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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-09-12 · Heft 37 (12.9.1902) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 37 (12.9.1902)
Date
1902-09-12
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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3 ad. Kassel, 1. September. An dem unter Leitung des Herrn Seminardirektors Dr. Lazarus stehenden Seminar zu Kassel findet laut Verfügung des königlichen Provinzialschulkollegiums vom 27. August 1902 die zweite Lehrerprüfung am 28. Oktober und den folgenden Tagen statt. Bei dieser Prüfung wird zum ersten Mal die neue Prüfungsordnung (Ministerialerlafz vom Juli 1901) in Kraft treten. Die einzuseudende Arbeit, Probezeichnung und Probeschrist fallen fort. Die schriftlichen Klausurarbeiten sind auf eine einzige reduzirt. Das Thema zu derselben ist ein rein pädagogisches, sei es aus der allgemeinen Pädagogik oder der Methodik der Hauptunterrichtsfächer entnommen. Neu ist ferner, daß jeder Kandidat im Meldungsschreiben ein Spezialfach, mit dem er sich besonders eingehend beschäftigt hat, sowie ein pädagogisches Werk, von dem das Gleiche gilt, anzugeben hat. Da es in der Prüfungsordnung ausdrücklich heißt, hinsichtlich des zu wählenden Seminars soll den Wünschen der Lehrer möglichst Rechnung getragen werden, so ist die Zulassung aller (derer, die Werth darauf legen) israelitischen Lehrer wohl zweifellos. Frankfurt a. M., 2. September. Die orthodoxe Jüdisch- Litterarische Gesellschaft, über deren Begründung und erstes Preisausschreiben wir s. Z. berichtet, deren Vorsitzende Realschuldirektor Dr. Lange und Dr. Bamberger-Hanau bilden, hat von den Hinterbliebenen des in Homburg verstorbenen Herrn Salomon Juda Sachs aus Dünaburg ein Legat erhalten, das von dem Vorstand der Gesellschaft als „Schlomoh Jehudah Sachs-Stiftung" verwaltet werden und zur Dotirung von wissenschaftlichen Preisaufgaben dienen soll. Damit das Andenken des Mannes, dessen Namen die Stiftung trägt, schon alsbald durch eine derartige Publikation geehrt werde, wird aus einer besonderen Schenkung schon jetzt von dem Vorstande ein Preis von 300 Mark ausgesetzt auf eine kurze, in deutscher Sprache abzufassende Geschichte der Geonim. welche zum ersten Jahzeitstage des sel. Sachs (7. August 1903) erscheinen soll. Später sollen die Zinsen des Kapitals je mehrere Jahre lang admassirt und dann jemals ein dementsprechender höherer Preis vergeben werden. —t. München, 1. September. Das unter dem Protektorate und der thatkräftigen Mitwirkung der Prinzessin Ludwig Ferdinand von Bayern stehende Bayerische Zweigkomitee zur internationalen Bekämpfung des Mädchenhandels hat in seiner Sitzung beschlossen, zu dem in Frankfurt am Main im Oktober heurigen Jahres statlfindenden Kongreß zur internationalen Bekämpfung des Mädchenhandels als Delegirte des hiesigen Komitees zu entsenden den kaiserlichen Unterstaatssekretär a. D. und Uuiversitätsprofessor Dr. Georg von Mayr, den kaiserlich königlichen Regierungsrath und Universitätsprofessor Dr. Emanuel Ullmann und den Rabbiner Dr. Coßmann Werner, sämmtlich in München. Oesterreich-Ungar«. Wien, 8. September. Die Erinnerung an den unseligen Leopold Hülsner wacht wieder auf beim Vernehmen einer Nachricht aus Mähren. Dort wurde Binzens Zelinger, der Kamerad Hülsners und Belastungszeuge im Kuttenberger Prozeß, welcher sich zur Untersuchung des Geisteszustandes in der Sternberger Landesirrenanstalt befand, nunmehr für unheilbar geisteskrank erklärt. Das gerichtsärztliche Gutachten hat nun zur Folge, daß bezüglich der letzten Abstrafungen des Zelinger das Strafverfahren zu Gunsten desselben erneuert werden muß. Nach Beendigung des erneuerten Strafverfahrens wird Zelinger an eine Irrenanstalt in Böhmen abgegeben werden. Zelmger wurde, wie er behauptet, in Mürau mißhandelt. Bei allen Verhandlungen vor dem Olmützer Kreisgerichte erklärte Zelinger, daß er die verbrecherischen Handlungen nur verübt habe, um in eine andere Strafanstalt zu kommen. Geschehe dies nicht, so müsse er sich das Leben nehmen oder müsse ein Narr werden. Immer wieder wurde Zelinger jedoch nach Mürau geschickt, wo man die äußerste Strenge für das richtige Mittel hielt, den renitenten Verbrecher aus den rechten Weg zu bringen. Das Irrenhaus — das wäre wohl auch für den Kameraden Zelingers, den Hülsner, die geeignetste Stätte gewesen. — Dem kürzlich hier verhafteten Advokaten Dr. Anton Löbl, einem starren Anhänger der Christlich-Sozialen, wurde die Ausübung der Advokatur entzogen. Dieser arische Rechtsfreund hat sich mancherlei zu schulden kommen lassen, was ihn mit dem Gesetz in Konflikt bringt, er hat anvertraute Gelder für sich verwendet und so manches andere gethan, was zu dem Amte eines Anwalts gerade nicht paßt. — Nach dem Beschluß des vorjährigen Baseler Kongresses soll in diesem Jahre kein allgemeiner Zionistenkongreß stattfinden. An seiner Stelle wird am 29. Oktober hier eine Konferenz abgehalten werden, an der außer den Mitgliedern des Aktionskomitees eine Anzahl gewählter Delegirter theiluehmen werden. Der für diese Konferenz gewählte Arbeitsplan enthält folgende Punkte: 1. Situationsbericht vom Vorsitzenden des Aktionskomitees Dr. Herzl; 2. Allgemeiner Bericht über den Stand der Bewegung (Dr. Kahn); 3. Finanzbericht (Dr. Kokesch); 4. Bericht über den Stand der Bewegung in den verschiedenen Ländern und Diskussion über die Punkte 1—3; 5. Bericht des ständigen Komitees; 6. Bericht über den Nationalfouds (Herr Kremenetzky); 7. Bericht über die Legalisirung des Natioualfonds (Dr. Färbstein); 8. Bankbericht: a) Berichterstattung für die Direktion (Herr D. Wolfssohn), b) Berichterstattung für den Anfsichtsrath (Dr. Koke sch); 9. Die Presse (Herr Oskar Mamorek); 10. Budget (Dr. Kokesch); 11. Reorganisiruug der Kommissionen (Dr. Kokesch).— Der Kaiser hat dem Vizepräses der Krakau er Kultusgemeinde, Großindustriellen Hirsch- Landau. den Titel eines kaiserlichen Rathes verliehen. Kürzlich feierte derselbe das dreißigjährige Jubiläum als Kultusvorsteher. — Anläßlich der Unruhen in Agram, wo die kroatischen Ereignisse große Erbitterung verursacht, herrscht auch in Semlin eine derartige Erregung, daß dorthin sowie nach Sißek, wo ernste Judenkrawalle drohen, Militär entsendet wurde. — Am 25. v. M. wurde in Djakovar der neuerwählte Nabbiiler Dr. Lazar Roth in feierlicher Weise in sein Amt eingesührt. Am Bahnhose erwartete eine größere Deputation den Rabbiner, woraus er nach dem eine Stunde entfernt liegenden Djakovar geleitet wurde. Am Abend fand ein feierlicher Gottesdienst statt, bei welchem nicht nur die Gesannntgemeinde, sondern auch die Spitzen der Behörden nebst einem zahlreichen nichtjüdischen Publikum vertreten waren. Am Eingänge des Tempels begrüßte der Präses der Kultusgemeinde, Herr Adolf Kohu, den Ankommenden mit einer herzlichen Ansprache. Nach dem Mincha-Gebete entfaltete Rabbiner Dr. Roth in einer großangelegten, formvollendeten Rede das Programm seiner zukünftigen Thätigkeit. Die Rede machte aus Alle einen sehr günstigen Eindruck. Vsn Nah und Fern. — Der eanä. prob. Caesar Geballe, der früher am Reichenheim'schen Waisenhause und an der Knabenschule der jüdischen Gemeinde unterrichtete, ist zum Oberlehrer an der 11. Realschule gewählt worden. — Am Sterbetage des Geheimen Sanitätsraths Dr. Moritz Marcuse fand seitens der Freunde sowie der Taubstummenanstalt, deren Begründer er war, eine Feier statt. Die Anstalt legte einen Kranz nieder. — Ein Parteitag der antisemitischen deutsch-sozialen Neformpartei soll vom 13. bis 15. September in Eisenach stattfiudeu. — Im 73. Lebensjahre ist hier am 5. d. M. Frau Ottilie Marckwald, geb. Pringsheim, gestorben, die in der hiesigen Gesellschaft eine hochgeachtete Stellung eiunahm. — Am 6. d. M. ist hier der emeritirte Prediger Dr. Jsaac Falken he im im nahezu vollendeten 74. Lebensjahre nach kurzem Krankenlager verstorben. — Aus Anlaß der Anwesenheit des Kaisers in Posen wurden folgende Orden und Auszeichnungen verliehen: Den Rothen Adlerorden IV. Klasse erhielten Stadtrath Aronsohn in Bromberg, Kaufmann Bärwald in Nakel, Stadtrath Kantorowicz, Jnstizrath Dr. Lewinski und Sanitätsrath Dr. Pauly in Posen, Laudgerichtsrath Peltasohn in Bromberg; den Kronenorden IV. Klasse Kaufmann Cohn in Krone a. d. Br., Stadtrath Giemkiewicz in Gnesen; Kommerzienrath Herz in Posen wurde zum Geheimen Kommerzienrath, Dr. Glaser in Fraustadt und Dr. Landsberger in Posen zu Sanitätsräthen ernannt. — In Schildberg hat sich wieder ein Verein für jüdische Geschichte und Litteratur gebildet. — Zum Bau eines Kaiserin Augusta Viktoria-Hauses, welches in Posen vom Vaterländischen Frauenverein der Provinz Posen errichtet wird, schenkte Frau Kommerzienrath Levy in Inowrazlaw 10 000 Mark. — Am 6. d. M. ist in Leipzig der frühere Redakteur der „Gartenlaube", Dr. Albert Fränkel, im 82. Lebensjahre nach langer Krankheit gestorben. Die Beisetzung erfolgte in Dessau, wo derselbe als Sohn des bekannten Schuldirektors Dr. David Fränkel im Jahre 1822 geboren wurde. Ehre seinem Andenken! — Der König hat dem Mitinhaber der Firma Knauth Nachod und Kühne, Konsul Friedrich Nachodin Leipzig, den Titel Kommerzienrath verliehen. —Zum Landrabbiner des Großherzogthnms Sachsen-Weimar-Eisen ach wurde an Stelle des verstorbenen Dr. Salzer-Stadt-Lengsfeld Rabbiner Dr. Wiesen-

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