Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1902)
- Date
- 1902-05-23
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
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MisceNrn. ----- Judenschul' und Christenschul'. In einer der letzten Sitzungen des Vereins jüdischer Lehrer und Lehrerinnen in Königs» berg trug Oberkantor Birnbaum eine interessante musikalischwissenschaftliche Studie über die Worte „Judenschul" und „Christenschul" vor, die auch in weiteren Kreisen interessiren dürfte: Die Bezeichnung „Judenschul" für das jüdische Gotteshaus ist sehr alt und kommt ebenso wie die „Satansschule" schon im Neuen Testament vor, wo auch die zum Judenthum bekehrten Proselyien (Germ) mit dem Ausdruck „Judengenossen" bezeichnet werden, den jetzt die Antisemiten so häufig im Munde führen, ohne den Sinn des Schriftwortes zu kennen. Die Redensart, „es gehe zu wie in einer Judenschul" hat aber, was bisher nicht bekannt war, einen musikalisch-theatralischen Ursprung. Die Bezeichnung „Judaeus" im Sinne eines Schimpfwortes kommt zum ersten Male 1192 vor. Dagegen wurde die Synagoge gemeinhin „seola ^udeornm" genannt. Die Kulturhistoriker kennen auch die Bezeichnungen „Judentanz, Judenglocken, Judenspieß", denen Güdemann noch die „Judengans" hinzusügt. Als älteste Quelle für die „Judenschul" nahm man bisher Wageweils „Freundliche Erinnerungen" (Nürnberg 1707) an, welche Schudt II, Anhang 223, anführt. Referent glaubt aber den richtigen Ursprung für die „Judenschul" gefunden zu haben. Das moderne Drama und seine Entwickelungsgeschichte wird allgemein aus den christlichen Kultus zurückgeführt, in welchem auch die „ludi tbeatralis" üblich waren („Mysterien"). Aus ihnen entwickelten sich Fastnachtsspiele, Schuldramen, Bauernkomödien derbster Art, späterhin auch andere liturgische Spiele, die man bis ins neunte Jahrhundert zurück verfolgen kann. Fast die ganze heilige Schrift alten und neuen Testaments, darunter die Schöpfungsgeschichte, die Opferung Isaaks, die Geschichte Josephs rc., selbst Bileam auf der Eselin reitend, alles wurde zur Volksbelustigung und Erbauung „dargestellt" dramatisirt. Aus solchen Anfängen entwickelte sich dann das „viamma per musiea". Da kam im Jahre 1594 der Komponist Orazio Vecchi auf den Gedanken, in einem solchen „vramma per musira" oder, wie er es in diesem Falle nennt, einer „comeäin karniouiea" (die Bezeichnung Oper existirte eben noch nicht) eine „Jndenszene" anzubringen. Ganz ohne jeden dramatischen Zusammenhang mit der eigentlichen Liebesgeschichte der Handlung, ist dieselbe einzig und allein zum Zwecke der Belustigung eingeschoben, indem der Diener des Liebhabers einen Juden aufsucht, um bei ihm ein Darlehn zu entnehmen. Und diese Szene hat der Komponist zu einem köstlichen Madrigal umgestaltet, in welchem er die Inden bei ihrem Sabbathgottesdienste in der Synagoge ein hebräisches Kauderwelsch singen läßt. Gerade diese urkomisch komponirte Szene hatte die Lacher für sich, so daß die Komposition, nachdem das Werk im Jahre 1597 unter dem Titel „I'^uillparnaso" erschienen war, auch in die deutsche Madrigalsammlungen unter der Bezeichnung „Judenschul" vielfach ohne Nennung des Komponisten Aufnahme fand. (So im „Musikalischen Zeitvertreibes, Nürnberg 1609.) Auf diese Weise wurde die „Judenschul" eines der beliebtesten Madrigale des 17. Jahrhunderts, und wenn man, wie Schudt a. a. O. bemerkt, „ein Geschrey führet, daß niemand sein eigenes Wort vernehme", so pflegt man zu sagen: „Es gehe da zu wie in einer Judenschul." Als Zerrbild der Synagoge fand die „Judenschul" im Laufe der Zeiten manche Nachahmungen, so z. B. in der „Hebräischen Kantate", die im „Nasenton" gesungen werden muß, ferner in der von Mozart komponirten „Judenschul", die erst im vorigen Jahre die königliche Bibliothek zu Berlin ankaufte. Die letzte „Judenschul" als ganzes Theaterstück wurde 1815 auch hier in Königsberg aufgeführt, nur mußte auf Protest der Juden der Titel umgeändert werden. Das Stück kam dann unter dem Titel „Unser Verkehr" überall zur Ausführung. (Die einaktige Posse „Unser Verkehr" von Sessa findet sich in der Reclamschen Universalbibliothek Nr. 129 aufbewahrt. Red.) Hier in Königsberg hat das Stück noch ein Gegenschriftchen gezeitigt, welches Jolowicz und Grätz anführeu. In diesem Theaterstück wurden nie wirkliche Synagogenmelodien vorgetragen. Ist schon der Ursprung der „Judenschul" bisher unbekannt gewesen (der „Amfiparnaso" ist soeben von Robert Eitner als Publikation der Gesellschaft für Musikforschung, Leipzig, Breitkopf L Härtel, 1902 herausgegeben worden), so dürste eS noch mehr überraschen, zu hören, daß es auch — eine „Christenschul" in Gestalt eines Kirchenliedes von Schedlich giebt, anfangend: „Gehet in die Christenschul" (Nürnberger Gesangbuch vom Jahre 1676). s" Lodreben Hs 12 Inletten LUr. 1.—. O^inosol o. n. k». In äen ^.potüeken nnä Drogerien. Lnr vor, eiten 668 Körxx 13, 6er Haut, 6er Harrre, -rur küeAS nn6 Ns>in!k5"n^ l1s>8 A1un6oi> un6 6er Trilnie, tnr ^Vuntlen, k?exen Ublo OorUede, rnr I^uttroiniguo^. Lein Orskeiimniltel, uonäsrn ein eIi6mi86Ü68 krväukt, geruoklos, ungiftig. 0S8 mritzüMk ttMmillkl M KkMMWlkLS, rirrtlieü 8eit Indien dewMirt. für slls Lweeks verwsnäbsrsZ /Wti86ptioum unc> vesinfelctionsmitte!. 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