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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-05-02 · Heft 18 (2.5.1902) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 18 (2.5.1902)
Date
1902-05-02
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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städtische Verwaltung den treuesten, selbstlosesten Berathcr und Mitarbeiter durch den Tod verloren. In einem arbeitsreichen und mühevollen, aber auch gesegneten Leben hat unser langjähriger Stadtverordnetenvorsteher alle jene Bürgertugenden gezeigt und bethätigt, die ihn zu einer führenden Stellung im öffentlichen Leben berufen machten. Schmerzerfüllt stehen wir an der Bahre dieses edlen Mannes, der durch reine Güte des Herzens, durch Makellosigkeit der Gesinnung und des Wandels wie durch opferwilliges Wirken für das Wohl Anderer uns Allen ein Vorbild gewesen ist und immerdar bleiben soll!" In gleichem Geiste sind die Nachrufe des Oberlandesgerichts, der Oberstaatsanwaltschast, der Rechtsanwälte u. a. m. Auch der Vorstand des Brüdervereins. dem Orgler viele Jahre angehörte, und die Direktion der israelitischen Waisenknabenanstalt widmen ihm warme Nachrufe. Er war einer jener Männer, die dem Iudenthum zur Ehre gereichen. Sein Andenken sei gesegnet! Schneidemühl. 80. April. Der hiesige jüdische Frauenverein veranstaltete eine Wohlthätigkeitsvorstellung. deren vortreff, liches Programm die ans allen Ständen sehr zahlreich erschienenen Festtheilnehmer aufs Höchste befriedigte. Das Fest, welches den Erwartungen der Theilnehmer im vollsten Umfange entsprach, hielt dieselben in froher Stimmung bis zum frühen Morgen beisammen. Gerade solche Feste tragen zum Theil dazu bei. die bei uns Juden ganz besonders zum Vorschein tretenden Gegensätze zwischen „Hoch" und „Niedrig" auszugleichen, und wäre es zu wünschen, wenn derartige Feste, welche die Familien aller Stände, wenn auch für kurze Zeit, näher bringen, des öfteren veranstaltet werden würden. Das Fest erzielte einen ansehnlichen Reingewinn, und ist dieser finanzielle Erfolg wie auch das mustergiltige Arrangement des Festes der rührigen Thätigkeit der Komiteedamen, der Frau Bankier Berliner. Frau Falb, Frau Baumann und Frau Apotheker Seligsohn zu verdanken. — Aus dem Jahresbericht 1901 des Frauenvereins wollen wir noch erwähnen, daß sich die Einnahmen während des Jahres auf 842.60 Mark, die Ausgaben auf 679.20 Mark beliefen, mithin war am 1. Januar 1902 ein Bestand von 103.37 Mark. Der eiserne Fonds betrug 5750 Mark. An laufenden Unterstützungen wurden 297 Mark und an einmaligen Unterstützungen 318 Mark vertheilt. — Dem Vereine gehören augenblicklich 96 Mitglieder an f. Kempen, 25. April. Nach längerem schweren Leiden verschied am 25. d. M. hier der frühere Rendant und Sekretär der jüdischen Gemeinde, Herr Salomon Warschauer, im Alter von 80 Jahren. Der Verblichene war in hiesiger Gemeinde nahezu 50 Jahre thätig und hat sein Amt mit der seltensten Pflichttreue und Aufopferung verwaltet. Der unermüdliche Fleiß sowie die hervorragende Thatkraft des Verblichenen verdienen ganz besonders hervorgehobeu zu werden. Geachtet und hochgeschätzt von Jedermann, mußte der Verblichene im Jahre 1898 sein Amt des vorgerückten Alters wegen niederlegen. Der Heimgang dieses edlen, biederen Mannes, der sich auch auf dem Gebiete werkthätiger Menschenliebe stets hervorragend bewährt hat, wird allgemein aufrichtig bedauert. Das Andenken des Verblichenen wird stets in Ehren gehalten werden. — Breslau, 27. April. Hier ist am 20. d. M. der bekannte Zahnarzt Professor Dr. Julius Bruck nach schweren Leiden gestorben. In Fachkreisen hat der Verstorbene durch sein wissenschaftliches Wirken eineil sehr angesehenen Namen sich erworben. Die Beerdigung fand am 23. d. M. statt. Freunde und Bekannte, frühere Schüler des Verstorbenen und Kollegen von nah und fern hatten sich so zahlreich eingefunden, um dem Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen, daß die Räume der Wohnung die zahlreichen Trauernden kaum zu fassen vermochten. 11. A. bemerkten wir den Rektor der Universität, Professor Dr. Hillebrandt, den Dekan der medizinischen Fakultät, Professor Dr. Hürthle, die Geheimen Medizinalräthe Prof. Dr. Küstner und Uhthoss, den Stadtverordnetenvorsteher, Geheimen Justizrath Dr. Freund. Nach dem vom Synagogenchor vorgetragenen Liede: „Es gleicht das Menschenleben der Blume ans dem Felde", hielt Herr- Rabbiner Dr. Guttmann eine tiefempfundene Trauerrede. Ausgehend von dem Worte Jesaias: „Bestelle dein Haus; denn du wirst sterben müssen", wies der Redner nach, wie der Verstorbene diese Worte stets im Gedächtuiß gehabt habe. Als Mann der Wissenschaft habe er^sich über seine Vaterstadt hinaus einen Namen gemacht, und während! ines 30 jährigen Wirkens in Breslau habe er sich durch seine edle, vornehme Gesinnung viele Freunde erworben. Nach dieser kurzen Feier wurde die Leiche unter zahlreicher Begleitung nach dem israelitischen Friedhose überführt, wo sie mit dem Gesang des Liedes: „Hier unten ist Friede n. s. w." in dem Erbbegräbnis; der Familie beigesetzt wurde. Hannover, 24. April. Für das jüdische Schul- und S h nag oge nwes en in der Provinz Hannover sind in den Haushaltsplan des Provinzialverbandes für das Jahr 1902 wie in den Vorjahren zur Vertheilung durch den Provinzialausschuß 16 500 Mark eingestellt worden. Im voranfgegangenen Rechnungsjahre wurden die Beihilfen für die bezeichueten Zwecke wie folgt vertheilt: 1. Beihilfe für die jüdische Lehrerbildungsanstalt in Hannover 7500 Mark; 2. Beihilfe für einzelne Schulen und Shnagogengemeinden: n) im Regierungsbezirk Hannover 1800 Mark (Kreis Dipholz 450 Mark, Hameln 500 Mark, Hoha 100 Mark, Linden 100 Mark, Neustadt 60 Mark, Springe 200 Mark. Sulingen 150 Mark, Syke 240 Mark); b) im Regierungsbezirk Hildesheim 990 Mark (Landkreis Göttingen 100 Mark. Kreis Gronau 300 Mark, Landkreis Hildesheim 50 Mark, Kreis Münden 300 Mark und Kreis Osterode 240 Mark); e) im Regierungsbezirk Lüneburg 200 Mark (Kreise Bnrgdorf und Winsen a. d. L. je 100 Mark): ä) im Regierungsbezirk Stade 350 Mark (Kreis Achim 250 Mark, Blumenthal 50 Mark und Osterholz 50 Mark); e) im Regierungsbezirk Osnabrück 2120 Mark (Kreis Achendorf 250 Mark, Grafschaft Bentheim 925 Mark. Bersenbrück 150 Mark, Hümmling 175 Mark, Lingen 275 Mark und Meppen 375 Mark); t') im Regierungsbezirk Anrich 1620 Mark (Stadtkreis Emden 200 Mark, Kreis Leer 330 Mark, Norden 100 Mark, Weener 250 Mark, Wittmund 400 Mark). U. Hambitrg, 21. April. Die Amtseinführung des neu erwählten Predigers Dr. Paul Rieger ans Potsdam fand in feierlicher Weise am Freitag Abend im Tempel der Gemeinde statt. Im festlich erleuchteten Gotteshause hatten sich außer den Mitgliedern des Gemeindevorstandes, des Repräsentantenkollegiums und anderer Institutionen eine große Anzahl Andächtiger eingefunden. Unter den Klängen der Orgel wurde der neue Prediger von den Vorstehern zu seinem Platze geführt. Der Präses des Tempelverbandes, Herr Gemeindevorsteher Jos. Schönfeld, sprach in seiner Begrüßungsrede den Wunsch aus, daß es dem jungen Seelsorger gelingen möge, gleich wie in seinem früheren Wirkungskreise auch hier in Hamburg zum Segen seiner Gemeinde zu wirken und zu schaffen; Liebe und Achtung, welche sein Vorgänger in so reichem Maße besaß, werde auch ihm entgegengebracht werden. Mit tief bewegten Worten erwiederte Herr Dr. Rieger, daß er sich sowohl der Ehre als auch der schwierigen Aufgabe bewußt sei, an die Hamburger Tempelgemeinde zum Prediger berufen worden zu sein, all der Stätte, wo im vorigen Jahrhundert die berühmten Meister der Rhetorik die verewigten Prediger Dr. Kley und Dr. Salomon, das Gotteswort von der Kanzel gelehrt haben; er müsse an die Nachsicht der Gemeinde appelliren, daß es ihm gelingen möge, in die Fußtapfen seines bewährten Vorgängers zu treten. Hierauf begrüßte Herr Dr. Leimdörfer mit innigen zu Herzen gehenden Worten den neuen Amtsbrnder. Der Chor und die Gemeinde stimmte hierauf den Psalm 150 „Hallelnjah" an, womit die einfache, würdevolle Feier beendigt war. Bei dem am Sabbath sich anschließenden Festgottesdienst hielt Herr Dr. P. Rieger seine Antrittspredigt. Das Gotteshaus war in allen seinen Räumen bis ans den letzten Platz gefüllt. Der Gemeinde wurde die Ehre zu Theil, daß als Vertreter des Senats Herr Senator Kahler dem Gottesdienste beiwohnte, der Senator wurde vom Vorsitzenden der Gemeinde am Eingänge empfangen und zum Ehrenplätze geführt. Herr Dr. Rieger hatte sich zu seiner Antrittspredigt die Worte aus Deuteronomium 33, 4: „Das Gesetz hat uns Moscheh geboten, vererbt an die Gemeinde Jakobs" gewählt. In etwa einstündiger Rede entwickelte er die Pflichten eines Seelsorgers gegenüber der Gemeinde, besonders betonend, daß auch der Prediger dazu berufen sei. nicht stets auf den starren Buchstabenglauben hinznweisen, sondern auch die Fackel der Aufklärung in immer weitere Kreise leuchten zu lassen. Mit einem Gebet für Kaiser und Reich, für die Wohlfahrt des Senats, der Behörden und der Bürgerschaft unserer Stadt schloß die Rede, welche bei der Gemeinde einen nachhaltigen Eindruck hinterlieb. IN. Hamburg, 24. April. Wie in der Mehrzahl der jüdischen Großgemeinden unseres Vaterlandes, so hat sich jetzt auch hier ein Lokalkomitee des Hilfsvereins der deutschen Juden konstituirt, an dessen Spitze die angesehensten Männer unserer Gemeinde stehen. Das Lokalkomitee wendet sich heute mit einen» warmen Appell an

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