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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-05-02 · Heft 18 (2.5.1902) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 18 (2.5.1902)
Date
1902-05-02
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Theil erheblichen Summen geschieht, so Hai er das Recht, auch andererseits die Erwartung auszusprechen, das; es jedes Gemeindemitglied als Ehrenpflicht ansieht, Mitglied des Vereins zu sein. Auch der unter Verwaltung des Vorstandes stehende Feriensond für arme Schulkinder ist nahezu aufgezehrt. Der Rechnungsabschluß ergiebt für 1901 Mark 12 305.69 an Einnahmen und Mark 11306.48 an Ausgaben. Das Vereinsvermögen beträgt Mark 27 999.21. Der Vorstand besteht aus den Herren: Moritz Heimerdinger, Vorsitzender; Moritz Elsberg, Kassirer; Bernhard Baer. Mayer Bann;, Seligm. Blumenthal. Saly Hamburger. Simon Heß, Abraham Marxheimer, M. D. Strauß. Benedikt Straus, Schriftführer. Oesterreich - Ungarn. LH Wien. 28. April. Nachdem sich erst jüngst die Gerüchte von einem kunstvoll inszenirten Ritualmord im IX. Bezirke als ein lächerlicher Schwindel entpuppt haben, sollten die diversen Anstifter — so dürfte man meinen—doch genug daran haben, aber dem ist nicht so. Neuerdings haben zur Abwechselung Alldeutsche eine ähnliche Geschichte znm Gegenstand einer Interpellation in; Neichsrat he gemacht — und auch diese hat dasselbe klägliche Ende gefunden wie alle, die sie bisher hatten und noch haben werden, so lange nämlich Dummheit und Niedertracht Blutlügen zu ihren Mitteln wählen werden! Die Magd, um die es sich diesmal handelt, war bei dem Kaufmann Adler in Jägerndors bedienstet und ihre Erzählungen stellen sich selbstverständlich als verlogenes, konfuses und jeder Grundlage entbehrendes Geschwätz dar. — Auch die Affäre in der Pramergasse hat noch ein Nachspiel: der Dienstgeber der beiden lügnerischen Mägde, Herr Leopold Kraus, der gegen Diese und gegen die eventuellen Urheber der verleumderischen Gerüchte klagbar austreten wird, wünschte Einsicht in die beim Gericht erliegenden Akten zu nehmen, was ihm jedoch verweigert wurde, und was er durch eine Beschwerde an das Oberlandesgericht nun doch zu erlangen sucht. — Der Gastwirth Mathias Walnstorfer in der Lerchenfelderstraße begrüßte einen Gast mit dem Zurufe: „Hilsner-Jud!" und wurde deshalb zu einer Geldstrafe verurtheilt; jedenfalls ein recht empfehlenswerther Wirth. — Im hohen Alter von 81 Jahren ist hier der gewesene Rabbiner David Löwy gestorben; der Verblichene hat 25 Jahre als Prediger und Religiouslehrer in der verdienstvollsten Weise gewirkt, bethätigte sich auch als tüchtiger Schriftsteller, wie er denn bis an sein Lebensende in der Redaktion der „Neuzeit" geistig thätig war. David Löwy war der Vater des Chefredakteurs Dr. Julius Löwy vom „Jllustrirten Wiener Extrablatt". Eine große Zahl von Freunden und eine angesehene Familie betrauert den Heimgang des vortrefflichen Mannes. Ehre feinem Andenken! Usn Nah und Fern. ----- Nach der neuen Garnisonsvorschrift sollen Soldaten jüdischen Glaubens an den jüdischen Feiertagen möglichst vom Dienst befreit bleiben. — Professor Adolf Bagiusky, Direktor des Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinderkrankenhauses in Berlin, ist von der Medizinischen Gesellschaft zu Athen zum Ehrenmitgliede ernannt. —. Der Fleischermeister Adols Lewy hat den Verleger der „Staatsbürgerzeitnng", Wilhelm Bruhn, wegen seines im Herst v. I. in einer Volksversammlung gehaltenen Vortrags „Könitz und Gumbinnen" auf Ehrenbeleidigung verklagt. Am 21. d. M. stand Termin in der Sache an. der aber vertagt werden mußte, da seitens des klägerischen Anwalts die Vorladung einiger neuen Zeugen beantragt wurde. — Gegen den Grafen Pü ck l er-Klein-Tschirne steht am 31. Mai vordem Landgericht I Berlin Termin wegen Beleidigung des Richterstandes an. Es handelt sich hierbei um einen Vortrag in einer nach den Konkordiasälen, Andreasstraße, einberufeneu Versammlung, die wegen der Angriffe des Grafen gegen Behörden und Richter aufgelöst wurde. Er ist bekanntlich krankheitshalber nach der Schweiz gereist und wurde bereits in Glogau mehrfach schmerzlich vermißt. Hoffentlich ist er bis zum 31. Mai „wiederhergestellt". — Herr Hans Bering er, bayerischer Telegrapheninspektor a. D.. der Gründer und Geschästsleiter des Berliner Thierschutzvereins, ist im 75. Lebensjahre gestorben. Er war der grimmigste Agitator gegen die rituelle Schächtmethode. — Als antisemitische Sommerfrische wird in der „Antisemitischen Korrespondenz" der Ort Braun läge im Harz bezeichnet. — In Gießen hat das Schöffengericht am 25. d. M. oen antisemitischen Redakteur Th. Reuter wegen Beleidigung des Kaufmanns Berlin zu vier Woche»; Gefängniß vernrtheilt. — In Frankfurt a. M. ist am 25. d. M. der Chef des bekannten Bankhauses L. Speyer-Missen, Herr Georg Speyer, im Alter von 68 Jahren gestorben. Der Heimgegangene war ein sehr wohlthätiger und an. gesehener Mann. Eine Millioneustiftung für wissenschaftliche Zwecle sichert seinem Namen dauernde Erinnerung. — Hoflieferant I. Fro m ni in Frankfurt a. M. wurde von der französischen Regierung zum Kommandeur des Ordens Nörite agrieole, der bisher einem Deutschen noch nie verliehen wurde, ernannt. — Die Nachricht, daß an Stelle des verstorbenen Dr. Lieber die eigentliche Leitung des Centrums der Abgeordnete Bachem übernehmen werde, trifft, wie »»ach der „Nationalliberalen Korrespondenz" in Parlamentarischen Kreisen verlautet, nicht zu; es werden die Abgeordneten Spahn, Schmitz-Düsseldorf um Freiherr v. Hertling genannt, die sich in die Führung des Centrunm theilen sollen. Von diesen drei Abgeordneten theilen der Erste um der Letztgenannte die Ansichten Dr. Liebers über den Antisemitisuutt. — In Münster ist am 20. d. M. der Vorsteher der Gemeinix, I. Steinberg, einer der angesehensten und besten Männer, iin 76. Lebensjahre gestorben. Ehre seinem Andenken! — Nach längeren Verhandlungen der israelitischen Gemeinde Friedberg mit dem hessischen Ministerium soll nunmehr, nachdem auch die Gesellschaf! zur Erforschung jüdischer Alterthümer in Frankfurt a. M. einen größeren Beitrag zu der» Kosten der Wiederherstellung des Judenbade zeichnete, mit der Renovation dieses hochinteressanten Baudenkmal begonnen werden. Diese wird unter Aufsicht des großherzoglichen Kreisamts nach den Plänen des Architekten H. Kratz hier ausgeführ und geleitet. — Anläßlich des Regierungsjubiläums des Großherzog von Baden haben die Mitglieder des Oberrathes der Israeliten und sämmtliche Bezirksrabbiner die neugestistete Jubiläumsmedaille er halten. Ferner wurde Professor Ludwig Levy in Karlsruhe zum Baurath, der Arzt Jacob Kl» sel in Bruchsal zum Medizinalrach ernannt. Auszeichnungen erhielten: das Ritterkreuz I. Klasse mi Eichenlaub vom Zähringer Löwen: Hofrath Professor Rosin in Freiburg, Geheimer Regierungsrath Dr. Mayer in Karlsruhe: das Ritterkreuz I. Klasse.: Professor Dr. Lefmann in Heide! berg, Nabbiller Pikard in Nandegg, Bezirksrabbiner Schlessinger in Breiten, die Rechtsanwälte Gesismar um Dr. Hachenburg, Mediziualrath Lind mann, SLadtrach Hirschhorn in Mannheim; das Ritterkreuz II. Klasse: Bankdirektor G. Ladeubnrg und Hohenems er und die Kau' leute Darmstädter, Feist. Leoni und Kahn in Manu heim. Bankier Strauß in Karlsruhe; das Ritterkreuz vom Orden Bertholds I.: Kommerzienrath V. Lenel in Mannheim: das Verdienstkreuz vom Zähringer Löwen: die Bezirksältester Epstein in Eichstätten, Rothschild in Konstanz und de Sekretär Driesen in Karlsruhe; die kleine goldene Verdient- Medaille: die Kantoren Schuster in Mannheim, Eichstetter iu Eppingen, Sommer in Freiburg und der Kultusbeamt May er in M a u nheim; die silberne Verdienstmedaille der Synagogeu diener Hirsch in Karlsruhe. — Der Londoner „Daily Expreß" telm graphirt ihr Bukarester Korrespondent, daß etwa 1000 junge jüdisch Handwerker sich vereinigt haben, um gemeinsam nach China auszuwam dern. — Seit mehreren Wochen weilt EmileZola inIerusalem. C heißt, daß Zola Material für einen Roman sammelt, in dem er die im heiligen Lande gewonnenen Eindrücke niederlegen null. — Das Deukuu l des Baron Hirsch, das zu Ehren dieses großen Philanthrop? in dem Centralpark von New York vor Kurzem erricht?: worden ist, hat nachstehende Inschrift erhalten: „Was man am immer sagen und thun mag. das Gesetz der Brüderlichkeit und der alt gemeinen Menschenliebe wird stets die erste und unabweisbare Bediugun im Leben der Völker bleiben." Der Verfasser dieser Inschrift ist kein Geringerer als der jetzt regierende Präsident Noosevelt. — Die jüdisch Einwanderung über Philadelphia betrug im letzten Quartal 1901 um 857 Seeleil, davon 436 männlich und 421 weiblich. Bonden jüdischer Einwanderern kamen 647 aus Rußland, 91 aus Galizien, 90 au Rumänien, 19 aus Ungarn. 5 aus England, 4 ans Deutschland, um ein Kind war auf hoher See geboren. 189 gelernte Handwerker waren unter den Einwanderern, von denen 604 in Philadelphia blieben während 253 weiter reisten, um sich auf 33 verschiedene Städte de Ullion zu vertheilen. Druck und Verlag von Rudolf Mosfe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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