Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 47 (19.4.1838)
- Date
- 1838-04-19
- Page
- Seite 188 (sequence 4)
- Language
- German
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öffentliche Gemeinde-Institute, außer noch vielerlei Stiftungen der Privat-Aftese. Ehaliza-Acte. werden ,in der Haupt- Klause gehalten, deren ältester Rabbine Herr Sal. Weinhcim Dreyfuß, der auch sonst in Fallen von Abwesenheit für den Chacham vikarirt; Scheidungs-Vollziehungen aber werden, wegen nicht ganz klar desinirter Competenz und Form-Fragen gewöhnlich an das königlich Dänische Rabbinats Gericht in Altona verwiesen. Eine besondere Synagogen-Kleidung (Schulmantel und breite Hauben) war hier zu Lande nie gebräuchlich. Die Trauungen werden nach Wunsch der Partheien in Privat- oder öffentlichen Gasthäusern gehalten, wohin jedesmal die Ch.uppa transportirt wird. Die Form derselben ist höchst einfach und kahl, und es wird jede Rührung und Erbauung dabei absichtlich vermieden; denn die alten Lieder mi adir und a<lir adircnu sind abgeschafft, eben wie Musik und Rundführung, ohne daß etwas N-ues an die Stelle getreten ist. Die anfänglich von dem Chacham gehaltenen Traureden wurden nach einigen Versuchen wieder eingestellt und dieXvtudä wird nur ganz trocken vorgelesen, als das was sie freilich' in der That ist — ein bürgerlicher Kontrakt *). Es verdient bemerkt zu werden, daß vorzüglich bei dem im vorigen Jahrhundert gebildeten Theil dieser Gemeinde früher für den Ritus und noch mehr für die Aussprache der Portugiesen eine besondere Vorliebe herrschte, welche sich zum Theil aus der Zeit Wesfely's herschreibt, der bekanntlich hier in die port. Gemeinde eintrat und von derselben begraben wurde. Um die Zeit, da der neue Tempel entstand, und bald darauf der Chacham angestellt wurde, konnte man sich hier allgemein gar keine Reform des Gottesdienstes ohne jene Pronunziation als Besiandtheil denken. Der Widerstand gegen den Tempel hat jedoch diese Vorliebe bei der übrigen Gemeinde ziemlich verwischt, und es ist nichts davon zurückgeblieben, als der Titel Chacham für den Rabbinen, die ng Aussprache für das u und eine größere Aufmerksamkeit auf richtige Aussprache des Hebräischen 4°) als bei den meisten, zumal südlichem, deutschen Gemeinden Statt findet. Die hiesigen Tora-Vorleser gehören gemeiniglich zu den geschicktesten. *) Als ein beachtungswürdiges Beispiel möge hier angeführt werden, daß der Chacham, zufolge der ihm eingeräumren Stellung weder bei Hochzeiten, noch, sonst wo Sporteln und Geschenke irgend einer Art von den einzelnen Gemeindegliedern empfängt Anm. d. Corresp. kj Es iist auffallend, daß beim Hebräischen die nachlässige Aussprache sich beim Ueberschlucken des schwächsten e bemerklich macht eben wie beim Französischen. (Scheba-nase-muet), Un- Jnzwischen setzt der Strom der Zeit seine Verwüstungen auch hier fort, und unterspült die festesten Dämme. Geht gleich der Abfall nicht mehr so reißend als vor etwa 30 Jahren, so gibt es doch verhältnißmäßig nicht viele Eltern, die ihre Kinder bei der Stange zu halten vermögen, und einzelne Ausnahmen abgerechnet, wirkt bei den Söhnen das Beispiel und der Zwang der Geschafts-Concurrenz, bei den Töchtern die Gelegenheit zu günstiger Verheirathung, noch mehr als beides aber bei Eltern und Kindern die hamburgische Vergnügungssucht. Wie manche Dame, die ein irrthümlich gebrauchtes Messer drei Tage lang in die Erde steckt, geht in bloßem Haar frisirt in, Gesellschaften; wie mancher Mann, der am Sabbat keinen Geschäftsbrief liest, gibt eigenhändig Geld an der Theaterkasse, in öffentlichen Gärten und an der Thocsperre aus! Wer könnte auch unbeweglich stehen in einer Welt, wo alles wankt? (Fortsetzung folgt.) Beinerkutrgerr. Wenn der übersandte Aufsatz von Herrn R. K. v. B. wegen deS früher angekommencn Materials noch nicht abgedruckt werde« kann, so erbitten wir doch Aehnliches, nur nicht in Gesprächsform, weil diese langstabgenutzt, und eben wie ein Gespräch nur zu oberflächlicher Entwickelung Raum gibt. Das Schreiben des Herrn Vitson in Böhmen ist nicht angekommen. Wir bemerken hiermit ein für allemalf daß wir anonyme Briefe fernerhin nicht berücksichtigen werden. Die Redaktion. fern Kindern muffen der vielerlei Regeln über die zweierlei Sclieba eben so überflüssig Vorkommen, als dem polnischen Juden die zweifache Bepunktung des tL7! Ein« regelmäßige Aussprache deS Hebräischen ist aber für uns, die wir darin lese», schreiben, beten und sogar singen von ganz anderer Wichtigkeit, als dem bloßen Philologen, dem die Sprache in jeder Hinsicht todt erscheint. Anm. d. Corresp. Redact-ur: vr. L. Philippfon. — Verlag von Baumgartner- Buchhandlung. — Druck von I. B. Hirfchfeld.