Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 31 (1.8.1902)
- Date
- 1902-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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Mistellen. ----In einem Aufsatz über »Geadelte Kaufleute" schreibt da- »Neue Wiener Journal": Als vor bald dreißig Jahren der Chef desHauseS Bleichröder geadelt wurde, erregte dies in einemTheile der Berliner Gesellschaft ungeheures Aufsehen. Man sprach, der Religion des Nobilitirten wegen, von einem unerhörten Novum und vergaß, daß Friedrich Wilhelm III. schon 1810 den Bankier Ferdinand Moriz Levy Delmar zum Freiherrn gemacht hatte, daß auch die von Friedrich Wilhelm IV. mit dem »von" bedachte, später baronifirte Familie Magnus Ursprünglich gleichen Glaubens gewesen war. Jetzt zählt die deutsche Reichshauptstadt schon eine Reihe großer Bankfirmen, deren Häupter berechtigt find, ihrem Namen die bedeutsamen drei Buchstaben vorzusetzen. Dagegen fehlt im Allgemeinen dem deutschen Geldadel der internationale Charakter, der ihm in anderen Ländern anhaftet, und in dem Heine frohlockend den Todeskeim deS ihm verhaßten, an der Scholle klebenden Feudaladels erblickte. Die Rothschilds find, seitdem sie ihr Frankfurter Haus auflösten, in Preußen nicht mehr durch Familienmitglieder vertreten. Man sagt, auch bei ihnen ließe allmälig in der Heranwachsenden Generation das Interesse an dem Berufe nach, in dem sie eine Weltmacht geworden sind. Schon ist ein Rothschild in Paris als Arzt thätig, andere führen das behaglichere Leben millionenreicher Rentiers. Ob für dieses Erlahmen ihrer Spannkraft und das — wenigstens behauptete — Schwinden ihrer finanziellen Thatkraft und Begabung nicht auch eine Erklärung in dem Umstande zu suchen ist, daß sie jetzt bald hundert Jahre lang immer unter einander Verwandtenehen geschlossen haben, mag dahingestellt bleiben. In den Fällen, in welchen Töchter des Hauses Rothschild ausnahmsweise nicht die Frauen ihrer Vettern oder Oheime geworden sind, haben auch sie Verbindungen mit Mitgliedern seüdaladeliger Geschlechter geschlossen. Sie find dadurch in recht nahe Verwandtschaft verschiedener regierender Häuser gekommen — auch ein Zeichen des alle Schranken niederlegenden Einflusses des GoldeS. Freiin Bertha von Rothschild — von der Frankfurter Linie — wurde 1882 die Gemahlin des Fürsten und Herzogs von Wagram, Enkels des Marschalls Berthier. Dieser war mit einer bayrischen Prinzessin aus dem jetzt herzoglichen Zweige Pfalz-Birkenfeld, sein Sohn mit einer Elary, Nichte der Königin Desire von Schweden, vermählt. Hieraus ergiebt sich für einige Abkömmlinge Meyer Amsel Rothschilds eine enge Blutsgemeinfchaft mit Sprossen der Häuser Wittelsbach. Habsburg, Bernadotte. Bourbon. Die Rothschilds erlangten Adel und Freiherrnstand von Oesterreich, das ja einen sehr zahlreichen Finanzadel für sich aufzuweisen hat. Besonders freigebig mit Adelsbriesen an Größen der Handelswelt war jedoch eine Zeitlang der koburgische Hof, dem allerdings häufig das Mißgeschick passtrte, seinen Standeserhöhungen im benachbarten Preußen die Anerkennung verweigert zu sehen. Auch der verstorbene Hosbankier Kaiser Wilhelms 1.. Moriz Cohn, der Telegraphenkönig Reuter, der österreichische Großhändler Dreh fuß, der Leipziger Buchhändler Tauchnitz erhielten von Koburg ihre freiherrliche Würde. Wie schnell der Prozeß der Verschmelzung zwischen dem jungen Geldadel und dem alten Grundadel vor sich geht, sei an zwei Beispielen gezeigt, deren eines eine preußische, das andere eine bayerische Familie betrifft. Den Kölner Bankier Simon Oppenheim, preußischen geheimen Kommerzienrath, baronifirte Oesterreich 1867, und Preußen erkannte die Erhöhung ein Jahr später an. Dieses ersten Freiherrn v. Oppenheim Enkelinnen — Töchter seiner beiden ältesten Söhne — haben sämmtlich in altadelige Familien geheirathet: sie heißen Baronin Plancy, Gräfin Bredow, Frau v. Frankenberg, Freifrau v. Hammerstein, Gräfin Areo, Gräfin Matuschka, Gräfin Pocci, und von ihren Brüdern ist der eine mit einer russischen Gräfin, der andere mit einer Freiin auS altem bayerischen Rittergeschlecht vermählt. In Bayern verlieh König Max Josef 1. seinem Hofbankier Aaron Elias Seligmann den freiherrlichen Namen „von Ehcenthal". Dessen Nachkommen — von einem nach Paris gelangten Zweige abgesehen — find vollständig im alteingesessenen Adel Bayerns aufgegangen. ein Lenuss! /Ik. clss ist Keine Ausstattung? gmttvn-GcaireriM Tu ksben in äen Ligsk-nsn Qsseksften. nur Auslikstl Kostenfrei Irden Montag . . 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