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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-11-14 · Heft 46 (14.11.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 46 (14.11.1902)
Date
1902-11-14
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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66. Jahrgang. Nr. 46. Allgemeine Berlin, 14. November 1902 eitung öes Audenchums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis.- Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M. Redacterrrr Gustav Karpeles. Begründet von Uabbiner D* Ludwig Philippson-Bonn. Verlage-ErpMtion: Berlin, Jerusalemerstr. 48/40. Alle Zusendungen für Redaktion und I Expedition find an die Adresse: Verlag der I „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin I 8vV., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. I Verlag von Rudolf Moffe, Berlin. I Inhalt. Leitartikel: »Nochmals die Rasseufroge. — Die Woche. — Bezirksrabbinate. Von L. Wald b ott-Speyer. — Das Religionsbetenntniß der Studirenden an den preußischen Universitäten. Von Dr. Hoppe, Nervenarzt in Königsberg. — Brief ans Oesterreich. — Samuel Hirschfelder, ein humoristischer Genremaler. Von Dr. Adolf Ko Hut. I. — Feuilleton: Issajka. Von K. Stanjukowi ez. Aus dem Russischen von A. Nomm. I. — Sprechfaul. Der Gemeindebote. Korrespondenzen rmd Nachrichten: Berlin, Hannover, Hamburg, Eisenach, Köln, Kassel, Darmsladt, Gießen, Wien. — Bon Rah und Fern. Nochmals die „Nasseufrage". Berlin, 11. November. (o vL^ir haben in letzter Zeit wiederholt Veranlassung gehabt, gegen eine Rassentheorie energisch Front - ö zu machen, die von nichtjüdischer Seite — leider zuweilen auch von jüdischer — in einer allen wissenschaftlichen Forschungen der modernen Anthropologie widersprechenden Weise und in der bewußten Absicht, das Judenthum herabzusetzen, geflissentlich verbreitet wird. Nun finden wir in einer Zeitschrift, die wohl nicht vielen unserer Leser bekannt ist, in der Halbmonatsschrift „Ernstes Wollen" (Nr. 72) ein kräftiges und treffendes Wort von unserem geschätzten Mitarbeiter, dem rühmlichst bekannten Schriftsteller Dr. Franz Oppenheimer, in Erwiderung auf einen Aufsatz „Völkerundank", den der Herausgeber dieser Zeitschrift, Heinrich Driesmanns, an derselben Stelle veröffentlicht hat. Wir sind überzeugt, daß unsere Leser unS Dank wissen werden, wenn wir ihnen diese in jeder Hinsicht zutreffende Antwort mittheilen. Als charakteristisch für jene Auffassung der Rassentheorie möchten wir aber vorher namentlich zwei Bemerkungen herausheben, die H. Driesmanns zu der Erklärung des Herrn Predigers Dr. Paul Rieger, welche wir s. Z. auch mitgetheilt haben, in Nummer 71 seiner Zeitschrift macht. Er sagt da u. a.: „Eine jüdische Raffe im alttestamentlichen Sinne giebt es freilich nicht mehr, wie es denn überhaupt reine Rasse nirgends mehr auf der Erde giebt. Aber daß die Juden als „Nationalität" typische Nassen merk male aufweisen, die sie unverkennbar machen — wie auch die anderen „Nationalitäten" ihre typischen Merkmale und Charaktere haben, durch welche sie sich erheblich von einander unterscheiden — läßt sich doch nicht wohl hinweglengnen." — „Daß in den „Nationalitäten" bis auf den heutigen Tag grundlegende Rassenunterschiede lebendig sind, leugnet gegenwärtig kein Mensch mehr, der einigermaßen Blick für die realen Verhältnisse hat. Die „Religion" eines Volkes ist im tiefsten Grunde auch nichts anderes als Ausfluß seines Rassengeistes, seinerbesonderen Lebensinstinkte. Daher es denn, wie Egidy sehr richtig erkannte, eben nur „Konfessionen", keine „Religion" bisher gegeben hat, und zwar so viele, als Völker und Volksgemeinschaften vorhanden." Mit einer solchen Weltanschauung giebt es natürlich für uns keine Verständigung, da wir auf dem entgegengesetzten Standpunkte stehen. Aber was in diesem Falle gesagt wurde, das gilt für alle Aeußerungen jener Rassentheorie, gegen welche Dr.Oppenheimer sich in der folgenden kräftigen Abwehr wendet: „Herr Driesmanns meint in seiner liebenswürdigen und chevaleresken Art, daß ich einen „klassischen Beleg" zu jener „gewissen Kategorie von Juden" bilde, die „nervös zu werden pflegen, wenn man an mit ihrer Nationalität sozusagen verwachsenen Gepflogenheiten des geschäftlichen und sozialen Lebens zu rühren wagt. Das geht so weit, daß sie die Aufrollung der „Rassenfrage" z. B. selbst in rein wissenschaftlicher Behandlung geradezu fürchten und jede Erörterung darüber prinzipiell abgelehnt wissen wollen." Das habe meine Wenigkeit in meiner Anzeige von H. St. Chamberlains „Grundlagen des XIX. Jahrhunderts" gethan, indem ich „aus t ie Gefahr- Hinweisen zu müssen glaubte, welche durch die ... Auffassung drohe." So viel Worte, so viel Mißverständnisse, gutgläubige, wie ich überzeugt bin. Ich habe erstens nicht im mindesten etwas gegen eine wissenschaftliche Behandlung der Rassenfrage einzuwenden, im Gegentheil, ich halte sie für einen höchst nothwendigen und unentbehrlichen Theil der sozialwissenschaftlichen Forschung. Was dabei herauskommt, ist mir gleichgiltig; und wenn sich wirklich ergeben sollte, daß die Juden einer anthropologisch niederen Rasse angehören, so würde ich vor keiner praktischen Konsequenz zurückschrecken, möchte sie mich und meine Kinder auch noch so hart treffen. So weit sind wir aber noch nicht, und ich habe mich in meiner Anzeige des Chamberlainschen Pseudowissenschaftlichen Buches mit aller Kraft nur gegen seine unwissenschaftliche Behandlung des Problems gewehrt. Wir haben, das muß auch der geistvolle deutsch-britische Reaktionär selbst zugeben, auf dem gaiizen Gebiete der Nasseufrage auch nicht einen einzigen festen Punkt mehr, an den wir unseren Hebel einsetzen könnten; seit die Vorstellung von der „Konstanz der Arten" der Evolutionstheorie zum Opfer gefallen ist, seit die naive Auffassung der ersten glorreichen Zeit der Philologie, wonach Rasse und Sprache sich decken, hat aufgegeben werden müssen, haben wir hier nichts mehr als einige vage Vermuthungen, die noch nicht einmal den Anfang eines sicheren Methodenweges erkennen lassen. Auf diesen Triebsand hat

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