Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-03-27 · Heft 13 (27.3.1903) · p. Seite 146

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 13 (27.3.1903)
Date
1903-03-27
Page
Seite 146 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228527-3228541--59614-3296143
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

146 nicht zugleich Anhänger der jedesmaligen staatlich anerkannten Glaubensrichtung ist. Die von der Regierung monopolisierte evangelische Kirche hat der wahren Gläubigkeit und der Anhänglichkeit an das Herrscherhaus außerordentlich schwere Wunden geschlagen. Der politische Kampf ist durch sie zugleich zu einem Religionskriege geworden." Auch heißt es an anderer Stelle der hier durchaus auch bei unserem Thema nicht zu ingnorierenden Denkschrift: „Wie lange sollen diese destruktiven Zustände anhaltend Sehnsüchtig schaut das deutsche Volk aus nach dem Erscheinen des Staatsmannes, der ihm eine edle, freiheitliche Entwicklung bereiten soll! . . . Die Synoden sind jetzt fast durchweg von einem unduldsamen Geiste durchweht. Und mitschuldig sind in erster Linie jene Kreise des hohen Beamtentums, die da glauben, durch Willfährigkeit gegen die unverständigen Forderungen der Synoden dem Interesse des Staates zu dienen. Welche verhängnisvolle Verblendung!" Niemand von jüdischer Seite hätte das Zeitalter des Antisemitismus mit schärferem Griffel zeichnen können, als es in der folgenden Schilderung dieser von etwa 400 großen Vereinen eiugereichten Denkschrift geschieht. Nachdem hervorgehoben wird, daß durch das System, wie es die Synoden wünschen die Mannestugenden und der edle Freiheitsdrang ertötet werden, heißt es weiter: „Dafür gewinnen wir verdrossene Bürger, Untertanen mit Bedientensinn, Streber, die nach oben hin unmännlich ergeben sind, gegen ihre Untergebenen aber rücksichtslos und brutal, bestenfalls herablassend und gönnerhaft, Heuchler, die ihre religiöse Gesinnung zur Schau stellen rc." Warum wir diese Denkschrift, wenn sie auch von sehr hervorragenden, unser öffentliches Leben und unsere moderne Geselligkeit genau beobachtenden Männern verfaßt ist, hier erwähnen? Nun, gerade diese scharfe Charakteristik unserer, leider immer schärfer zu einer Art „Bürgerkrieg" (wie Mommsen es kürzlich genannt hat) ausartendeu Zustände zeigt uns wie hohe Zeit es war, die Parole auszugeben: „Etwas mehr Distanz, etwas mehr Judentum!" Auch unsere religiösen Führer wird noch ein Wörtchen der Denkschrift interessieren, wenn man auch unsern Rabbinern nirgends den Vorwurf machen kann, daß sie sich der Pflege edler Geselligkeit je entzogen haben. Das Wörtchen ist an eine andere Adresse gerichtet, es lautet: Möchte sich doch die Geistlichkeit immer vergegenwärtigen, daß sie besser fährt, wenn sie, wie die katholische Geistlichkeit, dem Volksleben mehr Verständnis entgegenbringt und mit dem Volke lebt, fühlt und denkt. Es wäre dann vieles besser im Lande . . . Die Vergnügungen, die das schwer arbeitende Volk sich gönnt, nach der Beurteilungsweise des Pietismus als Sünden anzusehen, dahin wird man uns heutzutage nicht mehr bringen können." — Daß unsere Geselligkeit weder mit dem Pietismus noch mit der Zügellosigkeit etwas zu tun . hat, glauben wir dargelegt zu haben. Unser Karneval dauert nicht Monate, sondern nur einen Tag. Insofern hätten die deutschen Gastwirte Veranlassung, auch mit dem Judentum in ihrer mehrere Bogen umfassende» Denkschrift unzufrieden zu sein, — aber merkwürdigerweise, diese genauen Kenner unseres öffentlichen Lebens erwähnen uns gar nicht — für sie giebt es gar keine Judenfrage, sondern nur eine Synodenfrage. Me Woche. <5 Berlin, 23. März. Reichstag wurde am 20. d. M. über die rumänischen IM Juden gesprochen. Der Sozialist Eduard Bernstein schilderte in einer großen Rede die Leiden der Armenier uni der rumänischen Juden und fragte, was die deutsche Regierung zu tun gedenke, um die Türkei zur Besserung des Loses der Armenier und Rumänien zur Durchführung der Verpflichtungen die es auf dem Berliner Kongreß bezüglich der Juden über nommen hat, zu nötigen. Diese Fragen blieben leider ohne Antwort von seiten der Regierungsvertreter, denen sie offenbar zu heikel schienen. Aber der Agrarier Dr. Oertel machte sich über Bernstein lustig. Es ist begreiflich, daß Herr Bernstein dessen Ausführungen von Motiven der Humanität geleitet waren, gerade Herrn Oertel sehr komisch Vorkommen mußte, der eine eigene Auffassung von Humanität hat, welche sich in dem Eifer bekundet, mit dem Herr Oertel für die Wiedereinführung der Prügelstrafe eintritt. Zum Schluß sprach der Abgeordnete Schräder (Freisinnige Vereinigung), der die Regierung ersuchte, mit den anderen Signatar-Mächten sich der rumänischen Inden anzuuehmen. Aus der Rede des Abgeordneten Bernstein heben wir folgenden Passus hervor: „Noch ein anderer Volksstamm leidet unsäglich entgegen den Beschlüssen des Berliner Vertrages, und das sind die rumänischen Juden. Die Gleichberechtigung der Religionen ist im Berliner Vertrage ausdrücklich, und zwar gerade im Hinblick auf die rumänischen Juden ausgesprochen worden. Rumänien verdankt seine Existenz der Hilfe der europäischen Staaten, in denen damals noch der liberale Gedanke mächtig war. Als Preis für diese Hilfe wurde eine humane Behandlung der jüdischen Bevölkerung von Rumänien verlangt. Aber die rumänischen Staatsmänner haben ihr Versprechen noch schlechter gehalten als die Türkei, und zwar nicht aus Unfähigkeit, sondern aus bösem Willen. Ein schmählicher Wortbruch wird täglich begangen, und mit unerhörter Grausamkeit werden die Juden dort behandelt. Unter den sechs Millionen Rumänen befinden sich 370 000 Juden, in der Mehrzahl echte Proletarier, Arbeiter und Handwerker. Gegen sie richtet sich eine Politik der Aushungerung, wie sie ein rumänischer Staatsmann selbst genannt hat. Redner gibt einige Beispiele für die Art der Behandlung der Juden in Rumänien. Nur der Aufenthalt in den wenigen Städten ist ihnen gestattet. Landerwerb ist ihnen verboten. In den Städten sind ihnen die schlimmsten Beschränkungen auferlegt. Ein raffiniertes Unrecht ist die Beschränkung des Unterrichts für die Kinder der rumänischen Juden. Dir rumänischen Staatsmänner haben mit der Schlauheit, die nur im Orient zu finden ist, verstanden, sich um die eingegangenen Ver Pflichtungen herumzudrücken. Es werden keine „Juden" mehr aus gewiesen, sondern nur die „Fremden" aller Rechte beraubt. Dis armen Kinder der proletarischen jüdischen Bevölkerung werden zun Beispiel nur ausnahmsweise in die Schulen ausgenommen und müssen wenn sie ausgenommen werden, noch eine besondere Taxe zahlen. Sr behandelt man die Juden als rechtlos und brandschatzt sie noch außer dem. Die „Fremden" dürfen nicht Apotheker, nicht Rechtsagenter werden. Bei öffentlichen Banken wird kein „Fremder", kein Jude berücksichtigt. Dabei sind die dortigen Juden, wie gesagt, zum größter Teil Handwerker und Arbeiter. Der größte Haß gegen das Judentum in irgend einem Land hat nicht so grausame Maßregeln erdacht, wisse in Rumänien durchgeführt werden, und Europa sieht diesen Zuständen müßig zu und duldet das. Im österreichischen Parlament steht die Ein bringung einer Interpellation bevor, in der die Regierung gefragt wird was sie gegenüber den dem Berliner Vertrag geradezu hohnsprechen den rumänischen Zuständen zu tun gedenke. (Diese Interpellation ist vom Abgeordneten Dr. Skedl eingebracht worden. Die Red So fragen auch wir heute den Reichskanzler: Ist dem Reichskanzler bekannt, daß Schritte getan werden, um die rumänische Regierum; an ihre Verpflichtungen zu erinnern, und ist der Reichskanzler entschlossen sich solchen Schritten anzuschließen? Deutschland ist ja in Rumänien handelsessen sink land in der Men saugerisä beteiligt Deutschs Deutschlc dort Uni es geht j ihre Pfli „Verkauf Handelsr Pro liegt jetz „Zur Ä 63, 1—6 Orakeln nehme gelehrt sehr kur Es enth> und Ha sähe, di sich mit auf krit! Herr T Ghillan lains. Ausfall« beleucht Wu zeigt ei semiten Dokume „Da vom 16. Unterrich deutschen Minor i aus der 2000 Krc „Lebendi die untei jüdischen Sinn m eines nic Das pre weder be des Berl aei der ührung Eindruck desselben falsche V 'atsächlic Zeiten. 2 aber dur weiterer nnerhall indischen geordnet!ür die § Viederm,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.