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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-10-31 · Heft 44 (31.10.1902) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 44 (31.10.1902)
Date
1902-10-31
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Martinique gereist war, um den damals Tod und Verderben speienden Mont Pel^e daselbst zu besteigen. Furchtlos erklomm der tapfere Gelehrte den in Feuer und Nauch gehüllten, einen Regen feiner, glühender Asche auswerfenden Vulkan bis dicht vor den Krater und machte da eine Reihe werthvoller Beobachtungen, über welche er dann der „American Oeo^rapln'eal Zoeietz?" Bericht erstattete. Uns diesen Bericht durch weitere Beobachtungen an Ort und Stelle zu ergänzen, reiste Professor Heilprin zum zweiten Male nach Martinique und bestieg am 30. August abermals den Mont Pelee. Die Atmo-. sphäre war voll Elektrizität; aus dem Hauptkrater drang eine gewaltige 1000 Fuß dicke Rauchsäule zum Himmel empor und verkündete dem erfahrenen Auge des kühnen Forschers, daß ein neuer Ausbruch unmittelbar bevorstehe. Dennoch wagte Professor Heilprin den Ausstieg, und in nächtlicher Fiusterniß sich durch eine dicke Schicht glühender Asche den Weg bahnend, gelang es dem Helden bis 400 Fuß vor dem Krater vorzudriugen. Fünf Stunden später erfolgte der der zweite Ausbruch des Mont Pelee, welchem 200 Menschenleben zum Opfer fielen. Die Amerikaner glaubten nun, daß auch der kühne Forscher bei dieser Gelegenheit ums Leben gekommen sei und betrauerten bereits dieses neueste Opfer der Wissenschaft. Glücklicherweise ist diese Befürchtung nicht eingetroffen, denn Professor Heilprin kehrte am 14. August ganz unverhofft nach Philadelphia zurück und wurde von den Mitgliedern der dortigen geographischen Gesellschaft, deren Präsident er ist, mit unbeschreiblichem Jubel empfangen. Professor Angelo Heilprin ist der Sohn des bekannten jüdischen Encyklopädisten Michael Heilprin, eines geborenen russischen Juden. Noch als ganz junger Mensch ist Anfangs der 40er Jahre Michael Heilprin aus Russisch Polen nach Ungarn ausgewandert, wo er als Sekretär Kossuths an der ungarischen Revolution von 1848 hervorragenden Antheil nahm. Nach Niederwerfung des Ausstandes floh er nach Amerika, wo er ein wahrer Wohlthäter der auf den Hochschulen von Philadelphia studirendeu russisch-jüdischen Jugend geworden ist. Die Tapferkeit des Vaters scheint in vollem Maße auf den Sohn übergegangen zu sein, der ein kühner Reisender und ein waghalsiger Bergsteiger geworden ist. Einen großen Theil seines thatenreichen Lebens hat dieser heldenmüthige jüdische Gelehrte auf wissenschaftlichen Reisen zugebracht, auf welchen er Asien. Afrika und die Halbinsel Alaska besucht hat und die höchsten, bisher als „uneinnehmbar" geltenden Berggipfel Central- und Südamerikas bestiegen hat. Auch die arktischen Länder hat, in der Suche nach dem Nordpvl, Professor Heilprin bereist, zum letzter, Male im Jahre 1891, wo er den verschollenen Leutnant Pearh in den Eisfeldern Grönlands ausgesucht und glücklich heimgebracht hat. Seine jüngste Heldenthat, die zweite Besteigung des Mont Pelöe, hätte ihm beinahe das Leben gekostet. Ein ungeheurer Lavaklumpen, so groß wie eine Tonne, stürzte vor seinen Füßen nieder, als er und sein Begleiter sich bereits außerhalb des Bereiches der Eruption wähnten. Professor Heilprin war viele Jahre hindurch Kurator der naturwissenschaftlichen Akademie zu Philadelphia. Von Nah und Fern. Der Ehrenrath der Berliner Anwaltskammer hat am Sonnabend gegen Rechtsanwalt Sonnenfeld verhandelt. Die Staatsanwaltschaft hatte gegen ihn Anklage erhoben, weil er dem Ersten Staatsanwalt Schweigger in Könitz in einer hiesigen Versammlung den Vorwurf der Illoyalität gemacht hatte. Der Ehreurath erkannte in diesem Falle auf Freisprechung. — Als Kandidat für den Berliner Bürgermeisterposten wird unter Anderen auch Justizrath Cassel, als Kandidat für das durch Virchows Tod erledigte Berliner Landtagsmandat der Stadtverordnete Leopold Rosen ow genannt. — Zu außerordentlichen Professoren ernannt sind die Privatdozenten in der medizinischen Fakultät der Berliner Universität: Dr. Heinrich Rosin, ein Sohn des sel. Dr. David Rosin, Assistent Senators, Dr. Max Hugo Michaelis und Dr. Hermann Strauß. Michaelis, der 1869 in Berlin geboren wurde, ist AMent v. Leydens an der ersten medizinischen Klinik der Charitö. Strauß stammt aus Heilbronn, wo er 1868 geboren wurde, und ist seit 1895 Assistent bei Senator an der dritten medizinischen Klinik der Charite. — Die Rothe Kreuzmedaille II. Klasse haben erhalten: Professor Dr. Martin Mendelssohn hier. Frau Kommerzienrath Eva Levy in Jnowrazlaw und Stadtrath Michael Herz in Posen. — Ein dreifaches Jubiläum feierte am 28. d. M. der Schuhmachermeister Louis Schlesinger, hier. Der trotz seiner 76 Jahre noch immer rüstig in seinem Gewerbe thätige Meister feierte am genannten Tage seine goldene Hochzeit mit seiner um fünf Jahre älteren Gattin Bertha' geb. Loewenheim. sowie gleichzeitig sein 50 jähriges Bürger- und Meisterjubiläum. — Der königliche Kreisphysikus a. D. Geheime Sanitätsrath Dr. Leopold Hayn ist am 22. d. M. im Alter von 78 Jahren gestorben. — Im 70. Lebensjahre ist hier am 24. d. M. Herr Michaelis Göttinger nach langen Leiden gestorben. Derselbe gehörte dem Vorstande der „Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte, deren Wittwett und Waisen" seit ihrer Begründung im Jahre l880 an. — Zum Senator der Universität Breslau ist Professor Dr. Siegmund Fränkel gewählt worden. — Die Nachricht in der vorigen Nummer, daß Kantor Hey mann in Adelnau nach Gr ätz engagirt fei, bestätigt sich nicht. — Am 21. d. M. ist in Zerbst der Vorsitzende des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, Herr Theodor Friedländer, im 55. Lebensjahre gestorben. — Zum Religionslehrer in Köln ist Herr Arnold Aron an der israelitischen Neligionsschule in Leipzig gewählt worden. — Die Vertrauensmännerversammlung der deutsch-sozialen Reformpartei hat den antisemitischen Rechtsanwalt Dr. Häckel, den Vizevorsteher des Stadtverordnetenkollegiums, als Reichstagskandidaten für Dresden-Altstadt ausgestellt. — Im Alter von 57 Jahren ist am 25. d. M. in Hannover Kommerzienrath Gottfried Herzfeld nach langem Leiden verschieden. Der Verstorbene war ein Sohn des sel. Landrabbiners Dr. Herzseld in Braunschweig. Ehre seinem Andenken! — In Hörde feierte am 24. d. M. der allgemein geachtete Lehrer und Prediger I. Stern unter allgemeiner Theilnahme der Gemeindemitglieder sein 25 jähriges Amtsjubiläum seiner Wirksamkeit in Stadt und Gemeinde. — Der Pcivatdozent der Chemie an der Universität München Dr. Millstätter ist zum außerordentlichen Professor befördert worden. — Der Privatdozent für theoretische Astronomie an der Universität Prag, Dr. Samuel Oppenheim, ist zum außerordentlichen Professor ernannt worden. — Der Könlg von Italien hat den Großrabbiner von Mailand, Alessandro da Farro, zum Groboffizier vom Orden der italienischen Krone ernannt, in „dankbarer Anerkennung für die unermüdliche und opferreiche Arbeit, die der ehrwürdige Vorsteher der israelitischen Gemeinde Mailands zur Gründung eines Asyls für arme israelitische Kinder aufgewendet hat." — Zu den Czen st ochauer Krawallen wird noch gemeldet, es sei jetzt genau festgestellt, daß über 30 Personen vom Militär erschossen und gegen 160 Personen verwundet wurden. Diejenigen Erschossenen, welche Angehörige in Czenstochau hatten, sind von ihnen vom Platze fortgeschafft und in aller Stille beerdigt worden. — Bei der Anwesenheit des Zarenpaares in Bacht schi-S arai auf der Halbinsel Krim wurde es auch von den Vertretern der jüdischen und der karaitischen Gemeinde begrüßt. Der Kaiser versprach den Karäern kurz darauf, die Stadt Tschusut-Kalee, den ehemaligen Hauptsitz der Karäer auf der Halbinsel Krim, zu besuchen. Einige Tage darauf erschien das russische Kaiserpaar wirklich in dieser altberühmten „Judenburg" und wurde am Eingang des Ortes vom ersten Chacham der Karäer, Pampulow, empfangen und in die alterthümliche Synagoge geleitet. Das Zarenpaar nahm auch von der karaitischen Gemeinde ein Frühstück an. — Unter bemalten spanischen Regime war es außer der katholischen keiner Religion gestattet, auf den Philippinen zu Zwecken von Kirchenbau oder Erziehungsanstalten Land zu erwerben. Gouverneur Taft ist es zu verdanken, daß dieses mittelalterliche Gesetz dahin abgeändert wurde, daß „alle religiösen Genossenschaften ohne Rücksicht auf ihre spezielle Richtung" berechtigt sind, auf den philippinischen Inseln Land zu erwerben, um aus demselben Kirchen, humanitäre und Erziehungsanstalten zu errichten. — Der Tempel der Gemeinde „Kneseth Israel" in Philadelphia ist neuerlich renovirt worden, Bei dieser Gelegenheit sind vier Wandgemälde angebracht worden, welche vier hauptsächliche Momente ans der Bibel und der Geschichte der Juden zur Darstellung bringen. Diese vier Momente sind die folgenden: Moses führt das Volk Israel durch das Rothe Meer, Moses bringt die zehn Gebote vom Berge Sinai, der Fall von Jerusalem und Jeremias Klage, und die Grundsteinlegung zum zweiten Tempel. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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