Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 49 (5.12.1902)
- Date
- 1902-12-05
- Page
- Seite 578 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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führen? So muß sich jeder Unbefangene fragen, der an die großen Gedanken und schönen Verheißungen anknüpft, die man im Interesse der deutschen Kultur im Osten jetzt beständig zu hören hat, und damit das heimliche oder offene Vorgehen gegen die große Anzahl deutscher Juden in der Provinz Posen vergleicht, deren inan sich als deutsche Brüder nur bei Reichstags- oder Stadtverordnetenwahlen freundschaftlichst zu erinnern geneigt ist, die man aber mit größter Gemüthsruhe gerade aus dein deutschen Lager in der rohesten Weise angreifen läßt, gelegentlich wohl auch selbst einmal zurücksetzt oder angreift. Ein solches zweideutiges Verfahren verdient doch wohl die schärfste Rüge gerade im Interesse der Hebung deutscher Kultur im Osten. Me Wsche. Berlin, 2. Dezember. esondere Neuigkeiten sind aus dieser Woche nicht zu melden. Die Stürme im Reichstag haben das Interesse an allen anderen Vorgängen zurückgedrängt, so auch an dem Pückler-Prozeß. der doch sonst sicher Stoff zu erbaulichen Betrachtungen hätte abgeben können. Bei diesem Kampf um den Zolltarif, der uns ja als solcher gar nichts angeht, zeigt es sich aber wieder einmal recht deutlich, wie wahnwitzig es ist, das konfessionelle Element in alles, auch in die Wirthschaftspolitik, hineinzumischen. Antisemiten vom Schlage Liebermanns v. Sonnenberg sprachen gegen den Antrag Kardorff, und die Führer im Kampfe für den Zolltarif sind im Handelsvertragsverein zwei Juden, die Herren Goldberger und Rothenau. Angesichts solcher Thatsachen kann man die Wuth der Antisemiten und Antisemitengenossen nur auf andere Motive zurückführen. In den Versammlungen dieser Partei kommt ihre Grundstimmung eigentlich am schärfsten zum Ausdruck. Dort hat am Freitag der Abgeordnete Bindewald eine gloriose Idee ausgeheckt. Er erklärte unter frenetischem Beifall seiner Zuhörer, daß die Antisemiten nach den Wahlen sich vielleicht mit dem Antrag zu befassen haben werden, wonach jüdischen Personen die Qualifikation zur Erlangung eines Parlamentsmandates abgesprochen wird. Außerdem verlangt der fürtreffliche Volkstribun bloß noch eine „Lösung der Judenfrage mit dem Schwert' . Vor Gericht würde er natürlich mit dem antisemitischen Mannesniuth sagen, er habe nur ein bildliches Schwert gemeint. Verschiedene Straßenszenen dieser Woche, zeigen allerdings auf das Deutlichste, daß seine näheren Freunde die Aufreizungen des Grafen Pückler nicht so bildlich auffassen wie es dieser „vornehme Aristokrat" nach der Ansicht der Gerichte und nach seinen eigenen Angaben bekanntlich thut. Die traurigste Rolle spielen allerdings bei solchen Anlässen die Konservativen, die mit de» Antisemiten in dasselbe Horn blasen, sobald es gegen die Juden geht, wie z. B. die Kreuzzeitung, die in ihrem Adventartikel sagt: „Aber Gott hat der Menschheit nach dem Sündenfalle nicht vergesse», sondern in Israel eine Stätte der Offenbarung geschaffen", und die keinen Anstand nimmt, in demselben Blatte das Volk dieser Offenbarung in der häßlichsten Weise zu beschimpfen. Gegenüber all' diesen Auswüchsen der Parteiwuth und des Religionshasses erscheint wie eilte wahre Friedensbotschaft das erhabene Wort des Kaisers in der Ruhmeshalle zu Görlitz: „Freiheit für das Denken, Freiheit in der Weiterbildung der Religion, und Freiheit für unsere wissenschaftliche Forschung, das ist die Freiheit, die Ich dem deutschen Volke wünsche und ihm erkämpfen möchte, aber nicht die Freiheit, sich nach Belieben schlecht zu regieren." Ein solches Wort vermag über alle Irrungen und Wirrungen des Tages hinwegzuhelfen und allen Verzagenden Trost zu bieten. 4 Die Petitionskommission des Reichstags erledigte in ihrer letzten Sitzung die folgende Petition: Ein deutscher Kausmann jüdischen Glaubens, Wreschner in Frankfurt am Main, beschwerte sich in einer Eingabe über Maßregeln russischer Grenzbehörden. Sein deutscher, auf sechs Monate ausgestellter Paß nach Rußland ist von den russischen Behörden nur für drei Monate als giltig anerkannt worden Die Kommission konnte in der Sache nicht entscheiden, da der Petent den vorgeschriebenen Jnstanzenzug nicht erschöpft hatte, und dem Plenum nur Uebergang zur Tagesordnung empfehlen. Das ist auch richtig. Der Petent hätte sich zunächst an das auswärtige Amt wenden müssen. Genutzt hätte ihm dies freilich auch nichts, da Rußland in diese Angelegenheiten sich nun einmal nichts dareinreden läßt. 4- Als vor einigen Wochen der amerikanische Botschafter in Berlin, Andrew D. White, seinen 70. Geburtstag feierte haben deutsche Blätter aller Parteien dem amerikanischen Staatsmanne, der so lange und so erfolgreich die Vereinigten Staaten in Berlin vertreten hat, wegen seiner Gerechtigkeitsliebe und Unparteilichkeit volle Anerkennung gezollt. Aeußernngen eines solchen Mannes verdienen daher sicher weitestgehende Beachtung, und man darf annehmen, daß der nachstehend wiedergegebene Brief des Herrn White über die ungerechte Behandlung der rumänischen Juden auch auf die rumänischen Machthaber nicht ohne Eindruck bleiben kann. Die Vorgeschichte dieses Schreibens, das wir zu veröffentlichen in der Lage sind, ist folgende. Herr Henry Seligman in Frankfurt a. M. hatte sich in einem Schreiben vom 24. September an Herrn Andrew Dr. White gewandt, in welchem er ihn unter Hinweis auf den Berliner Vertrag und die Note des Staatssekretärs Hay bat, beim Kaiser Wilhelm ein gutes Wort für die armen verfolgten rumänischen Juden einzulegen und dahin zu wirken, daß die rumänische Regierung ihr feierlich gegebenes Versprechen erfülle. Daraus antwortete Herr A. D-- White in einem Briefe, der in der Uebersetzung aus dem Englischen wörtlich folgendermaßen lautet: Gesandtschaft der Vereinigten Staaten von Amerika. Berlin, 2. Oktober 1902. Herrn Henry Seligman, Frankfurt a. Main. Lieber Herr Seligman! Es freut mich immer, von Ihnen etwas über irgend einen Gegen stand zu hören, aber es war für Sie nicht nöthig, meine Entrüstung in Betreff der rumänischen Grausamkeiten satroeiäiss) zu erregen. Sie find einfach monströs und rütteln die civilisirte Welt auf. Ich habe soeben das „Rumänische Bulletin" von London erhalten, und man hat kein Dokument, das ihm an Grausamkeit nahekommt, gesehen seit der Reihe von Gesetzen, durch welche Ludwig XlV. dir Hugenotten versolgte. Aber selbst diese, welche man für den Gipset der Grausamkeit hielt, werden durch die im „Bulletin" mitgetheilten übertroffen. Ich kann nicht glauben, daß rechtlich denkende Rumänen oder die civilisirten Mächte erlauben können, daß dieser Zustand der Dinge fortdauert. Es erscheint als eine offene Verweigerung fäeükmce) von Recht, Gerechtigkeit und gewöhnlichem Anstatt l was i dem i ander einigt ihrer gutgei für R sind L sie si, jüdisch geschl. wenn gleich vielen wie n Brief Z von t wie H Berlii Arme schuft, der v erlaff. Judei Schul amen auf t antwc lautet ,,2 meine bei dir F' Gott, mühuii Gott d Jc D im vo die R schlaff. Religi Listen sie Rel verleu, Zinwo Rubrik bezeich rbgelel Re Ju Äolksz. ranz s 901 1 'er Ge di« Ju n die Za »on 0,-