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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-09-19 · Heft 38 (19.9.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 38 (19.9.1902)
Date
1902-09-19
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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66. Jahrgang. Ar. 38. Berlin, 19. September 1902 Zeitung des Audenthums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Rabbiner Dr. Ludwig Phiiippson-Konn. Verlags-Expedition: Kerlin, Zerusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse. Verlag der „Allgem. Zeitung des Judentums", Berlin Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Moffe, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis. Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!.3 M. Redacteurr Gustav Karpeles. An nufere Leser! wir richten an unsere Leser, welche das Blatt durch die Post oder den, Buchhandel beziehen, die Bitte, das Abonnement für das vierte (Quartal 1902 rechtzeitig zu erneuern, damit die Zusendung des Blattes keine Unterbrechung erleidet. — Preis pro (Quartal incl. Franko - Zusendung 3 Mark. Diejenigen Abonnenten, welche von uns die „Allgemeine Zeitung des Iudenthums" direkt beziehen, erhalten die Zeitung ohne besondere Erneuerung des Abonnements fortlaufend zugesandt. Nach Beginn des neuen (Quartals können wir Abbestellungen nicht mehr annehmen. In Folge vielfacher an uns ergangener Anfragen und um den wünschen der meisten unserer geehrten Abonnenten zu entsprechen, erklären wir uns gern bereit, der Einfachheit und der Porto - Ersparniß wegen Abonnementsbeträge auch für mehrere (Quartale auf einmal im Voraus entgegen zu nehmen. Die Expedition. Inhalt, Leitartikel? Zweierlei Matz, — Die Woche. — Todtenbeschwörung. Bon Rabbiner Dr. Ludwig Pick-Berlin. — Vom Diesseits über das Jenseits. Amerikanische Briese ans Oesterreich. Von Professor Dr. G. Deutsch in Cincinnati. I. — Lefefrüchte. Voll Professor Dr. Ludwig Geiger. — Feuilleton: Das Erwachen. Nach dem Englischen von Hermann Bernstein. — Reiseplaudereren. II. Der Oemeindevote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Hamburg, Rostock i. M., Wiesbaden, Darmstadt, München, Wien, Czenstochau. — Von Nah und Feen. Zweierlei Maß. Berlin, 16. September. wei eklatante Beispiele, an denen wir durchaus nicht vorübergehen dürfen, haben in jüngster Zeit den Glauben an die Zuverlässigkeit eines Historikers stark erschüttert, der uns mehr Schaden zugefügt hat als die meisten Führer der antisemitischen Bewegung. Es ist natürlich von Heinrich von Treitschke die Rede, also von dem Manne, der den Antisemitismus in die Hörsäle der Universität und in die Salons der gebildeten Kreise hineingetragen hat. In einem sehr gründlichen Aufsatz in Nummer 32 unseres Blattes hat ein Forscher, der sich im Kampf gegen den Antisemitismus durch seine unermüdliche Arbeit, durch seine scharfe Beobachtung und durch seine vornehme Ruhe ganz besonders ausgezeichnet hat, die Aeußerungen Treitschkes in seiner „Deutschen Geschichte" über die antijüdische Bewegung nach den Freiheitskriegen einer genauen Nachprüfung unterzogen. Diese Prüfung hat nun das überraschende Ergebniß gezeitigt, daß die Darstellung dieses Historikers „im Wesentlichen auf falschen, beziehentlich entstellten Thatsachen" aufgebaut sei. Es ist dabei als charakteristisch hervorgehoben worden, daß diese Thatsache erst jetzt entdeckt worden ist, nachdem Hunderte von Juden Treitschke gelesen haben, darunter in großer Zahl auch solche, welche die wissenschaftliche Qualifikation besaßen, seine Darstellung auf ihre Richtigkeit zu prüfen. Der besonnene Forscher kam aber durch genaue Gegenüberstellung der Darstellung Treitschkes und der von ihm zitirten Schriftsteller zu der Ueberzeugung, daß die Schilderung jener Verhältnisse in der „Deutschen Geschichte" „geradezu als eine Fälschung anzusehen" ist, westR man nicht annehmen wolle, daß Treitschke jene Schriften gar nicht gelesen und alles nur einem Anderen auf Treu und Glauben nachgeschrieben habe. Ein solches Verfahren aber müßte noch schärfer gerügt werden. Keine einzige von den Belegstellen ist richtig angeführt, d. h. mit richtigen Worten und im richtigen Zusammenhänge. Die geschichtlichen Thatsachen sind entstellt, und dies ist um so schlimmer, als gerade jene Stellen dem Historiker dazu dienen sollten, die „erschreckende Verlogenheit und Ueberhebung" auf jüdischer Seite zu kennzeichnen. Das zweite Beispiel ist nicht weniger charakteristisch. Bekanntlich hat Treitschke in seiner „Deutschen Geschichte" schlankweg die Behauptung aufgestellt, daß Heinrich Heine um das Jahr 1843 das französische Bürgerrecht erworben habe, während der Dichter selbst noch 1854 öffentlich erklärte, daß er sich nicht in Frankreich habe naturalisiren lassen. „Es war der närrische Hochmuth des deutschen Dichters, der mich davon abhielt, auch nur pro korma ein Franzose zu werden. Es wäre für mich ein entsetzlicher, wahnsinniger Gedanke, wenn ich mir sagen müßte, ich sei ein deutscher Poet und zugleich ein naturalisirter Franzose." Dieser ausdrücklichen und feierlichen Versicherung gegenüber hielt Treitschke an seiner Behauptung fest, ohne auch nur den geringsten positiven Beweis für diese führen zu können. Damit war aber die Sache nicht abgethan. Im Augustheft der „Deutschen Rundschau" hat ein ausgezeichneter deutscher Literarhistoriker, Professor Ernst Elster in Marburg, in einem Aufsatz „War Heine französischer Bürger?" den genauen dokumentarischen Nachweis geführt, daß das feierliche Zeugniß Heines zweifellos die Wahrheit enthalte, und daß „die Behauptung, daß er französischer Bürger gewesen sei, endgiltig in das Reich der Fabel verwiesen werden müsse." Wer

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