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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-09 · Heft 2 (9.1.1903) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 2 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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schmähenden und zum Boykott aussorderudeu Artikels, den dasselbe aus Anlatz des Versöhnungstages und der dadurch bedingten Geschäftsschließung jüdischer Ladeninhaber brachte. — In Troppau ist kurz vor Erreichung seines achtzigsten Lebensjahres der philosophische Schriftsteller und Gelehrte Dr. Moriz Eisler aus dem Leben geschieden. Geboren in Proßnitz, hat er den größten Theil seines Daseins in Nikolsburg hingebracht, wo er bis vor wenigen Jahren als Direktor der dortigen jüdischen Volksschule und gleichzeitig als Neligionslehrer am Gylnnasiuin wirkte. Seine gelehrte Thätigkeit betraf größtentheils das Feld der jüdischen Philosophie im Mittelalter. Unter seinen Schriften sind rühmend zu nennen seine dreibändigen Vorlesungen über die jüdische Philosophie des Mittelalters, erschienen in den Jahren 1877 bis 1883, seine „Quellen des spinozistischen Systems", dann sein „Jbn David". „Jbn Zadik". „Aron ben Elias". Moritz Eisler war ein Mann von rastloser Thätigkeit, und ganze Generationen von Schülern hat er an der Volks- und Mittelschule herangebildet. Vor nicht ganz einem Dezennium feierte er unter der Theilnahme der weitesten Kreise das Jubiläum seiner 14jährigen Lehrthätigkeit in Nikolsburg. und von weit her kamen einstige, nun in hervorragender Stellung thätige Schüler dahin, um ihren Meister dankbarst zu begrüßen. Seit einigen Jahren lebte er in Troppau, wo sein Sohn Dr. Emil Eisler als kaiserlich königlicher Finanzkommissär wirkt, ein otiuui enur (iiAnitutn. das jedoch in letzter Zeit durch Krankheit ernstlich getrübt war. Der Tod hat ihn von großen Leiden erlöst, doch hinterläßt er bei seinem Schülerkreise ein gutes Andenken. Ehre seinem Namen! Rußland. 1^. 1. Odessa, 1. Januar. Am 8. v. M. wurde auf dem Moskauer jüdischen Friedhose der Künstler Jsaac Askeuasy beerdigt. Dem Verblichenen folgte ein kleiner Kreis von Freunden und Verwandten. Menschen, die in dem Verewigten seine künstlerische Begabung schätzten, die gekommen waren, den plötzlichen und schweren Verlust eines seltenen Talentes in seiner vollen Blüthe zu beweinen. Die Künstlerwelt war durch den in Moskau wohnhaften Malex L. O. Pasternak vertreten, der im Namen des Petersburger Künstlervereins einen Kranz mit folgender Inschrift niederlegte: „Die Kameraden-Künstler und Freunde der Kunst — dem theueren und unvergeßlichen I. L. Askenasy." Am Grabe sprachen der Gehilfe des Rabbiners, Herr Kahn, der Gemeiuderabbiner Mas«; und Dr. Wermel. Rabbiner Mas«; wies in seiner Leichenrede darauf hin. daß Askenasy mit Bibel und Talmud erzogen wurde, daß er seine Liebe zur Natur aus den Psalmen schöpfte und eine jüdische Seele besaß. Nicht ähnlich den meisten jüdischen Künstlern gab der Dahingeschiedene die Kraft seines Talentes jüdischen Sujets und begeisterte sich an historischen und Sittenbildern des angestammten Volkes. Wir lassen hier einige kurze biographische Daten über den Heimgegangenen Künstler folgen. Askenasy wurde am 16./28. Januar 1856 in der kleinen Stadt Drissa (Gouvernement Witebsk) geboren. 1870 wurde er als freiwilliger Zuhörer in der Akademie der Künste zugelassen, und 1874, nach bestandenen Prüfungell, wurde er als Schüler ausgenommen. In der Akademie zog Askenasy durch seine Etüden und Skizzen die Aufmerksamkeit der Professoren auf sich, für welche Arbeiten er schon 1878 und 1879 zwei goldene Medaillen erhielt. 1880 wurde Askenasy auf Regierungskosten nach dem Auslande geschickt. In Wien führte er die Skizzen sür die von ihm erdachten großen Bilder aus: „Johann der Täufer in Erwartung des Henkers, der zu ihm ins Gefängniß mit der Schüssel und dem Schwerte hinuntersteigt", „Der Henker mit dem Kopfe Johannes des Täufers", „Der Tod des Dichters Jehuda Halevi" und einige andere Bilder zweiten Ranges. In Rom malte Askenasy sein bekanntes Bild „Der Henker", welches später die Akademie der Künste erwarb, ferner sein zweites hervorragendes Bild „Moses in der Wüste", welches sich jetzt in der Tretjekowschen Gallerie in Moskau befindet. 1883 beschäftigte sich Askenasy mit den früher schon angesangenen Bildern, die er im Jahre 1885 der Akademie der Künste vorstellte. Für diese Bilder: „Das Spiel der Würfel" und drei Etüden: „Die Kälte". „Der Kopf einer Italienerin", „Eine Frau mit dem Strumpf" erhielt derselbe den Grad eines Akademikers. Im Jahre 1887 malte er das Bild „Traurige Nachrichten", dann „Der Vorabend des Sabbaths" (1888). Im Allgemeinen malte er gern und viel aus dem Leben der Juden, deren Gesellschaftskreis und Lebensart er ausgezeichnet kannte. Außer den erwähnten Bildern malte er noch folgende: „Der Bräutigam-Talmudist, vom Rabbiner in Gegenwart der Eltern und seiner Braut einer Prüfung unterzogen" (1880), „Moses Eltern" (1892) und und noch viele andere. Für fein Bild „Am Vorabende des Sabbaths" erhielt Askenasy die Bronzemedaille auf der Pariser Weltausstellung 1889. Zehn Jahre später auf derselben Weltausstellung stellte er das Bild „Der Eklesiast" aus, das unsere Akademie der Künste ankaufte. In den letzten zwei Jahren hat uns das Schicksal Isaak Lewitan, Mark Antokolsky und Isaak Askenasy, drei hohe Vertreter der Kunst, geraubt. Vsn Nah und Fern. Dr. med. Edmund Meyer. Privatdozent an der Universität und Assistent an der königlichen Poliklinik für Hals- und Nasenkranke, hat den Professortitel erhalten. — Dem königlichen Bauinspektor Max Friedeberg, hier, wurde der Charakter als Baurath verliehen. — Dem Bankier Sigismund Samuel in Berlin ist aus Anlaß seines Ausscheidens aus dem Amte als Handelsrichter der Rothe Adlerorden IV. Klasse verliehen worden. Zu Handelsrichtern sind wiederernannt: der Kaufmann Hugo Heilmaun und der Kaufmann Emil Ring in Berlin bei dem Landgericht I. — Zum leitenden Arzt bei dem Friedrich-Wilhelms-Hospital und den Siechenanstalten an der Fröbelstraße ist der praktische Arzt Dr. med. W. Graesfner vom Magistrat gewählt worden. — Die antisemitische „Deutsche Hochwacht", das bisherige Wochenorgan des „Deutschen Volksbundes" der Herren Dr. Förster, Böckel und von Mosch, erscheint vom 1. Januar 1903 ab unter der Chesredaktion des Abgeordneten Dr. Böckel als Tagesorgan. — In Leipzig wurde in der Nacht zum 27. v. M. in der Synagoge an der Gottschedstraße ein Einbruch verübt, wobei ein Geldbetrag von 200 Mk. gestohlen wurde. Die Diebe haben arg gehaust. sie erbrachen mehrere Schränke und zwei Kassetten. Offenbar hatteil es die Diebe nur auf Geld abgesehen, da sie alle anderen Sachen unberührt ließen. — Dr. Moses Strauß in Steele ist zum Sanitätsrath ernannt worden. — Dem israelitischen Religionslehrer Abraham Rothschild in Echtersheim ist die kleine goldene Verdienstmedaille verliehen worden. — Die Rechtsanwälte Ofner, Kollmeyer und Siegel in München, Goldmann in Nürnberg sind zu Justizräthen, der Reallehrer Dr. Strauß in.Nürnberg zum Professor, der Großhändler Buxbaum in Bamberg, der Bankdirektor Max Meyer in Nürnberg zu Kommerzienräthen ernannt worden. Der Universitätsprofessor und Oberlandesgerichtsrath Dr. Harburg er in München hat den Verdienstorden vom heiligen Michael IV. Klasse erhalten. — In Kaiserslautern ist der Realschulprofessor Lehmann gestorben, der als Sprachkenner sich eines großen Ansehens zu erfreuen hatte. — Die Gattin des am 30. November v. I. verstorbenen Herren Sa ly Simon (gewesenen Mitinhabers der Bankfirma Albert Simon L Comp.) in Köln hat zur Erinnerung an den Heimgegangenen sür einen Pavillon im Neubau des hiesigen israelitischen As ylsfür Kranke und Altersschwache die Summe von 25 000 Mk. gestiftet. Außerdem wurde eine ganze Reihe hiesiger und auswärtiger Wohlfahrtsinstitute (darunter auch der Hilssverein der deutschen Juden) mit ansehnlichen Zuwendungen bedacht. — In Prag ist der Universitätsdozent Dr. I. Herrnheiser im 45. Lebensjahre gestorben. Er war Redakteur der Prager Medizinischen Wochenschrift und besaß in ärztlichen Kreisen allgemeine Achtung und Anerkennung. — Der Professor des Civilrechts an der Universität Neapel, Luigi Morstara, ist zum Rath am Kassationsgericht in Rom ernannt worden. Er ist der erste Jude, der diese hohe Stellung in Italien bekleidet. — Wie die „Chronique des Arts" meldet, ist an Stelle von Alexandre Bertrand der langjährige conservuteur ach'oint Salomon Reinach zum Direktor des Museums vaterländischer Alterthümer in Saint-Germain bei Paris ernannt worden. — In dem Prozeß wegen der bekannten blutigen Krawalle im Wallfahrtsorte Czenstochau in Russisch-Polen verurteilte das in Czenstochau tagende Petrikauer Bezirksgericht 54 Angeklagte zu Gefängnißstrasen von einer Woche bis zu einem Jahre. 21 Angeklagte wurden freigesprochen. Die Verurteilten dankten dem Gerichtshof sür die milde Bestrafung und erklärten sich bereit, die Strafen sofort anzutreten. — Am 6. v. M. ist in Sumter (Süd- Karolina) der General E. W. Moise gestorben, der in den Kriegen der Union sich stets als ein tapferer Soldat und tüchtiger Führer erwiesen hat. Die Beerdigung fand mit allen militärischen Ehreil statt. Die Grabrede hielt Rabbiner Elzas von Charlestown. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich sür die Redaktion: MaxBauchwitzin Berlm.

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