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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-07-04 · Heft 27 (4.7.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 27 (4.7.1902)
Date
1902-07-04
Page
[Seite] (sequence 19)
Language
German
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-Sprechfaul. Geehrter Herr Redakteur! L^n Nr. 25 dieses Blattes finde ich eine Ansrage des Herrn Rabbiners Dr. Beermann „welche Kommunen haben den Rabbinern für die Steuerveranlagung dieselbe Vergünstigung gewährt wie den Geistlichen anderer Konfessionen?" Es ist doch traurig genug, daß die Rabbiner eine Befreiung von den Kommunalsteuern als eine ganz besondere Gnade der städtischen Behörden ansehen müssen, während die anderen Geistlichen gesetzlich von der Zahlung einer solcher, Steuer entbunden sind. Wir sind es ja leider gewöhnt, beim Zahlen stehen wir immer in erster Reihe, aber bei den Zuwendungen aus den Kommunalstenern, sei es in Armen- oder sonstigen Sachen, ja Bauer, das ist etwas anderes. Unser Herr Rabbiner war ca. 35 Jahre von den Kommunalsteuern befreit, endlich wurde auch diese Steuerquelle entdeckt. Sollte es nicht an der Zeit sein, daß der Rabbinerverband oder der Gemeindebund das Abgeordnetenhaus ersucht, auf gesetzlichem Wege die Gleichstellung der Rabbiner mit den Geistlichen der anderen Konzessionen herbeizuführen! Geschehen ist dieses doch wohl noch nicht? Ein einfaches Gesuch an den Ressortminister hat keinen Zweck, da nach dem Ministerialerlaß vom 13. November 1860 Ministerialblatt ür 1861, Seite 17, die Befreiung der Rabbiner von der Kommunalsieuer als ungesetzlich abgelehnt wurde. Hierdurch will ich diese Angelegenheit in Anregung bringen. Schneidemühl. Herz Berliner. Geehrter Herr Redakteur! everend Dr. Chotzner hat in Nr. 23 dieser Zeitschrift im „Brief aus AXx England" eine Parallele zwischen dem dramatisirten „Ben-Hur" von Wallace und dem dramatisirten „Obllären ok Obettovon Zangwill gezogen, welche zu Ungunsten Zangwiüs ausfiel. Ich kenne nicht die Dramen, wohl aber beide Romane, und wenn man nach Kenntniß beider Werke zu urtheilen berechtigt ist, fragt man, was Dr. Chotzner eigentlich will. Zangwill ist unbedingt der größte jüdische Dichter unserer Zeit, der mit nicht genug zu bewundernder Kunst das Ghettoleben darstellt. Er zeichnet keine jüdischen Fratzen, wndern jüdische Gestalten. Nicht lauter Helden und Propheten, nicht lauter Spinozas, nicht einmal lauter Ehrenmänner, sondern neben gewaltigen Charakteren, die sich in und trotz der Enge des Ghettos entwickelt haben, auch Leute von minderer Güte, wie es eben in der i Wirklichkeit der Fall ist. Aber keiner der Schöpfungen Zangwills l fehlt der Tropfen jüdischen Blutes, keiner fehlt irgend ein liebenswürdiger Zug, an dem wir unseren Glaubensbruder und Stammesgenossen erkennen. Zangwill, der große Künstler, der, um eine Definition Zolas zu gebrauchen, die Natur durch sein Temperament sieht, läßt uns mit hineinschauen in die Herzen kleiner Leute mit ihren meerestiesen Gefühlen, in ein beschränktes Leben mit seiner unermeßlichen Aufopferung, er zeigt uns arme Menschen, die so viel verschenken, eckige, komische Figuren, über die man manchmal lacht, die man aber immer lieben muß, ängstliche, vergrämte und körperlich verkümmerte Gestalten, die mau aber doch fast beneiden möchte, weil ie das in reichem Maße genießen, was den meisten gemächlich gebenden abhanden gekommen ist: die Poesie des alltäglichen Daseins Und die Quelle dieser Poesie, der Jungbrunnen, aus dem die Leute äglich schöpfen, ist das Judenthum. Ich kenne keine Figur in .tlln'Iären ok Oketto". die Lachen oder Verachtung erregen könnte, ich kenne keine Zeile von Zangwill, die nicht heiße Liebe zu den Juden athmet und ausströmt. Gerade die breite Masse des Volkes hebt er lebend empor, und die Satyre bleibt ihm nur übrig für einige reichgewordeue Parvenüs, die das Judenthum nur benützen, um damit Schacher zu treiben und Ehrenstellen einzuheimsen. Wallace hat ein anderes Gebiet. Als Christ gilt selbstverständlich seine Liebe dem Christenthum, was ihm sicherlich nur zum Lobe gereicht. Dankbar soll auch anerkannt werden, daß Wallace den Juden zur Zeit der Entstehung des Christenthums gerecht zu werden sucht, denn die ersten Christen waren Juden. „Ben-Hur" stellt nun eben dar, wie diese guten Juden Christen werden. Das ist die Tendenz in „Ben-Hur", und das Buch hat nicht nur hier und da eine christlichreligiöse Schattirung, es ist eine Glorifikation Christi und des Christenthums. Christi heilt auch die Mutter und die Schwester des Ben-Hur vom Aussatze durch sein Wort, und Beide werden dadurch Gläubige. „Ben-Hur" ist sicherlich ein Kunstwerk, aber da die meisten Leser nicht den Kunstwerth als Maßstab anlegen, da die meisten Leser sich von der Tendenz einer Erzählung beeinflussen lassen, würde ich jüdischen Lesern „(llülckreu ok Obotto" und nicht „Ben-Hur" in die Hand geben. Ich glaube aber auch nicht, daß christliche Leser durch „Ben-Hur" allein beeinflußt werden, die Juden unserer Zeit günstiger zu beurtheilen, worauf es doch in erster Linie ankommt, denn die christlichen Leser werden denken, daß diese ausgezeichneten Ben-Hnrs damals alle Christen geworden sind. Saaz, im Juni. Dr. Simon Stern. 4 Geehrter Herr Redakteur! s sei mir erlaubt, zu der von Herrn A. Plaut im Sprechsaal von Nr. 21 Ihrer geschätzten Zeitung gegebenen Erklärung des hebräischen Gottesnamens einige ergänzende Bemerkungen hinzuzufügen. Ganz am Ende der bekannten Schrift des Herrn Professors Delitzsch „Babel und Bibel" nennt der Verfasser seine Quelle für die dem Worte aus Seite 46 ohne nähere Erläuterung zugesprochene Bedeutung „Ziel", „an welchem hängen Jedermanns Blicke, nach welchem der Mensch ausschaut von ferne" Job 36,25. Die Quelle dafür ist nämlich Paul de Lagarde. und zwar, was bei Delitzsch nicht angegeben, des genannten Gelehrten Schrift „Orientalia". 2. Heft. Göttingen 1880, Seite 3. woselbst unter vielen anderen hebräischen Wörtern auch der Gottesname erklärt werden soll. Lagarde kommt schließlich zu dem Resultat, daß auf Wurzel und zuletzt. wie auch Herr Plaut ganz richtig vermuthet hat, aus die Präposition zurückführt. Klar erkennt man die ursprüngliche Bedeutung von als „Ziel, Richtung" an der an mehreren Stellen der Heiligen Schrift vorkommendeü Redensart Pi, die voll Lagarde treffend übersetzt wird: Das. was in Reichweite liegt, im moralischen Machtbereich des Menschen. Wurzel die ja bekanntlch „schwören" bedeutet, muß nach Lagarde zunächst gleichfalls ein Wohin-Zielen oder Greifen bezeichnet haben. Der Schwur vollzog sich ja in der That bei den Alten in der Weise, daß der Schwörende seine Hand unter die Hüfte desjenigen streckte, dem der Eid geleistet wurde. Schon S. R. Hirsch, im Pentatenchkommentar zu 1. Mos. 1, spricht von einer etymologischen Verwandtschaft zwischen und ,-s^, natürlich mit ganz anderer Begründung als Lagarde. Sicherlich aber hat die erst durch Delitzsch Arbeit populär gewordene Zurückführung des uralten Gottesnamens auf den Begriff des Zieles, „nach welchem die Altgen des allein himmelwärts schauenden Menschen sich richten", gerade für das jüdisch-religiöse Bewußtsein viel Schönes und Erhebendes. Hochachtungsvoll Dr. Julius Grüuthal, Rabbiner. Breslau, den 20. Juni. — ^iSu eröffnst! --- üotsl „Ismms. krvstaupation. * » Lki'Sng pi'tllvll. Krosse elveaille Lveisesäls. Aloäeru neu einxerielitete ^VobuLimiutzr. Kur- ^ewässe Liiodv. 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