Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 41 (5.4.1838)
- Date
- 1838-04-05
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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n.9*«"» Allgemeine 41* Zkttvng des Zvdcnthums. Ein uupartheiischeS Organ für alles jüdische Interesse ^Mlt König!, sächsischer allergnädigster Concesiion.) Leipzig, den 5. April 1838. Zeitungsnachrichten. Prag, 13. März (Privatmitth.). Gestern fand hier im Saale zum Platteis, unter Anordnung und Leitung des könkgl. Kapellmeisters F. Skraup, zum Vortheile des hiesigen israelitischen Spitals, eine musikalische Akademie Statt. Wiewol Concert-Anzeigen nicht in diese Zeitung gehören, so dürfte doch dieser die Ausnahme nicht versagt werden, weil sie für den Juden und Judenfreund gewiß sehr interessant ist. Denn erstens bietet sie uns eine Reihe von Künstlern aus der Mitte unserer Glaubensgenossen dar, und zwar zwei berühmte Componistenj einen Dichter *), einen ausgezeichneten Clavicrspieler (Ignaz Tedesco, der von seiner Kunstreise, die er im letztverflossenen Jahre durch das nördliche Deutschland machte, manchen schönen Lorbeer in die Heimat ^urückbrachte), und unfern israrl. Sängerchor, dem es, gewohnt fromme Gemüther zur Andackl zu stimmen, diesmal gestattet wurde, zu einem frommen Zwecke außerhalb des Tempels seine Töne vernehmen zu lassen, und zugleich vor einem größer» Publikum von seiner- Tüchtigkeit in künstlerischer Hinsicht Proben abzulegen. Zweitens zeigt die Bereitwilligkeit unserer ersten Künstler und Künstlerinnen zur Mitwirkung, die Freigebigkeit, mit welcher der hohe Adel, die hochwürdige Geistlichkeit, und der verehrliche Bürgerstand sich der Subscription anschlossen, und die ausgezeichneten christlichen Gäste, worunter der Oberstburggraf H. C. Graf von Chottek, der k. k. Hofrath und Stadthauptmann Edler von Muth, der k. k. Hofrath und Kämmerer Graf v. Lützow nebst anderen Herren und Damen von hohem Adel, welche dieser Akademie beiwohnten, daß die Kluft, die uns in sozialer Beziehung angeblich von unfern christlichen Mitbrübrüdern trennen soll, nicht so groß fei. Daß also unser Charakter, unser Betragen, und Gott weiß was noch, nicht so gar arg.sei» mag, als man inDeulschland noch hie und •) Der geistig rüstige vr. Gottfried Sch melke-, der sich in früheren -Jahren durch seine in Zeitschriften und Taschenbüchern bekannt gemachten dichterischen Erzeugnisse einen guten Namen in Deutschland erworben hat, widmet noch jetzt die Zeit, die ibm sein mühevolle- Geschäft als Brunnenarzt und Director deisraelitischen HoSpitalS in Teplitz übrig läßr, den Musen, und hat erst im Jahre 1835 bei Gelegenheit der Zusammenkunft der hohen Potentaten daselbst von II. MM. dem Kaiser von Rußland und dem Könige von Preuße» t stbare Geschenke als Beweise der Anerkennung seiner Verdienste erhalten. D. Corresp. da glauben machen will.-Alle Piece» wurden ausgezeichnet executirt, Herr Capellmeister Skraup wurde am Schlüsse zur Anerkennung seiner gründlichen Sachkenntniß und uneigennützigen eifrigen Bemühungen stürmisch gerufen, und das sehr gewählte Publikum verließ mit besonderer Zufriedenheit den Concertsaal. Einen eigenthümlichen Eindruck machte der von den ersten Sängern unscrs Theaters in Verbindung mit dem Chorpcrsonale des neuen israelitischen Bethauses in hebräischer Sprache vorgetragene 29ste Psalm (componirt von Würfel) *). Mögen die vereinten Töne stets, wie bei dieser Gelegenheit, in den Herzen Aller eine kräftige Resonnanz finden, daß die Verbrüderung, mit welcher alle Menschen einen Gott preisen, sie auch im irdischen Leben vereine. Sawmtliche Künstler und Künstlerinnen, so wie Here Capellmeister Skraup und Herr Pixis, Orchesterdirector und Prof, am Musikconservatorium, übernahmen die Mitwirkung unentgeltlich. Gleich uneigennützig überließ Herr Bürgerrepräsentant Daubek den Saal, so wie der Lithograph H. C. Hennig die Lithographirung der Eintrittskarten, Hr. Gemeindevorsteher M. I. Landau den Druck der Anschlagezettel, des Programms und Prologs, und der Oclfabrikant Hr. David Fische! die glänzende Beleuchtung des Saales auf eigene Kosten besorgten. Und hierdurch sowol als durch die reichliche Subscription von Seilen der christlichen und jüdischen Bewohner war es möglich, daß die reine Einnahme die Summe von 1800 Fl. W. W. erreichte, ein Betrag, der hier sehr selten durch ein Concert erzielt werden kann. 0. Tarnopol, 24. Febr. (Privatmitth.). Vor kurzer Zeit wurde zum ersten Male in Galizien ei» Brautpaar hier auf Anordnung des Direktors der israelitischen Hauptschule, des Herrn Joseph Perl, vor der heil. Lade kopulirt, nach vorangegangmer deutscher Traupredigt. Algier, 3. März. Der heutige Novit. »Iger. enthält eine statistische Angabe, wonach in der Stadt unter 25,972 Bewohnern 7,575 Europäer, 6,065 Juden und 12,332 Mauren leben. Frankfurt a. M., 1. März. Am 24, Febr. feiert« die hiesige israelitische Männerkrankenkasse ihre erste Säku- *) Wir ersuchen hiermit Herrn. Würfel freundlichst, uns die Musik zu diesem Psalm zu übersenden, um sie in unserm Beiblatt zu geben; wir würden uns darüber gern mit ihm arrangiren. D. Red.