihr erfolgreiches Wirken rühmlichst bekannt ist, wurde die Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen für den Einjährig - Freiwilligen - Dienst verliehen. — Der Grandrabbin von Genf, I. Wertheimer, feierte am 22. v. M. unter allgemeiner Teilnahme seinen 70. Geburtstag. Derselbe ist seit 1873 auch ordentlicher Professor der Philologie an der dortigen Universität. — In Rom hat sich ein Komitee für Kischinew unter dem Vorsitz des früheren Ministers Luigi Luzzatti gebildet. — Cavaliere Weil in Mailand, Generaldirektor der Banca Commereiale, ist anläßlich der Einweihung der neuen Börse daselbst vom König zum Kommandeur des italienischen Ritterordens ernannt worden. — In Venedig ist der Vorsitzende der israelitischen Gemeinde Cav. Avv. G. Essera gestorben. — Die große goldene Medaille hat von der Jury der Pariser Ausstellung der jüdische Bildhauer E manuel Han n aux aus Metz für seine Statue „Dichter und Sirene", die im Museum Luxemburg aufgestellt werden soll, erhalten. — Der Staatsanwalts- Substitut am Appellgericht in Paris. Iustin S eligmann, ist zum Staatsanwalt am selben Gericht und der Vizepräsident des Civiltribuuals in Marseille, M. Abram, zum Kammerpräsidenten am Appellgericht in Aix ernannt worden. Der letztere ist auch Vizepräsident des israelitischen Konsistoriums daselbst. Toni comme eke? nous. — Die Sitzungen der englischen Fremdeiikommiision, die über ein Jahr tagte, sind nun zu Ende.— Das englische Oberhaus hat die Bill, betreffend die Erweiterung der Rechte der Jewisli Colonisation Association, genehmigt. — Die jüdische Auswanderung aus Rußland hat unter dem Eindruck der Kischinewer Katastrophe sich bedeutend verstärkt. In der letzten Woche haben sich im Hafen von Libau 2000 Inden eingeschifft, um nach Amerika auszuwandern. An die 4. C. A. kommen tagtäglich hunderte von Anmeldungen aus Rußland und Polen für die Kolonien in Brasilien. — Der Generalgouverneur von Warschau, Tschertkow, hat während eines Besuches bei dem Gouverneur von Suwalki die griechisch-orthodoxe römisch-katholische, evangelische und jüdische Geistlichkeit in Audienz empfangen und dabei geäußert, die russische Regierung werde alle ihr zu Gebote stehenden Gewaltmaßregeln zur Unterdrückung der Ausschreitungen gegen die Juden anwenden. — In Newyork wurde das Gebäude des neuen jüdisch-theologischen Seminars eröffnet, ein Geschenk des Philanthropen Herrn Jacob H. Schiff, das 280000 Dollars gekostet hat. Außerdem spendeten die Herren Schiff, Levinsohn und Guggeuheimer 200 000 Dollar, damit von den Interessen dieser Summe der Lehrkörper besoldet werde. Richter Sulzberger aus Philadelphia schenkte dem Institut eine wertvolle Bibliothek von 10000 Hebraica. —Leon Zolotkoff in Chikago wurde zum Staatsanwaltsstellvertreter in Illinois ernannt. Derselbe, ein geborener Russe, war Redakteur des „Hojom" in Petersburg und lebt erst seit 1887 in Amerika.

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