Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 17 (25.4.1902)
- Date
- 1902-04-25
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
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MiscrNen. — Es ist ohne Zweifel von Interesse, daß Kaiser Friedrich chon 1867 auf Laster aufmerksam geworden war; es geht das aus inem am 1. August 1867 ans Misdroy an Bismarck geschriebenen Briese hervor <243. im II. Bande des Anhangs zu den „Gedanken und Erinnerungen" des Fürsten Otto von Bismarck (S. 411 ff.). Dort heißt es: „Im Innern des Landes wächst die Unzufriedenheit lber die Maßregeln Ihrer Kollegen, Eulenburg und Lippe, wozu namentlich die Verfolgung von Leuten wie Twesten und Laster beträgt. Was jenen Beiden während der Reichstagssitzungen zu verrücken ist, wissen Sie ebenso genau wie ich und kann ich nicht erstehen, was es uns nützen soll, derartige Personen zu maßregeln nd zu verletzen." — Aas 1; Schlesische Dragonerregiment Nr. 4 läßt eine Geschichte es Regiments schreiben und sammelt zu diesem Zweck auch denkwürdige Erlebnisse der noch lebenden Veteranen dieses Truppentheils. 2er in Berlin wohnende frühere Regimentsangehörige Herr Ad ol f Raphael, Prenzlauerstraße 51, hat einem Offizier des gekannten Regiments, welcher an dem Geschichtswerk mitarbeitet, olgendes Abenteuer aus dem Jahre 1866 berichtet: „Ich machte die schlachten von Nachod, Skalitz, Schweinschädel und Königgrätz mit. fit einem Patrouillenritt kommandirt, gerieth ich mit einem iameraden auf das Schlachtfeld in der Nähe von Zwittan. Wir unen zwischen die Artillerielinien, unsere Pferde scheuten und lötzlich brach ich durch den Boden durch und fiel in einen Abgrund, wie sich später heransstellte, eineil verdeckten Brunnen. Ich war agelang besinnungslos und als ich auswachte, befand, ich mich in inem Lazäreth, aus welchem man zu meinem Entsetzen in einem fort 2odte hinausschleppte. Ich sprang auf, schnallte meinen Säbel um nid verließ, obgleich ich kaum fähig war zu gehen, heimlich diesen chrecklichen Ort, um mein Regiment wieder aufzusuchen, was mir ach einigen Tagen gelang. — In des berühmten Klinikers Professor Kuß mauls Jugenderin n erungeu eines alten Arztes" findet sich in urer Reihe gehaltvoller Sprüche und Ausführungen nachstehende nteressante Bemerkung : „Mit Wehmuth gedenk' ich der schönen Tage, wo noch die milde Luft kirchlicher Duldsamkeit in der badischen Heimath wehte, und die Gebote der Bergpredigt höher standen als die Dogmen der Konfessionell. In meiner Erinnerung hebt sich der Glaubensfriede der Väter wohlthuend ab, von dem wilden Gezänk und Fanatismus der Gegenwart. Eine Union der evangelischen Bekenntnisse, wie sie damals in Baden und Preußen durchgeführt wurde, wäre heute nicht ausführbar. Centrum und Antisemiten waren damals noch unbekannte politische Parteien, an den beiden Hochschulen wurde noch kein Jude grundsätzlich von den Studentenverbindungen ausgeschlossen, scholl der Gedanke konfessioneller, evangelischer oder katholischer Verbindungen wäre dem Hohne der Gesammtheit verfallen gewesen. „Mußt Du Gram im Herzen tragen Und des Alters schwere Last, Lade Dir aus jungen Tagen Die Erinnerung zu Gast." — Aus einer jüdischen Gemeinde geht uns folgende bezeichnende Zuschrift zu: Bei uns existirt leider noch kein Litteraturverein, denn es ist bei uns Gott sei Dank noch kein offizieller Antisemitismus zu finden. Es ist indeß zu fürchten, daß der Antisemitismus bald auch bei uns seinen Einzug hält und ist demgemäß zu hoffen, daß wir auch bald einen Litteraturverein bekommen werden. — Es ist viel Wahrheit darin. Und muß erst der Antisemitismus kommen, um uns anfzuwecken? Geschäftliche Notizen. — In dem herrlich gelegenen Thüringer Stahlbade Liebeustein wird wieder ein rituelles Speisehaus errichtet, nachdem nach Eingang des ehem. Weil'schen Restaurants fast 7 Jahre Lang ein solches dort nicht bestand. Charakteristisch dabei ist, daß die Idee, das Restaurant dort wieder erstehen zu lassen, von der Kurverwaltung ausgeht, welche, nachdem durch Nichtbestehen eines isr. Restaurants der Zuzug orthodoxer Juden in Liebenstein nachlieb, dadurch denselben fördern will. Traiteur des Restaurants ist der Besitzer des jüdischen Hotelrestaurants Sander aus Coburg, welcher ans Verlangen nähere Auskunft ertheilt. L's.ris 1900vrs,i»L Singen ^iskmssoNinen sind mustergiltig in Construction und Ausführung. 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