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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1903-01-02 · Heft 1 (2.1.1903) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
67 (1903)
Issue
Heft 1 (2.1.1903)
Date
1903-01-02
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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67. Jahrgang. Nr. 1. Allgemeine Berlin, 2. Januar 1963 eitung öes Zudentbums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. »Diese Zeitung erscheint wöchentlich.!! Abonnements Preis: Durch Buchhandel,! I Post oder direkt von der Expedition inBerlin!! unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M- I I Redakteur: Gustav Karpeles. I Begründet von Nabbiner Dr Ludwig Phittppson-Konn. Verlags-Erpedition: Gerlin, Jerusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse- Verlag der „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin 8^V., Jerusalemer Straße48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Moffe, Berlin. Inhltlt. Leitartikel: Zeugnisse aus Israel. — Die Woche. — Dr. Max . Hirsch. — Zum Kapitel von den jüdischen Oberlehrern an den höheren Lehranstalten Preußens. — Graf Julius Audrassy und Tiszla Eßlar. — Eine jüdische Hochschule. Non Dr. S. Rund st ein. — Ein italienischer Jude als Vermittler deutscher Geisteswerke. Von Prof. Lu dwig Geiger. — Feuilleton: In einer kleinen Stadt. Von Karl Emil Franzos. I. Der Gemeindebote. Korres-onderrherr und Nachrichten: Berlin, Hannover, Hildesheim, München, Karlsruhe i. B., Wien, London. — Von Nah und Fern. — Sprechsaal. — Geschäftliche Notizen. Zeugnisse aus Israel. .Berlin, 40. Dezember. welcher glückseligen Welt würden wir leben, wenn alle Menschen die Wahrheiten annähmen und ausübten, die die besten Christen und die besten Juden gemeinsam haben." So schrieb nach den verschiedenen mißglückten Bekehrungsversuchen Moses Mendelssohn an Charles Bonnet. Diese Worte dürsten wohl Jedem in den Sinn gekommen sein, der nun wieder einmal durch ein Schriftchen zur Prüfung des Christenthums oder gar zu seiner Annahme indirekt ausgefordert wurde. Wir haben in einem früheren Jahrgange an dieser Stelle es gebührend gekennzeichnet nnd atgewehrt, daß solche und ähnliche Zudringlichkeiten sich sogar und vor allen, an unsere Theologen heranwagen. Wir verlieren darüber nun kein Wort mehr; nur zu dem Schriftchen unter obigem Titel i) seien einige Bemerkungen verstattet. Das Merkchen hat gleichsam als Einleitung eine Aeußerung ans einem Vortrage, den Professor Philippson über das Thema „Die Lage der Juden in Deutschland" gehalten. „Man ist häufig geneigt, sich über den umsichgreifenden Abfall zu trösten, indem man sagt, es seien nur faule, kranke Zweige, die von dem uralten Baume abbröckeln. Allein das ist leider unrichtig; vielmehr verlassen uns zahlreiche geistig und materiell potente, sogar sonst sittlich hochstehende Elemente." Was soll eigentlich diese ans dem Zusammenhang gerissene Bemerkung beweisen? In dem Sinne des Herausgebers jedenfalls, daß nach dem Zugeständmß des Professors Philippson es gerade oft hervorragende Juden sind, die zur Taufe schreiten, daß diese Thatsache also für das Christenthum klar und deutlich spreche. Dies aber aus obigen Worten herauszulesen, ist nicht nur willkürlich, sondern geradezu unm öglich. Vielmehr sollte gesagt sein, — das kann nicht nachdrücklich genug betont werden — daß die verschiedensten Zurücksetzungen, welche h „Zeugen aus Israel", herausgegeben von Arnold Frank, Hamburg. Zn beziehen von der Expedition des „Zions-Freund". unsere Glaubensgenossen in sozialer und gesellschaftlichlicher Beziehung erfahren, viele und auch „zahlreiche geistig und materiell potente, sogar sonst sittlich hochstehende Elemente" dazu drängen, die Prämie anzunehmen, welche auf den Abfall gesetzt ist. Nur das ist der Sinn jener Worte, und wer etwa die Richtigkeit unserer Behauptung bezweifeln wollte, den verweisen wir auf Philippsons Jahresrückblick in de», jedesmaligen „Jahrbuch für jüdische Geschichte und Litteratur", in welchem sich diese Gedanken wiederfinden. So lesen wir insbesondere in dem Jahrbuche aus dem Jahre 1901: „Die gebildeten Inden fühlen sich nun einmal in ihrer ungeheuren Mehrheit vor allem als Deutsche, die ehrgeizigen Juden wollen auf öffentliche Aemter — besoldete oder Ehrenämter — nicht verzichten. Müssen sie wählen zwischen Dentschthum nnd Judenthum, zwischen Achtung, Ehrung, Vortheil und Geringschätzung, Hintansetzung, Nachtheil, so werde leider eine immer wachsende Anzahl die Lüge eines falschen Bekenntnisses nicht scheuen, um auf die nationale Seite überzutreten, die zugleich die weltlich verlockende ist. Wir dächten, daß Niemand solche Befürchtung für eine Chimäre nehmen wird: der täglich zunehmende Abfall unserer gebildetsten nnd besitzendeil Elemente redet eine allzudeutliche Sprache, um mißverstanden zu werden." Nach solchen kräftigen Wörter» wird hoffentlich kein Missionar mehr wagen, Professor Philippson als „Zeugen" für das Christenthum anrufen. Aber auch die anderen „Zeugnisse aus Israel" erscheinen uns höchst bedenklich. Wenn als solche Worte gelten sollen, welche Abtrünnige unserer Bekennerschaar bei irgend welcher Gelegenheit ausgesprochen, so ist das mindestens naiv. Abtrünnige hat es zu jeder Zeit gegeben, und jede Religion kennt sie; und immer noch hat sich die Erfahrung bestätigt, daß die „neuen" Bekenner einer Religion in deren Verhimmelung nicht genug thun konnten. Wenn etwa der Abfall vom Judenthum größer ist als umgekehrt, so ist diese Erscheinung oft genug gewürdigt worden und bedarf für heute nicht erst weitgehender Erörterung. Die „Jüdischen Stimmen in Nordamerika" bringen uns im Grunde genommen nichts Neues. Es giebt wohl keinen unter den deutschen Juden, der den Anspruch erhebt, als gebildet zu gelten, der nicht unbedingt die Nothwendigkeit anerkennen wird, über die Entstehung des Christenthums, über das Leben und Wirken seines Stifters orientirt zu werden. Denn es giebt eben keinen unter diesen, der nicht in dem Christenthum und seiner Schwesterreligion, dem Islam, triebkräftige würdige Sprößlinge der Mntterreligion sieht und in

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