Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 42 (7.4.1838)
- Date
- 1838-04-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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«. Zchrg-mg. Allgemeine No. 42. Zeitung des Zudenthums. Ei u unpartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (Mit Köuigl. Sächsischer allergnä'digsier Concesiiorr.) Leipzig,, den 7. April 1838. Zeitungsnachrichten. Frankfurt a. d.O., 19. Marz. (Privatmitth.). Herr Rabb. Hotdheim hat die Anfrage des posener Vorstandes einstweilen zurückgewiesen, und wird sie dann beantworten, wenn sie von Seiten der königl. Regierung wird an ihn gestellt werden, weil sein Bescheid' nur dann von Einwirkung sein kann. — Uebrigens wollen. Viele behaupten, daß es nichts weniger als eine Principienfrage ist, welche den Vorstand leitet, sondern daß der Streit aus nur persönlichen Beziehungen geführt wird. Das könne man daraus ersehen, daß der Vorstand den santomischeler Rabbinen, einen achtungswerthen Talmudisten, aber völligen Obscuranten, in Vorschlag gebracht. — Eigen ist es, daß auch der oldenburger Rabbine Hirsch eine kleine Parthei für sich hat. — Bei allem dem gibt man die Hoffnung auf, hieraus etwas Bedeutendes entspringen zu sehe^n, und blickt lieber auf die andern Städte des Großherzogthums, wo ein befferer Geist herrscht. Breslau, 24. Marz. Unter den 24,000 Juden, die sich in Schlesien dermalen im Durchschnitte befinden, sind '4367 schulpflichtige Kinder, von denen 2654 christliche Schulen besuchen. (Allg. K. Z.) Paris, 18. März (Privatmitth.). Aus den öffentlichen Blattern wird Ihnen die Ankunft des Israeliten Ben- Durand, Dolmetschers des Abgesandten Abd> et -'Kaders, Ben-Arasch, bekannt sein. Einen glanzendem Beweis seiner Rechtlichkeit und erprobten Aufführung gegen die Klatschereien französischer Blatter konnte die französische Regierung so wie Abd-el-Kader dem Manne nicht geben. Das Aeußere des Ben-Durand ist sehr imponirend. Er ist von hoher Statur, und sehr stark, mit einem äußerst markirten Gesichte unter einer hohen Stirn, die schon sehr gefurcht ist. Er liebt eine glanzende Erscheinung und trägt das afrikanisch-jüdische Kostüm in reicher Ausstattung. Noch ist er in Toulon, man erwartet ihn in Paris mit vieler Neugierde. Rom, 6. Marz. Vor dem päpstlichen Stuhle schwebte seit langer Zeit eine Verhandlung der hiesigen Juden. Das rohe Mittelalter, dessen Barbarei jetzt Viele vergebens übertünchen, und für Gemüthlichkeit und Innerlichkeit ausgeben wollen, hatte es zur Gewohnheit gemacht, bei Gelegenheit verschiedener Spiele und Lustbarkeiten die Juden in Rom als Werkzeuge des niedrigsten Hohnes zu gebrauchen, wovon man ihnen denBeinamen Soniaii oder Lastthiere gah, eine Bezeichnung, die freilich bei den unsäglichen Lasten, die sie zu tragen hatten, ihnen vollkommen gebührte. Im Jahre 1668 .wandten sich die römischen Juden an Clemens IX., daß er diese Mißhandlungen in einen Geldtribut verwandeln möchte, der denn auch jährlich 851 Skudi 57 Baj. feststellte. Bis zum Jahre 1787 wurde diese Abgabe pünktlich bezahlt. Da kamen die Juden bei Pius VI. ein, sie bei den gänzlich veränderten Zeitumstanden dieser drückenden Abgabe zu entheben. Derselbe ordnete eine Congregation deshalb an, die bei langsamen Verhandlungen nichts entschied, bis Pius VII. mehr als 16,000. Skudi rückständiger Zahlung erließ, jedoch die weitere Zahlung der Abgabe bestimmte. Die Aufhebung der weltlichen Macht des Papstes (1809). hob diese Verhältnisse ebenfalls auf, jedoch mit der Rückkehr derselben stellte sich auch dies wieder ein. Unter dem 27. Juni vor. Jahres hat nunmehr der regierende Papst alle Rückstände gänzlich erlassen, jedoch die weitere Zahlung von 851 Skudi 57 Baj. jährlich für alle Zeit festgestellt. (Nach der Allg. Leipz. Zeit.). Tarnopol, 16. März (Privatmitth.). Seit dem daß an der Spitze des Rabbinenamtes eine so bedeutende literarische Persönlichkeit, wie Rapoport ist, bei uns hingestellt wurde, haben sich die sonst isolirten und zersprengten jüdischen Gelehrten in der hiesigen Gemeinde zu einem Gelehrtenkreise um ihn gesammelt, und da fast die meisten Glieder in der jüdischen Literatur elfte Bedeutung haben, so laßt sich durch gegenseitige Anregung natürlich Manches erwarten und erhoffen für die Bildung der galizischen Gemeinden. Zu diesem mit Rapoport befreundeten, ihn stets durch Wort und That unterstützenden Kreise gehören: Samuel Goldenberg, der auch in Ihrer Zeitung belobend erwähnte Herausgeber des Jahrbuches Kerem Chemed, Isaak Monies, der neueste und naivste hebräische Parabeldichter, der Ordens-Ritter Josef Perl, Direktor der hiesigen israelitischen Hauptschule, und Verfasser des anonym erschienenen hebräischen Werkes Megale Themirin, oder Enthüllung der Umtriebe der Chasidim, Mose Chajim Kaz, Lehrer an der genannten Schule, Herr Hu rwitz, Arzt, der bereits schöne Proben in dem Jahrbuche Zefira von Letteris geliefert, und noch viele andre in der hebräischen Literarur sich auszeichnende Individuen. Bei dieser Unterstützung der Gebildetsten wird es daher Herrn Rapoport nicht so schwer sein, manche Mißbrauche zu entfernen, wie es Ihr früherer Correspondent zu glauben scheint. Bei Gelegenheit dieser Mittheilung ersuche ich Sie ergebenst, noch folgende Aufhellung einiger Abkürzungen im Kerem Chemed, welche der Schreiber der trefflichen, hier mit Begei-