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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-09 · Heft 2 (9.1.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 2 (9.1.1903)
Date
1903-01-09
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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67. Jahrgang. Mr.*2. Berlin, Jannar 1903 eitwg öes Zu-entbums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M- Redacteur: Gustav Karpeles. Begründet von Rabbiner Dr Ludwig Philippson-Lorm. Verlags-Crpedition: Berlin, Jerusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition find an die Adresse- Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin 8W., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf. Moffe, Berlin. Leitartikel: Ein neuer Gemeindebund. — Die Woche. — Eine alte Weisheit. Von Wnisenhausdirektor Kn tz-Nybnik. — Die Abschaffung des Rabbinats. — Das neueste Werk über die Religion des Iudeuthums im nentestamentlichen Zeitalter. Von Rabbiner Dr. Silberslein-Elbing. — Kaukasische Bergjuden. — Feuilleton: Aus einer kleinen Stadt. Von Karl Emil Franzos. II. — Ibrahim. Von Elsbeth Bruck in Ratibor. — Literarische Mittheilungen. — Sprechsaal. Der Gemeindebote. — Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Allenstein, Posen, Schneidemühl, Dessau, Hamburg, Köln, Wien, Odessa. —! Von Nah und Fern. - Sprechsaal. — Geschäftliche Notizen. Gin neuer Gemeindebund. Berlin, 7. Januar. n der letzten Zeit wurde über die Vereinsmeierei im Judenthum viel geklagt, und man muß leider gestehen, daß diese Klage nicht ohne Berechtigung ist, da durch die neuen Nereinsgründungen die Kräfte vielfach zersplittert werden. Andererseits aber darf man nicht vergessen, daß die Sache auch eine Kehrseite hat. Wie die Erfahrung lehrt, wirkt die Gründung von Vereinen, namentlich von solchen, die Praktischen Zwecken dienen, sehr oft vorbildlich und regt das Entstehen ähnlicher Institutionen in anderen Städten und Ländern an. Ein solches segensreiches Vorbild ist namentlich der Deutsch- Israelitische Gemeindebund. Nach dem Muster desselben wurden in Oesterreich, in Amerika und in England bereits ähnliche Vereine begründet. Jetzt wollen sich auch die jüdischen Gemeinden der Schweiz zu einem Gemeindebund zusammenschließen. Wir begrüßen diese Thatsache mit aufrichtiger Freude. Nur selten tönt aus den Bergen der freien Schweiz ein Echo zu uns herüber. Und doch ist in den letzten Jahren unzweifelhaft auch dort das jüdische Leben aus seiner Lethargie erwacht und beginnt namentlich in verschiedenen Großgemeinden kräftiger zu pulsiren. Eine ganze Reihe von Vereinen und Institutionen ist in Zürich, Basel, Bern und anderen Orten entstanden, die den Zweck verfolgen, das jüdische Bewußtsein zu erwecken und zu heben. Es bestehen in der Schweiz 22 jüdische Gemeinden. Die «Gesammtzahl der jüdischen Bevölkerung beläuft sich aus ^12 400 Seelen. Jüdische Gemeinden existiren in Baden, Basel, Bern, Biel, Chaux de Fonds, Delsberg, Endingen, Jmmerthal, Genf, Langenthal, Lausanne, Lengnau, Liestal, Locles, Luzern, Neuchatel, Pruntrut, St. Gallen, Solothurn, Jferten, Wifflisburg, Zürich. Nur sechs von diesen Gemeinden haben Rabbiner, nämlich Baden, Basel, Chaux de Fonds, Genf, St.. Gallen »und Zürich. Schon hieraus ersieht man, wie nothwendig eine »Konzentration der Gemeinden in der Schweiz geworden ist. Mber auch andere Gründe sprechen hierfür. Selbst die politische Stellung der Juden in der freien Republik würde eine andere sein, wenn eine Gesammtvertretung vorhanden wäre, die der Eidgenossenschaft gegenüber die Rechte der Juden energisch wahren würde. Es hat sich dies bei verschiedenen Gelegenheiten, anläßlich des Schächtverbots, der Schulfrage u. s. w. mehr als deutlich gezeigt. Alldem soll nun durch den schweizerischen Gemeindebund abgeholfen werden. Ein Komitee, bestehend aus den Herren Michel Bloch-Chaux de Fonds, Henry Boneff-Bern, Charles Picard-Biel, Jules Bollag-St. Gallen; Moritz Bernheim-Basel, Dr. Guggenheün-Zürich, tagte am 21. v. M. in Olten, und aus dessen Berathungen ging der Entwurf eines Statuts hervor, der nunmehr den Gemeinden zugehen soll. Die Organisation ist eine etwas freiere als in Deutschland und England, denn dem schweizerisch-israelitischen Gemeindebund sollen nicht blos die sämmtlichen israelitischen Gemeinden der Schweiz, sondern auch alle Israeliten angehören, welche in schweizerischen Ortschaften wohnen, in denen die Gelegenheit zur Bildung einer Gemeinde bis jetzt fehlte. Der Zweck des Vereins wird unbedingt die Vertretung der allgemeinen Interessen der Juden unter sich (Wohlthätigkeitsanstalten) sowie nach außen (gegenüber der Oeffentlichkeit, der Presse, der Eidgenossenschaft und kantonalen Behörden) sein. Der Verein wird vertreten durch sin aus sieben Mitgliedern bestehendes, durch die Delegirtenversammlung auf drei Jahre gewähltes Centralkomitee; die Delegirtenversammlnng setzt sich zusammen aus den Abgeordneten der einzelnen dem Gemeindebund angehörenden Gemeinden. Bis 50 Mitglieder zählende Gemeinden entsenden einen Delegirten, bis hundert zählende zwei, für jedes weitere hundert je einen Delegirten mehr. Jede Gemeinde zahlt einen Jahresbeitrag von 50 Cents Pro Kops ihrer Mitglieder. Es versteht sich von selbst, daß die einzelnen Gemeinden ihre volle Autonomie sowohl in religiöser als auch in administrativer Hinsicht bewahren, und daß der Gemeindebund sich in keiner Weise in die inneren Verhältnisse der einzelnen Gemeinden einmischen wird. Sein Hauptzweck ist der Schutz und die Erstarkung des schweizerischen Judenthums; ebenso selbstverständlich ist es, daß die religiösen Fragen ganz ausgeschlossen, und daß alle religiösen Richtungen in dem Bunde vertreten sein müssen. An den schweizerischen Gemeinden liegt es nun, das Unternehmen ins Leben zu rufen und zu fördern; gerade in der Schweiz wird es segensreich wirken. Wie wir aus den Zeitungen ersehen, sind in der Schweiz in den letzten Monaten die zionistischen Bestrebungen in den Vordergrund getreten und

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