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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-03-20 · Heft 12 (20.3.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 12 (20.3.1903)
Date
1903-03-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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i7. Jahrgang. Nr. 12. Berlin, 2V. Mär? 1903 eitung öes Zu-enchums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. I Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, I Post oder direkt von der Expedition in Berlin I unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M. I Nedacteurr Gustav Karpeles.! Begründet von Nabdiner N* Ludwig Phiiippson-Bonri. Verlags-Grpedition: Lerlin, Lerusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und! Expedition sind an die Adresse: Verlag der! „Allgem. Zeitung des Judenthums', Berlin I 8^V., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. I Verlag von Rudolf Moffe, Berlin. I Anfall. Leitartikel r Der Hilfsverein der deutschen Juden. — Die L>oche. — Aus der Berliner Gemeinde. — Die Emigranten zu Hause. — Feuilletonr Ein Nachkomme spanischer Marannen. Ein Lebensbild aus der (Gegenwart. Von Robert Jljisch, St. Petersburg. III. — Aus dem vande der Knechtschaft. Von Samuel Gordon. Aus dem Englischen übersetzt von M. Pulve r nr a n n. I. — Sprechsaal. Der Gemeindedote. — Korrespondenzen und Srachrichien: Berlin, rvhrau O.-S., Hannover, Geisa, Frankfurt a. M., Darmstadk, Nürnberg, Stuttgart, Wren, Cincinnati. — Bon Nah und Fern. Der Mlfsverem der deutschen Juden. Berlin. 18. März. Anfang der siebziger Jahre telegraphierte Cremieux namens des Zentralkomitees der Alliance isrnelite aus (^5 Paris air den Berliner Zweigverein: „Ich war gestern bei Decazes (Duc de Decazes war damals Leiter des Auswärtigen Amtes). Jetzt liegt alles bei- Deutschland." Die Hilfsaktion, um die es sich damals handelte, ist noch heute glicht zu Ende geführt, denn auch die 4Iliruie6 israelite ist gegenüber vielen auf dem Erdenrunde sich an Juden vergreifenden Brutalitäten machtlos; sie sucht aber fort und fort durch stetige Bildungsarbeit die Lage unserer Glaubensbrüder im Orient zn Heven. Aber nicht überallhin kann eine einzige Zentralstelle ihre hilfreiche Hand ausstrecken. Manches Land und manche Hilfsaktion liegt Deutschland näher; eine solche, ost plötzlich hervort elende Aufgabe läßt sich je nachdem von den deutschen (jildeu besser in Angriff nehmen, berührt, namentlich an Miseren östlichen Grenzen, oft unsere eigensten Interessen, und bei großen Unglücksfällen ist ja schnelle Hilfe doppelte Hilfe. Zn solchen Fällen bildeten sich bisher schnell Hilfskomitees in einzelnen Gemeinden, die sich dann wieder auflösten. Bis eine gemeinsame Beratung dieser vielen einzelnen Komitees stattsllden konnte, war aber, so zum Beispiel bei den Ausweisungen seinerzeit, durch mangelnde Organisation der Emigration u. s. w. viel Kraft vergeudet und mancher gute Groschen fast zwecklos vertan. Es fehlte namentlich auch für die Lösung großer Aufgaben bleibender Art zu gunsten unserer Glaubensgenossen im Osten und im Orient bei uns an einer Organisation. Diese ist jetzt in dem Hilfsverein der deutschen Juden vorhanden, der soeben seinen ersten Geschäftsbericht (1901/02 versendet hat. Noch immer klingt angesichts der langjährigen schlechten Konjunktur für die großen Aufgaben unserer Gesamtheit Crömieux Wort: „Jetzt liegt alles bei Deutschland" säst wie eine gelegentliche Ironie, aber die erst einjährige Tätigkeit des Hilfsvereins der deutschen Juden zeigt, daß auch bei uns der Boden nur beackert zu werden braucht, um dereinst Frucht zu tragen. Der Hilfsverein der deutschen Juden hat im ersten Anlauf seiner Propaganda in Berlin allein 1306 Mitglieder mit Jahresbeiträgen und einmaligen Beiträgen von zusammen 42710 Mark erreicht. In Berlin sind bisher fünf Bezirksvereine begründet, vier weitere in Berlin und zwei oder drei in den Vororten sind zurzeit in der Organisation begriffen. Man war bei der Begründung des „Hilssvereins" darüber einig, daß die Jmprovisiernng von Hilfskomitees wie sie bisher üblich gewesen war, für den augenblicklichen Notstand sich als unzweckmäßig erwiesen hatte. Solche Komitees blieben mit ihren Sammlungen immer auf einen kleinen Kreis von jederzeit gebefreudigen, reichen Glaubensgenossen aiigeiviesen, während die große Zahl von Juden, die nicht so leicht erreichbar sind, fast garnicht zu Beiträgen herangezogeu werden konnte. So wurden die Einen überlastet, und die Ergebnisse der Sammlungen wurden doch immer geringer. Diese schlechten finanziellen Verhältnisse nötigten dann wieder die Komitees, ihre Tätigkeit einzustelleu, sobald der allerdringendsten Not gesteuert war, ohne daß man daran denken konnte, der Wiederkehr der Notzustände durch planmäßige Arbeit vorzubeugeu. War doch der seit 1860 mit dem Sitz in Paris bestehenden Kiliane« isrselits universelle aus gleichen Gründen schon 1871 in England die auch nach außen jetzt sehr tatkräftig wirkende 4»Klc> .le^visb ^ssoeiation, seit 1873 in Oesterreich die Israelitische Allianz zur Seite getreten. In bestem Einvernehmen und edlem Wetteifer mit diesen Humanitären Organisationen will jetzt auch der „Hilfsverein der deutschen Juden" dort zivilisatorisch vorzugehen suchen, wo dies im eigensten Interesse unserer Glaubensgenossen zweckmäßig erscheint. Es sind deutsche Schulen einzurichten, namentlich für diejenigen Glaubensgenossen, die den jüdisch-deutschen Jargon sprechen und für die Schuleil der^lliaiire israelite mit französischer Unterrichtssprache und die der^uglo^e^visll^ssoeiatiou mit englischer Unterrichtssprache nicht geeignet sind, weil sie in oft vorgerücktem Alter gezwungen sind, sich eine völlig fremde Unterrichtssprache anzueignen, ohne daß ihr wirtschaftliches Fortkommen auf diese Weise eine wesentliche Förderung erfahren würde, namentlich nicht in denjenigen Distrikten, in denen gerade jetzt der deutsche Handel an Ausbreitung gewinnt. Gilt das von der Jugend und der Zukunst, so hätte auch in der Vergangenheit, als z.B. das westrussische Hilfskomitee von Königsberg aus in den siebziger Jahren, und weiterhin die im Anschlüsse au die südrussischeil Verfolgungen an unserer Ostgrenze und in

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