Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1902)
- Date
- 1902-04-11
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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4 33 962 Mark, an Ausgaben 11151 Mark Das Gesammtvermögen beträgt 93 166 Mark. Der Ausschuß besteht aus den Herren: Julius Spiegelthal. Vorstand, Adolf Eßlinger, stellvertretender Vorstand, Isidor Wolf, Kassier. Sigmund S. Nördlinger, Schriftführer, Julius Reinganum-Göppingen, Kontroleur, E. Carlebach. Eugen Fellheim, Louis Hirsch, Kirchenrath Dr. Kroner, D. Schwabacher, Bezirksrabbiner Dr. Stößel, Dr. med. E. Weil, L. Dreysutz-Buchau, Ludwig Strauß- Cannstatt, N. Wachs-Heilbronn, A. Zürndorfer-Rexingen, Heinrich Lebrecht-Mm. m. Aachen, 2. April. Vor etwa einem halben Jahre hat sich in hiesiger Gemeinde der bisherige freiwillige gemischte Synagogenchor in einen Verein umgewandelt, der vor allem die Hebung de? Gottesdienstes durch Chorgesang bezweckt, und dem trotz der kurzen Zeit seines Bestandes nicht weniger als 54 aktives und 120 inaktive Mitglieder aus allen Kreisen der Gemeinde angehören. Durch Luft und Liebe der Mitglieder zum Gesänge einerseits und aus religiösem Triebe andererseits leistet der hiesige freiwillige Synagogenchor unter Leitung zweier tüchtiger Dirigenten Hervorragendes, so daß er sich wohl mit jedem anderen großstädtischen auf gleiche Stufe stellen darf. In einer — unter freundlicher Mitwirkung der Opernsängerin Fräulein Anna Hellborn vom Stadttheater in Köln — veranstalteten Purimseier legte der Verein zum ersten Male ein glänzendes Zeugniß seiner Leistungen auch aus weltlichem Gebiete ab. Das zahlreiche Publikum amüsirte sich aufs Allerbeste und spendete reichen Beifall. Erst spät um die Mitternachtsstunde konnte das muntere Purimtänzchen beginnen, das die tanzlustige Jugend bis gegen Anbruch der Morgendämmerung zusammenhielt.!. AttS dem Elsaß, 3. April. Ein bedauernswerthes Versäumniß dürfte demnächst, falls die Verhandlungen nicht scheitern, endlich gut gemachtwerden, die Gründung eines elsaß-lothringischen Rabbinerverbandes. Wie verlautet, soll im April zu diesem Zwecke eine Rabbinerversammlung einberufen werden. — Aus den Verhandlungen des Landesausschusses ging weiter hervor, daß die Verwendung der Ersparnisse aus vakanten Rabbinerstellen in genereller Weise geregelt werden soll. Bisher wurde eine vakante Stelle einem oder zwei Rabbinern übertragen, welche die Hälfte des Gehaltes bezogen. Dies gab insofern Anlaß zur Unzufriedenheit, als die Uebertragung mitunter sehr willkürlich stattfand, und andererseits einige dieser Rabbinate infolge starker Abnahme der jüdischen Bevölkerung kaum jemals wieder besetzt werden durften. Nunmehr sollen die Ersparnisse zum Theil allen Rabbinern, in erster Linie aber der Rabbiners Pensions- und Wittwenkasse zu Gute kommen. — Die gewaltige Verschiebung der jüdischen Bevölkerung seit der bestehenden Ordnung macht übrigens eine bereits öfter vorgeschlagene Neneintheilung der Rabbinate. insbesondere im Oberelsaß und in Lothringen immer mehr zu einer dringenden Nothwendigkeit, und würde die Regierung zweifellos eine solche vornehmen, wenn die Konsistorien die Initiative ergriffen und ihr geeignete Vorschläge unterbreiten würden. Oesterreich - Ungarn. Wien, 7. April. Am 25. v. M. veranstaltete die „Gesellschaft für Sammlung und Konservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" einen Vortragsabend, an welchem der bekannte Ophthalmologe Professor Dr. Hermann Cohn aus Breslau über seine Reisen sprach, die er vor drei Jahren zur Osterzeit nach Tunis und Karthago unternommen hatte. Der Verdienstvolle Präsident der Gesellschaft, Baurath Wilhelm Stiaßny, begrüßte den hervorragenden Gast und das distinguirte Publikum, das den Saal und die Galerien bis auf das letzte Plätzchen füllte. Professor Cohn, der nicht nur ein berühmter Augenarzt, sondern auch ein ungemein interessanter und gewandter Redner ist, wußte durch seine von Geist und Humor sprühenden Ausführungen das Auditorium im höchsten Grade zu fesseln. — Urkomisch ist der Beschluß des hiesigen Stadt rathes, einen städtischen Beamten, d. h. einen Luegerianer ländere giebt es ja fast nicht mehr aus städtischen Posten) wegen Unterschlagung von städtischen Geldern zu entlassen — nachdem derselbe schon längst flüchtig geworden ist. — Demnächst soll sich das Landgericht wieder mit der Ehrenbeleidigungsklage zu befassen haben, die Bielolawek und die „Ostdeutsche Rundschau" wegen unterschiedlicher Beschimpfungen, wie „Preßköter" und ähnlichen, gegeneinander auszufechten haben; die Kampfszenen der Schönerianer und Luegeriarm haben viel zu wenig allgemeines Interesse, als daß man sich auch nur vorübergehend damit beschäftigen möchte, mögen sie sich doch*gegenseitig bekriegen, was thuts? — Der Vorstand hat nunmehr beschlossen, zwei Prediger anzustellen. Vedei emo! — In voller geistigerem^ körperlicher Frische beging am 29. v. M. der Altmeister der klassischen Philologen in Oesterreich, Hofrath Professor Dr. Th eo d or G o mpe rz, seinen 70. Geburtstag. Der Gelehrte, welcher bekanntlich noch vvr Erreichung der Altersgrenze von seinem Lehramte zurückgetreten ist, war an diesem Tage der Gegenstand vielfacher Ehrungen, sowohl seitens seiner Schüler als auch der Akademie der Wissenschaften, deren Mitglied der Forscher ist. Don Nah und Fern. — Am 28. v. M. starb im Alter von 40 Jahren der Gymnasia!- oberlehrer der VI. Realschule Henri Loewinski nach schweren Leiden. Derselbe hat auch längere Zeit an der 3. Gemeinderelrgionsschule unterrichtet. Seine Kollegen rühmen ihm „reiches Wissen und Können, treue, gewissenhafte Mitarbeit an dem gemeinsamen Werke, vor allem aber liebenswürdiges, stets hilfsbereites Wesen nach, das ihm ein dauerndes Andenken bei Lehrern und Schülern sichern werde." - In Friedrichsberg bei Berlin fand am 27. v. M. die öffeniliche Prüfung in der Religionsschule statt, die von mehr als 30 Kindern besucht wird. Die Prüfung ergab, daß die Kinder unter Leitung des Religionslehrers Herrn Spier ein durchaus befriedigendes Wissen sich zu eigen gemacht hatten. — Dr. R. Kelter aus Breslau ist zum Rabbiner der jüdischen Gemeinde Potsdam gewählt worden. Im Alter von 43 Jahren ist am 22. v. M. Rechtsanwalt Fabian in Guttsta dt gestorben. Derselbe hat stets sein warmes Interesse den Angelegenheiten der dortigen Gemeinde gewidmet. Vom Grafen Pückler aus Klein-Tschirne, der steckbrieflich verfolgt wird und zur Zeit „unbekannt verzogen" ist, verlautet, daß er dte Absicht habe, sich demnächst wieder in Deutschland zu zeigen und dem Gericht in Glogau zu stellen. Gegenwärtig soll er sich in Basel aufhalten.- Im Jahre 1899 traten in Preußen zur evangelischen Landeskirche über 348 Juden, davon 155 in Berlin, während aus der evangelischen Landeskirche 23 Personen, davon 11 in Berlin zum Judenthum übergingen. In Württemberg wurden in demselben Jahre 10 Juden evangelisch getauft. — Rechtsanwalt Dr. Alfred Stern in Bukarest hat den Rothen Adlerorden IV. Klasse erhalten. — In der General Versammlung des Londoner Board ok Ouardiavs vom 25. v. M. theilte der Vorsitzende Mr. Leonard L. Cohen mit, daß die Zahl der rumänischen Juden, welche die Hilfe des Board in dem Berichtsjahr in Anspruch genommen haben, nur 59 gegen 493 im Vorjahre betragen hat. — Das 50. Heft der Statistik des russischen Reiches giebt einige interessante Ziffern über die Statistik der Juden in Rußland. Es wurden im Jahre 1897 geboren: 133 Knaben gegen 100 Mädchen. Freilich sind auch die Todesfälle im ersten Jahre bei den Knaben zahlreicher als bei den Mädchen. Es starben in demselben Jahre 130 Knaben unter 1 Jahr im Vergleich zu 100 Mädchen unter 1 Jahr. Günstig war auch das Verhältniß, wenn mau die Knabengeburten bei den Juden mit denen bei den anderen Völkern vergleicht. Ein wahres Ehrenzeugniß für die russischen Juden mu; aber die Statistik der ehelichen und unehelichen Geburten für die Juden genannt werden, denn während bei den Griechisch-Orthodoxen auf 10 000 Seelen 265 uneheliche Geburten kommen, bei den Katholiken 361 und bei den Protestanten 386, sind es bei den Juden nur 54 al s 10 000 Seelen. — Die im Jahre 1900 in Kreta vorgenommene Volkszählung ergab eine Bevölkerung von 301 273 Seelen, davon waren 726 gleich 0,24 Prozent Juden. — Die „Amerikanisch-jüdisch-historisch Gesellschaft" hat die von ihr geplante jüdische Ausstellung in New York auf das Jahr 1903 verschoben. Verschiedene Ereignisse und Projekte, welche zu gleicher Zeit stattfinden sollen, haben da- Ausstellungskomitee zu dieser Verschiebung veranlaßt. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.