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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-06-20 · Heft 25 (20.6.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 25 (20.6.1902)
Date
1902-06-20
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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66. Jahrgang. Nr. 25. Berlin, 20. Inni 1902. eitung öes Zudenchums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet-Don Rabbiner D* Ludrvig PHUippson-Äonn. Verlags-Expedition: Berlin, Jerusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und Expedition sind an die Adresse: Verlag der „Mgem. Zeitung des Judenthums", Berlin 8^v., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. Verlag von Rudolf Mofse, Berlin. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis.- Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen vierteljährl.3 M- Nedacteur: Gustav Karpeles. Inhalt. Leitartikel: Praktisches Zudenthuln. 1. — Die Woche. — Briefe aus Rußland. Von Leon A. Tr achten borg. — Das neue Schillluch. Von Rabbiner Dr. E. Fintel in Pasewalk. — Der Talmud und sein -ocht. Von Dr. S. R undstei n. — Feuilleton: Irrthümer. Von B. Gins - l .rg. I. — Der Salon 1002. Von M. Fr iedber g. 1t. — Sprechsaal. — Briefkasten -er Redaktion. Der Gerneinvevote. Korrespondenzen nnd Nachrichten: Berlin, B.Biezen, Königsberg, Bütow, Posen, Aus der Provinz Posen, Hamburg. Hannover, Wiesbaden, Gailiugen, Rieß, Wien. — Von Nah Nnd Fern. Miscellen. — Geschäftliche Notizen. Praktisches Iudenthum. I. Berlin, 17. Inni. ls vor zwanzig Jahren dieses Wort, im Gegensätze zu einem ähnlichen, vom Fürsten Bismarck geprägten, zuerst gebraucht wurde, halten nur Wenige eine Ahnung >avon, was unter „Praktischem Judenthum" denn eigentlich zu --erstehen sei. Heute wissen wir es Alle. Und über viele betrübende Erscheinungen auf dem Gebiete des öffentlichen Gebens, me unsere Zeit hervorgebracht, vermag uns die Erkenntniß dessen u trösten, was nach dieser Richtung hin in den letzten zwei Dezennien auf dem Gebiete sozialer Fürsorge und praktischer Dhüligkeit im Interesse der Armen und Unglücklichen innerhalb der deutschen Judenheit, die dabei ganz auf sich allein angewiesen war, geleistet und geschaffen worden ist. Ein flüchtiger Blick in das neueste, soeben erschienene Heft -er „Mittheilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde" -ermag aber auch Den zu belehren und zu überzeugen, der diesem Zweig unseres öffentlichen Lebens noch immer skeptisch -der gar fremd gegenübersteht. Ein reiches Material findet ach da zusammeugetragen, nicht nur von Anregungen und Gedanken über dieses Thema, sondern auch von Mittheilungen aber Werke, die bereits im Gange oder doch zum Mindesten chon in Angriff genommen worden sind. Versuchen wir s an der Hand dieses Führers, die neuesten Schöpfungen auf dem Gebiete des „Praktischen Jndenthnms" dem allgemeinen Interesse näher zu bringen. Wir fangen am besten mit einem Unternehmen an, das um so wichtiger ist, je weniger nian an dasselbe in unseren Kreisen bisher gedacht hat, oder auch denken konnte. Es ist die Fürsorge für erziehungsbedürftige israelitische Mädchen. Wiederholt schon ist in diesem Blatte auf das dringende Bedürfniß einer Fürsorgeerziehungsanstalt für Mädchen hinpewiesen worden, und das stenographische Verhandlungs- Protokoll des letzten deutsch-israelitischen Verbandstages zeigt, wie traurig die Verhältnisse sind, denen abgeholfen werden soll. Die Zahl der Fälle, in denen die Familienerziehung nicht ausreicht, ist, wie aus den beim Gemeindebunde eingegangenen Anfragen der Provinzialbehörden der Rheinprovinz, Westfalens, Posens, Schlesiens, Brandenburgs und der städtischen Armendirektion Berlins hervorgeht, eine größere als bei Knaben. Bereits auf dem Verbandstage war der geschäftsführende Vorsitzende des D.-J. G.-B. in der Lage, den einstimmigen Beschluß des Kuratoriums einer Stiftung in einer westdeutschen Großgemeinde bekannt zu geben, wonach, vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung der als nothwendig sich ergebenden Äenderungen des Statuts, aus dem Vermögen der Stiftung eine Summe bis 60 000 Mark zur Erwerbung und Errichtung eines Fürsorgeerziehungshauses für jüdische Mädchen zur Verfügung gestellt werden soll. Die Versammlung war von dieser Mittheilung ebenso erfreut wie von der weiteren, daß der D.-J. G.-B., sofern seine leistungsfähigen Vnndesgemeinden dem Beschlüsse des vorherigen Tages Folge geben würden, wonach der Beitrag zum D.-J. G.-B. Lhunlichst ans Eins vom Hundert des steuerpflichtigen Einkommens erhöht werden soll, ohne weitere Zuschüsse die die behördlichen Pflegegelder übersteigenden Mehrkosten tragen zu können glaubt. Es ist selbstverständlich, daß der Ausschuß des D.-J. G.-B. sich gern dem ihm durch die einstimmige Annahme des Antrages Löwe gewordenen Aufträge unterzieht, die nöthigen Schritte zur Gründung einer Mrsorgeerziehungsanstalt für sittlich verdorbene, von den Behörden einer Anstalt überwiesenen Mädchen zu thnn. Indessen dürfte bis zur Behebung aller formalen und sonstigen Schwierigkeiten, noch eine geraume Frist vergehen, ehe die durch den hochherzigen Beschluß der angedeuteten Stiftung ermöglichte Anstalt eröffnet werden kann, eine Frist, die im Interesse der religiösen Erziehung der unglücklichen Mädchen zu beklagen wäre. Dies hat auch die Fürsorge komm ission der jüdischen Gemeinde zu Berlin lebhast empfunden, die bereits in einer Zuschrift vom 10. Februar d. I. dem Gemeindebunde von der bedauerlichen Thatsache Mittheilung gemacht hat, daß in Berlin während des ersten Halbjahres seit dem Inkrafttreten des neuen Fürsorgegesetzes bereits sechs jüdische Mädchen der Anstaltserziehung überwiesen worden seien. Da die Pfleglinge in verschiedenen Anstalten, die sich zum Theil in größerer Entfernung von Berlin befinden, untergebracht sind, so ist auch die Ertheilung jüdischen Religionsunterrichts mit großen Schwierigkeiten und unverhältnißmäßigen Kosten verknüpft; ja, es wird in solchen Anstalten geradezu Proselytismns getrieben. Um diesem Nothstande abzuhelfen, erachtete die Fnrsorgekommission es für dringend uöthig, daß die Errichtung einer Anstalt seitens des Gemeindebundes so schnell wie möglich

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