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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-04-03 · Heft 14 (3.4.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 14 (3.4.1903)
Date
1903-04-03
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Berlin, 3. April 1903 07. Jahrgang. Ar. 14. Allgemeine eitung öes Audenthums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich.! Abonnements-Preis.- Durch Buchhandel,! Post oder direkt von der Expedition in Berlin I unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M. I Redacteurr Gustav Karpeles.! Begründet von Uadbiner Ludwig PHMppson-Sonn Verlags-GrpeLilion: Lerlin, Lerusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der ..Nllgem. Zeitung des Judenthums", Berlin Jerusalemer Straße48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Moffe, Berlin. Injsltlf. Leitartikel: Zeitglossen. — Die Woche. — Briefe aus England- 2 on Nev. Dr. Chotzner. — Briefe ans dein Orient. — Eduard Munk. Bon Ir. S. Carpin. — Henryk Glicenstein. Von M. Friedeberg I. — Feuilleton: Versunkene Welten. Historische Erzählung aus Judäas KönigszZk. Von Carola Buchhei in. I. — Aus dem Lande der Knechtschaft. Von Iamuel Cord o n. Aus de«n Englischen übersetzt von M. P ulve r-!ia n n. III. — Zu Babel und Bredel. Von Gusta v Steine r t. — Der Gemeindebote. — Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin 2 us der Provinz Posen, Breslau, Liegnitz, Hannover, Hamburg, Wien. — L on Rah und Kern. Zeitglossen. Berlin, 3). März. einem Berichte in den Tageszeitungen verhandelt Zurzeit die Staatsregierung mit der katholischen Kirchen- ' —behörde wegen Anstellllttg von Wandergeistlichen deutscher Nationalität für die Provinz Posen, deren Besoldung ous der Staatskasse erfolgen soll. Wir sind die letzten, die d en katholischen Mitbürgern deutscher Zunge diese Berücksichtigung mißgönnen, — wir vertreten vielmehr nach jeder Richtung das Prinzip der Gleichheit und begrüßen es mit Freuden, daß der ckaat als Vertreter aller seiner Bürger sich gerade der Schwachen (»nimmt, um ihre höchsten Interessen zu wahren. Seit längerer Zeit ist es ein Gegenstand eifrigster Ermägnngen in Wort wie in Schrift, wie der Mangel der Seelmrge in den kleineren jüdischen Gemeinden unseres Vaterlandes beseitigt werden könne. Von alten Seiten wird die c roße Not anerkannt und deren Abstellung zur unabweislichen Pflicht gemacht. Erst vor kurzem ist an dieser Stelle in einem reuen Vorschläge die Anstellung von Bezirksrabbinern durch me bestehenden Bezirksverbände befürwortet worden. Würde ober damit wirklich das gewünschte Ziel auch erreicht werden l >nnen? Was würden denn zum Beispiel die zwei in den leiden Bezirken der Provinz Posen anzustellenden Bezirks- 'abbiner, — wenn überhaupt die beiden hier bestehenden Be- -wksverbände dies vermöchten. — in den zahlreichen rabbinerlosen Gemeinden zu leisten vermögen? Da ist denn die von dem D.-J. G.-B. angestrebte Gründung von Bezirksrabbinaten l hne jeden Zweifel weit eher geeignet, Wandel zu schaffen! .st man nun wirklich Pessimist, wenn inan nach allen bisherigen Erfahrungen auf den freiwilligeil Zusammenschluß der G emeinden nicht allzu große Hoffnungen setzt? Wer von uns wird aber nicht, wenn er aus obiger Notiz die umsichtige Fürsorge der Behörden für die katholischen Deutschen der Probinz Posen, — die doch numerisch nicht allzu bedeutend sind, — wahrninunt, mit schmerzlichen Gefühlen an die Vernachlässigung der deutschen Staatsbürger jüdischen Glaubens denken müssen! Seit Jahren plagen wir uns, die geistige Not aus unfern kleineren jüdischen Gemeinden zu banne», ohne auch nur irgend welchen wesentlichen Erfolg zn erzielen, ohne auch nur um einen Schritt dem ersehnten Ziele näher gekommen zu sein - und der Staat vermöchte mit einem Federstriche alles im günstigen Sinne zu ändern. Eine einzige gesetzliche Bestimmung etwa derart! „Jede jüdische Gemeinde hat den Nachweis ihrer Zugehörigkeit zu einem Rabbinate zu führen", würde uns sicher zum Ziele führen. Was die Gemeinden, deren Steuerkrast schon ohnehin allzu sehr angespannt ist, freiwillig nur ungern hingeben, das würden sie von Staatswegen gewiß möglich machen, weil ja das Muß immer noch Auswege findet. Kann es denn dein Staat gleichgültig sein, ob ein Teil seiner Bürger die notwendigste religiöse Belehrung erhält? Müßten nicht solche Erwägungen die Staatslenker sogar veranlassen, — und das wäre ja die schönste Lösnng — die Gleichberechtigung aller Bürger auch in der Beziehung durchzusühren, daß er auch die jüdische Konfession, die ja in den Gesetzen als voll anerkannte auch in der Praxis gleichmäßig berücksichtigt, die Beamten im Dienste derselben anstellt und als Staatsbeamte behandelt? Was im Süden möglich ist und sich dort bewährt hat. sollte es nicht auch in den übrigen deutschen Landesteilen und vor allem in Preußen durchgeführt werden können? Ob wir vielleicht noch nicht nachdrucksvoll genug unsere Forderungen und Wünsche Vorbringen? Fast will es so scheinen. Sind sie wirklich schon an den Stätten der Volksvertretungen gehört und verteidigt worden? Daß ein paar jüdische Richter übergangen wurden — das mag gewiß hinreichende Ereiferung verdienen —, merken wir denn aber noch immer nicht, daß diese und ähnliche Zurücksetzungen eben mit der ganzen Vernachlässigung oder Geringschätzung unseres Bekenntnisses von seiten des Staates zusammenhängend Hier muß begonnen und der Hebel angesetzt werden. Es genügt nicht mehr, in der Defensive zu verharren, wie bisher, und jeden uns angetanen Schimpf oder erfahrenes Unrecht zurückzuweise», — die Aenderung der bestehenden einschlägigen Gesetze ist anzustreben. Es ist nun an der Jeit, laut und feierlich vor aller Oeffentlichkeit die Frage aufzurollen: Wann endlich wird den jüdischen Staatsbürgern das werden, was seit langem völlig ihr Recht ist? Wo find sie. die Volksvertreter, die auch unser Recht vertreten? Wo sind unsere Glaubensgenossen an den Stätten öffentlicher Beratung? Seien wir doch nicht so zaghaft, unsere berechtigten Ansprüche auch öffentlich auszusprechen, ernstlich und entschieden überall zu vertreten! Freilich die Stimmen einzelner ver-

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