Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1902)
- Date
- 1902-07-25
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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Sprechfaul. Sehr geehrter Herr Doktor! <Mhre geschätzte Wochenschrift bringt in der letzten Nummer eine Notiz, in welcher für die Auswanderung von Juden nach Südafrika Propaganda gemacht wird. Als Aufsichtsrath der einzigen großen österreichisch-ungarischen Unternehmung in Südafrika mit den dortigen Verhältnissen durch direkte private Berichte sehr vertraut, kann ich nicht laut genug davor warnen, daß sich's Jemand einfallen Lasse, derzeit feinen Weg nach Südafrika zu nehmen. Es stehen ihm die größten Enttäuschungen bevor. Abgesehen davon, daß keinem Nichtengländer gestattet wird, von Kapstadt ins Innere weiter zu fahren, da selbst Engländer und Kapländer nur in limitirter Zahl und mit spezieller Erlaubniß der englischen Negierung nach dem Innern, insbesonders dem Transvaal reisen dürfen, gibt es Weiße — Europäer — en müsse dort, welche jede noch so schwere Arbeit anzunehmen bereit sind, ohne solche zu finden. Wohl werdet! jetzt Minenarbeiter ausgenommen, doch das können nur Schwarze, Kaffern und sonstige eingeborene Stämme sein, da nur Diese die schwere, aufreibende Arbeit in den Tausende Fuß tiefen Goldminen auszuhalten vermögen. Ergebenst Eduard Glaser. Miscetlen. ---Eine amtliche Urkunde wird gegenwärtig veröffentlicht, in der ermahnt wird, der Ehre und der Würde der Juden nicht zu nahe zu treten. Freilich, diese amtliche Urkunde datirt nicht von heute, sondern aus einer sehr unmodernen Zeit, nämlich vom Jahre — 1266! Sie liefert den Beweis, daß auch damals Männer von wahrer Herzensbildung existirten, die zwischen Christen und Juden keinen Unterschied machten und in puncto Humanität vielen modernen Rathen und Kriegsleuten über waren. Die Urkunde ist in zwei Steine gehauen und in die südliche Mauer der Schatzkammer des Kölner Domes eingemauert. Ausgestellt hat sie Erzbischof Engelbert II. von Falkenburg (1261—1275), der den Juden die von Erzbischof Konrad verliehenen Privilegien bestätigte und erweiterte. Die in lateinischer Sprache verfaßte Urkunde beginnt mit den Worten: „Wir, Engelbert, von Gottes Gnaden Erzbischof der heiligen Kölnischen Kirche, thun Allen zu ewigen Tagen kund: Da Wir vernommen haben, daß die Juden, welche in Unserer Diözese wohnen, auf eine ungerechte Weise behandelt werden und viele Unbilden erdulden haben, so wollen Wir und befehlen, daß denselben ihre vorigen Freiheiten, die unten näher bezeichnet sind, und welche denselben mit Gutheißung und Genehmigung des Domkapitels und unserer Vorfahren sowie durch Beirath Unserer Getreuen verliehen waren, wieder zuerkannt werden sollen." Unter den Freiheiten befindet sich auch die des ungehinderten Bestattens der Leichen der Juden auf dem jüdischen Kirchhofe. „Für die Zulassung der Leichen," so heißt es wörtlich, „darf nicht die mindeste Zollabgabe verlangt oder erpreßt werden, und sollten auch die Todten in ihrem Leben ein Verbrechen, welches es auch sein mag, begangen haben. Auch wollen Wir, daß kein Beamter oder Richter Unseres Erzbisthnms, wer es auch sei, weder auf gemeldetem Kirchhof, noch an einem demselben benachbarten Orte ein Todesurtheil weder an dem Leibe eines Christen noch auch eines Juden darf vollziehen lassen, damit der Würde und Ehre der Inden selbst und ihres Kirchhofes nicht zu nahe getreten werde." Nachdem noch von verschiedenen anderen Freiheiten die Rede ist, heißt es zum Schluß: „Und da die Juden selbst bei dergleichen Freiheiten zu schützen sind, so haben Wir befohlen, daß diese Freiheiten in gegenwärtige Steine eingegraben und zum ewigen Gedächtniß öffentlich und Jedem zur Schau eingemauert werden sollen. Also geschehen im Jahre des Herrn 1266." Solche alten Dokumente sind noch immer nicht die schlechtesten und stellen manches moderne in den Schatten. 4» Geschäftliche Notizen. — Lebensversicherungsgesellschaft zu Leipzig, auf Gegenseitigkeit errichtet 1830 (alte Leipziger). In der ersten Hälfte des Jahres 1902 sind 3428 Anträge über 26 936 450 Mark Versicherungssumme eingegangen und 3013 Versicherungen über 23 138 400 Mark abgeschlossen worden. Es hat sich damit der Versicherungsbestand auf 637 Millionen Mark gehoben, während das Vermögen aus 218Millionen Mark angewachsen ist. Bei der alten Leipziger Gesellschaft, die eine reine Gegenseitigkeitsanstalt ist, fließen alle Ueberschüsse in Gestalt von Dividenden den Versicherten wieder zu, die auf diese Weise bis jetzt 77 Millionen Mark erhalten haben. Im laufenden Jahre beträgt die Dividende für die länger als fünf Jahre bestehenden Versicherungen beim Dividendenplan ^4, wie seit nunmehr 15 Jahren, 42 Prozent der ordentlichen Jahresbeiträge, bei abgekürzten Versicherungen außerdem noch 1,5 Prozent der Summe der gezahlten Zusatzprämien; beim Dividendenplan L gelten steigende, nach der Dauer der Versicherung abgestufte Dividendensätze, die die Leipziger Gesellschaft in der von Anfang an in Aussicht gestellten Höhe fortgewährt, während viele andere Gesellschaften sich gezwungen gesehen haben, ihre steigende Dividende herabzusetzen. MM in den Apotheken und Orogerien in den^nomeken und vnouer-ien 0.K.?. in ^öiif'cKsn(l2wZ5Lel'IöL!icbe Lur VvrlrÄEULirs vor» LeaidLLldvLtviL des Körpers, der Kaut, der Haare, rur küs^s and Leinixuox des Lluudes und der 2Ldvv» kur Wunden, Ae§en üdle Oerüelre. rur Luttreillieuoe. Lew QeLeimwMel, sondern ein odemisebes Produkt, goruvklos, ungiftig. ÜS8 MÄMilÄK NMIIIlltkl M LkMÜIlkWlöM, LrrlNob seit ^abren bewLLrl. kur alle Luvevkv vsr«vi»ddares ^ntisvptivum und veainleklionsmitlsl. 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