Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1902)
- Date
- 1902-04-18
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
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wie sie selbst eiugcsteheu, sehr gut behandelt lvurdeu, Plötzlich erklären., ein kleiner Ritzer am Arme sei ihnen voll zwei Rabbinern, die Hu Gast bei ihrer Herrschaft waren, zugefügt worden, um ihnen zu rituellen Zwecken Blut abzuzapfen. Nun haben die Gäste der Familie niemals im Hause übernachtet, waren auch keine Rabbiner, sondern der Bahnarzt Dr. Neubauer aus Teplitz und ein Herr E. Weiß aus Bndweis, und die kleinen Wunden haben sich höchst wahrscheinlich die beiden lügnerischen Mägde selbst beigebracht. Die polizeilichen Erhebungen haben die vollste Grundlosigkeit der Beschuldigungen erwiesen, wonach der Akt all die Staatsanwaltschaft geleitet und die beiden Dienstboten verhaftet wurden. Was nützt das aber, wenn mall Diejenigen nicht verhaften kann, die schamlos lind frech genug sind, derartiges zu ersinnen und es zwei geistig tiesstehenden Personen zu snggeriren! — Der Lehrer Julius Neumann, ein Agitator der antisemitischen Partei, wurde wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an seiner Obhut anvertrauteu Schulkindern, zu sechsmonatlicher schwerer Kerkerhaft verurtheilt. Von Nah und Fern. Zll der Nordseefahrt, die der Kaiser nebst Gefolge aus dem Schnelldampfer „Kronprinz Wilhelm" antritt. haben, wie der „Konfektionär" erfährt, aus den Kreisen der Industrie Einladungen erhalten Geheimer Banrath Rathenan . GeheimerKommerzienrath Arnho ld und Kommerzienrath L ö w e. - Geheimer Kommerziellrath Wilhelm Hertz ist einstimmig zum Vorsitzenden der Berliner Handelskammer gewählt worden. — Die Revision des Rechtsanwalts Sonnenfeld gegen die Verurtheilnng zu einer Geldstrafe von 300 Mark wegen Beleidigung des Staatsanwalts Schweigger-Konitz ist vom Reichsgericht verworfen worden. Je an ne Golz, die bekannte Konzertsängerin, die sich in der Berliner Gesellschaft auch als Gesanglehrerill eines verdienten Rufes erfreute, ist in der vergangenen Woche im Süden, wo sie Heilung suchte, gestorben. — Am 3. d. M. ist hier der Kommerzienrath Hugo Ke mpner im 57. Lebensjahre gestorben. Der Verstorbene lHrt sich sowohl bei der Stadtverwaltung wie der Nepräsentantenversammlung in seinem früheren Wohnort Glogau in hervorragender Weise bethätigt. Arme und Bedürftige fanden bei ihm stets offene Hand. Rath und Hilfe. — Am 9. d. M. ist hier Herr Louis Philipp Maaß gestorben. Er war seit dem Jahre 1890 im Ehrendienste der Gemeinde thätig und hat als Mitglied der Veranlagungskommission gewirkt.—! In Wriezen feierte am 1. d. M. der Kantor und Lehrer Mareus! Pul Vermacher sein 25. Amtsjubiläum unter allgemeiner Theilnähme aller betheiligten Kreise. Derselbe war bereits vorher j mehrere Jahre in den Gemeinden Templin und Schönfließ i. d. Mark als Kantor und Lehrer thätig. — Aus Könitz wurde ein Einbruch in die Konitzer Synagoge gemeldet. Die Diebe zertrümmerten die Eingangsthür und hausten im Innern wie die Vandalen. Sämmtliche Schränke und Geräthschaften wurden gewaltsam erbrochen und nach Werthobjekten durchsucht. - Graf P ü ckler - Klein - Tschir n c. der sich gleich seinem Freunde Böckler englisch empfohlen hat,! aus dem Militärdienst entlassen worden. Pückler war Obkr leutnant der Landwehrkavallerie. — Der Knltusbeamte der Syu.rgogengemeinde in Pr. Holland, Kantor Alexander, hatte die Absicht, diesen Ort zu verlassen, um nach einem größeren Städtch u der Mark überzusiedeln. Um sich diesen bewährten Beamten -» sichern, hat nun die Syuagogengemeinde in ihrer letzten Sitzung beschlossen, Herrn Alexander auf Lebenszeit anzustellen, worauf Herr Alexander seinen Uebersiedelungsplan ausgegeben Hut. Zur Nachahmung empfohlen. — Dr. H. Bamberger-Jiiowrazlaw wurde einstimmig zum Rabbiner der W a n d s b eker (»- ineiiide erwählt. — Der Schriftsteller Christian Timme in Hamburg wurde seinerzeit wegen einer an den Pfarrer Krösell-Klorn, gerichteten offenen Postkarte, die nach des Adressaten Auffassung ei»- Beleidigung enthielt, vom Schöffengericht zu einer kleinen Geldstruft' verurtheit. Seitens des beleidigten Pfarrers war gegen dieses Urth» Berufung eingelegt, die derselbe nunmehr zurückzuziehen für gut befand. — In einer Bekanntmachung der „Karlsruher Zeitung" wird der Befriedigung Ausdruck gegeben, daß, nachdem Oberrath u ld Synodalausschuß einstimmig beschlossen hätten, die von der letzt?» Synode für soziale Zwecke zur Verfügung gestellten Mittel in erst.» Reihe für ein in Karlsruhe zu errichtendes Heim zur Aufnahme israelitischer Handwerkslehrliuge und angehender Techniker zu verwende», es gelungen sei, das Jnslebentreten dieses Unternehmens auf d i, bedeutsamen Zeitpunkt des Regiernngsjubiläums zu sichern. — Cannstatt ist der evangelische Pfarrer Wilhelm Presset c» starben, der mehrere Schriften über jüdische Geschichte herausgegel» und in verschiedenen Prozessen wegen Ritnalmordanklage Gutacht» abgab, in denen er den Vorwurf der Bluttheorie als heillosen Abu glauben kennzeichnete. — In London wird ein ständiges Jargon, theater errichtet. Ende dieses Monats wird es eröffnet werden un» der Leitung von N. Nackow, bekannt als Autor des vielgespielt» Jargoudramas „Dreysus und Zola". —In der Nähe von Marsch», (im Dorfe Czenstonewo, Bezirk Grajezk. das ein Grundbesitz von I » Berson ist) wird eine jüdische Elementarackerbauschule gegrün»! werden, die sich zur Aufgabe stellt, jüdischen Jünglingen elementm» Unterricht in allen Zweigen des Ackerbaues. Gemüsebaues, der Bien»- Zucht und der Milchwirthschust zu ertheilen. — Im „Wratsch", d», offiziellen Organ der russischen Aerzte, theilt Dr. Turowski i»l. daß zwei Drittel aller in Rußland Privatpraxis treibenden Aenic Juden sind. — Henry M. Bold Vogte hat im Senat des Slaa Newyork eine Resolution gegen die Behandlung amerikauisc!» Staatsbürger, die Juden sind, bei Ertheilung von Pässen zur N.ck nach Rußland eingebracht. — Alts der letzten Kunstausstellung » Bombay hat der Maler R. Samuel, einer von der Beni Jsr»l, den ersten Preis erhalten. Ätz 2um klOD'^bstre empfehlen wirunsere NOQ LUS äsu MÄLsoken Qolouien ^LläsbinL's. Ceti. .^uttl»»e nehmen sowohl wie rrls mich <lie lleicen: 0. Kauer, Frankfurt a. IV!. /l. kwnbaum, ssürth i. 8. lVl. koutrkus, Königsberg i. Pr., Kaiserstr. 46. l>. piseber, /lltona, Kibbelstr. 58. Ipl. Kolcimann, Kattowitr 0.-8. 8. Koslar, l-übeek. /l. IVUlnäboim, Hannover. pessel, ^rmsleben a. 8. Kust. 8obu!r, IVlemel. 8. 8tern, Oöln a. 8b., kubsnstr. 20 /.ui promptesten ^ustnhiunZ entzerr. ' Wir bitten genau clarauk ru aebten, ciass clie u. Lorlrdranä unsere Urina tragt. 2's/.. 18L7S. NNNIiUk 0., 8t. Woltzs.n^stl'. Lolcs ükiüxsUsiststl'. W.- I 8L7S. Warnung für Ligarellenraueder! Es existiren vollständig werthlose Nachahmungen unserer „Malern ^leilrum"- Cigavellen. Die ordinäre Qualität dieser Falsifikate ist geeignet, unsere Erzeugnisse zu diskreditiren. Wir bitten daher dringend, denn Einkauf darauf zu achten, daß auf jed.r Cigarette der Name „Salem Aleikmrr" und die volle Firma steht: Orien1attsche Tabak- und Cigarrltenfabrik „Uenidze", Dresden. FlLILLS Blääolrva finden Pension nebst sorgfältigiter körperlicher Verpflegung, ständM rationeller Beaufsichtigung und Uw erftützung der geistigen Ausbildung bei geprüfter Lehrerin (Jüdin). Referenzen stehen zu Verfügung. Persönliche Auskunft täglich 11-1 Uhr und von 3-5 Uhr bei vluLÄ» «»plrrrir, Berlin Ne e Winterfeldtstraße 37. Druck und Verlag von Rudolf Mosse irr Berlin. — Verantwortlich für die Redaktion Max Bauchwitz in Berlin.