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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-09-26 · Heft 39 (26.9.1902) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 39 (26.9.1902)
Date
1902-09-26
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Zuverlässiger Quelle verlautet, ist die Negierung im Begriffe, eine Verordnung zu erlassen, welche diesen Wünschen gerecht werden soll. Nun aber lasst das oberelsässische Konsistorium gegenwärtig in den ihm unterstellten Gemeinden ein Gesuch an den Landesausschnsi unterzeichnen, mit der Erklärung, man sei mit dem Konsistorium sehr zufrieden, und der Bitte, die Dinge so zu lassen, wie sie sind.— Die von dem israelitischen Bezirkskonsistorium vorgenommenen Ernennungen der Nabbinatskandidaten Dr. Josef Bloch zum Rabbiner in Lambach, Dr. S. Lehmann zum Rabbiner in Schirrhofen, Camill Bloch zum Rabbiner in Sulz i. W. und Max Gugenheim zum Rabbiner in Qnatzenheim sind seitens des Ministeriums für Elsaß- Lothringen bestätigt worden. Oesterreich - Ungarn. LH Wien, 22. September. Es ist nicht viel zu berichten von dieser Woche, es sei denn eine wahre L eg i o u vo n Stra ssä l l en zuweilen ärgster Sorte, bei denen Antisemiten und Alldeutsche die Hanptbetheiligten waren; im Nachstehenden blos eine kleine Auslese: Franz Genscha. der durch neun Jahre lang als Führer der Christlich- Sozialen in Südmähren einen außerordentlichen Terrorismus ausübte, ist nach Kontrahirnng von Schulden im Betrage vor: 320 000 Kronen flüchtig geworden, diese Summe hat der charakterfeste Antisemit hauptsächlich verspielt! — Der Hilfsarbeiter Alois Scherber, der sich den Spaß machte. armen umherziehenden Musikanten glühend gemachte Hellerstücke znzuwerfen, daß sie sich die Hände verbrannten, erhielt eine Arreststrafe. — Der antisemitische Selchermeister Zdenko Novak wurde wegeil grober Verfälschung von Lebensmitteln zu einer Geldstrafe von 600 Kronen verurtheilt. — Der Herausgeber des famosen „Kikeriki", eines antisemitischen Witzblättchens, wurde der O sf izierscharg e für immer verlustig erklärt, von welcher Auszeichnung er seinen spärlichen Lesern selbst Mittheilung macht — und so fort ins unendliche: wahrlich eine stattliche Zahl von dunkelen Ehrenmännern im strammen Lueger-Anhang! — Der Prager „Cas" enthält folgende Notiz: „Aus Polna: Vielleicht wird es die Leser interessiren, daß der bekannte Kronzeuge ans dem H ils n er-Pr oz e sse. der scharf- und weitsichtige Pesak, soeben gegen die Gemeinde Polna eine Klage bei dem Bezirksgerichte Polna überreicht hat. Herr Pesak verlangt, daß ihm die Gemeinde jene Belohnung von 200 Kronen zahle, welche seinerzeit für Jenen ausgeschrieben wurde, der den Thäter des Mordes an Agnes Hruza ausforscht. Bei dieser Gelegenheit bemerken wir, daß bereits drei Zeugen ans dem Polnaer Prozesse in das Irrenhaus eingeliefert worden sind. Alle leiden an Verfolgungswahn." — Mit dem Schuljahre 1901—1903 ging das erste Vierteljahrhnndert der Budapest er La ndes-N abbin er schule zu Ende. Der eben erschienene Jahresbericht verzeichnet es mit erhobenem Gefühle, das; aus der Errichtung der Anstalt dem Vaterlande und der Judenheit Segen ersprossen ist. Allenthalben war die Nothwendigkeit dieser Anstalt empfunden worden. Beinahe 60 Gemeinden Ungarns haben Schüler derselben zu ihren Rabbinern gewählt; an vier höheren Schulen des In- und Auslandes wirken deren Zöglinge als Lehrer und Förderer der jüdischen Wissenschaft; 12 Zöglinge haben sich dem Religionslehramte gewidmet; namhast ist die Zahl derer, welche die theologische Laufbahn verlassen und das Gebiet praktischer Wissenschaften betreten haben und durch sachverständige Theilnahme am jüdischen Gemeindewesen zu der in patriotischem und wissenschaftlichem Geiste anznbahnenden Neugestaltung des jüdischen konfessionellen Lebens beitragen. Am 24. und 25. Februar 1902 fanden die mündlichen Rabbinerprüfnngen statt, zu welchen auf Grund ihrer schriftlichen Prüfungsarbeiten und der am 16. und 17. Februar stattgesnndenen schriftlichen Klausurprüfung die absolvirten Hörer Dr. Berthold Edelstein und Dr. Ignatz Hirschler zugelassen wurden. Die Kandidaten empfingen bei der Entlassungsfeier am 26. Februar von dem Vorsitzenden des Professorenkollegiums, Professor Moses Bloch, irr Begleitung einer hebräischen Ansprache das Rabbinerdiplom. Doktor B. Edelstein wurde alsbald zum Rabbiner in Qfen gewählt, von den früher Promovirten ist Dr. Arnold Klein (früher in Veszprüm) zum Rabbiner in Ofen, Dr. Simon Unger (früher in Szegzärd) zum Rabbiner in Eszök, Doktor Heinrich Wiesner (früher stellvertretender Rabbiner in Ofen) zum Rabbiner in Bezdrm gewählt. Mehrere Hörer der Landesrabbinerschule wurden auch im abgelaufenen Schuljahre von der Pester israelitischen Religionsgemeinde mit dem Religionsunterrichte in hauptstädtischen Volks- und Mittelschulen betraut. Für die vier ausgeschriebenen Preisaufgaben ist j eine Arbeit eingelangt. Sämmtlichen wurde der Preis zuerkanm Dem Jahresbericht geht eine sehr werthvolle Studie von Professor Blau vorall, über das althebräische Buchweseu. welche sicher in diesem Blatt noch ausführlich besprochen werden wird. Usn Nah und Fern. ----- Am 23. d. M. ist hier der allgemein geachtete Stadtrat M. Mamroth im 71. Lebensjahre gestorben. — Am 19. d. M ist hier im 60. Lebensjahre der königliche Steuerausseher Wol' Neimanl,, Ritter des Eisernen Kreuzes, plötzlich gestorben. - In der Strafsache gegen den Grafen Pückler-Klein tschirne ist der auf den 7. Oktober d. I. vor der neunten Straf kammer des Landgerichts! in Berlin angesetzte Termin abermals ver schoben worden. — Ahlwardt ist wieder da! Nach langer Zeit trit er wieder vor seine werthell Zuhörer mit einer Rede: „Das Judenthttm eine Weltmacht." Na also! — Das Jüdische Mädchenstift Lothringerstrabe 16. entläßt demnächst einige Zöglinge nach vollendete unentgeltlicher Ausbildung in den Dienstbotenberuf. Neuanmeldunge, unbemittelter jüdischer Mädchen nimmt der Vorsitzende Direktor Dr. Strelitz, Schönhauser Allee 162, entgegen. — Die von dem Rene gaten Nathan Schlesinger vor langer Zeit begründete „Charlotten burger Bürgerzeitung", das frühere antisemitische Organ, dazuletzt die Interessen einer kleinen Gruppe von Angehörigen der dortigen „unpolitischen" Stadtverordnetenfraktionen vertrat, hat das Erscheinen eingestellt. — Landrichter Bohm in Könitz ist zum Landgerichtsrath befördert worden. — Pfarrer Krösell in Kloxin ist, wie die „Deutsche Hochwacht" meldet, für den Wahlkreis Pyritz Saatzig als Reichstagskandidat des antisemitischen „Deutschen Volksbnndes" auf einstimmigen Beschluß des „Rathes der 23" aufgestellt worden. — Dem dirigirenden Arzt der chirurgischen Abtheilung des städtischen Krankenhauses zu Posen. Dr. Max Eduard Iaff6, ist das Prädikat „Professor" beigelegt worden. —Der frühere Rabbiner dec Synagoge in der Potsdamerstrabe, Dr. Salomon Cohn, starb am 22. d. M. in Breslau in, 80. Lebensjahre. — In Seesen a. H. fand am 16. und 17. d. M. an der Jakobson-Schule (berechtigte Realschule) die Reifeprüfung statt. Als Negierungskommissar hatte den Vorsitz der Schulrath Professor Dr. Brandes, Gymnasialdirektor in Wolfenbüttel. 11 Schülern der ersten Klasse konnte das Reifezeugniß zuerkannt werden. — In Frankfurt a. M. fand am 14. d. M. die festliche Einweihung des neuen Heims der Bne-Berith-Loge statt. — Am 13. d. M. ist in Frankfurt a. M. im 50. Lebensjahre Herr I. H. Jeidels, einer der kunstsinnigsten und kunstverständigsten Bürger, gestorben, der sich thatkräftig an allen auf die Kunstpflege gerichteten Bestrebungen betheiligte. Er war Vorstandsmitglied und Kassenführer des Vereins für das historische Museum und Vorsitzender des Vorstandes der Rothschild-Bibliothek. — In Badenweiler ist Herr Julius Schohl I. aus Pirmasens im 48. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene war Reserveleutnant, und an dem Begräbniß betheiligten sich das Osfizierkorps. der Veteranen-und Kriegerverein. Bezirksrabbiner Dr. Mayer-Zweibrücken hielt die Grabrede. — Aus Bukarest wird gemeldet: Da das Reglement zum Gewerbegesetz durch Bestätigung der den rumänischen Bürgern zugedachten materiellen Vorthelle bei den fremden und israelitischen Handwerkern große Enttäuschung verursachte, haben diese die Fortsetzung der Auswanderung beschlossen. — M. Delvaille in Chartres ist zum Staatsanwalt bei dem Ober- Lribunal in Bar-sur-Aube ernannt worden. — In Newyork giebt es jetzt 190 Synagogen und Bethäuser. — Als Nachfolger für den kürzlich verstorbenen Oberrabbiner der orthodoxen jüdischen Gemeinde, Rev. Jakob Joseph, ist Rabbiner Bernard Levinthal aus Philadelphia gewählt worden. Levinthal war vor 11 Jahren aus Kowno nach Amerika gekommen, um eine durch den Tod seines Schwiegervaters Lasar Kleineberg vakante Rabbinerstelle in Philadelphia einzunehmen. — Das Benehmen der New Yorker Polizei bei dem Tumult anläßlich der Beerdigung des Rabbiners hat das größte Mißfallen nicht nur in den Vereinigten Staaten hervorgerufen. 106 Polizeibeamte sind wegen ihres Verhaltens bestraft worden. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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