Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 9 (28.2.1902)
- Date
- 1902-02-28
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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66. Jahrgang. Ul. 0. Allgemeine Berlin, 28. Felnuar 1902. eitung des Zudenchums. Ern unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Rabbiner Dr Ludwig Philippson-Vonn. Verlags-Expedition: Kerlin, Lerusalemerstr. 48/49. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis: Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition inBerlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Nedacteur: Gustav Karpeles.! Alle Zusendungen für Redaktion und I Expedition sind an die Adresse: Verlag der! „Ällgem. Zeitung det' Judenthums", Berlin > Jerusalemer Straße 48/49 zn richten. 8 Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. Leitartikel: Der neunte Deutsch Israelitische Genicindetap. - - Die Woche. -- Tie Bibliothek der jüdischen Gemeinde. Bon Professor Dr. Ludrvig Ge iger — Btoses Blumenfeld. Ein Gedenkblatt. Von Rabbiner Dr. Samuel-Essen. II. - Ein Nachrnittag bei Bertbold Auerbach. Ein bninnerungsblatt an den 90. Geburtstag. Von 2. ^ev i-Stuttgart. — Vom Zickzack-Kurs" der Kulturgeschichte. -- Feuilleton: Assimilirt. Von Ts rar I. Schweriner. I. — Sprechsaal. Dev Gemein-ebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Königsberg, Ans der Provinz Posen, Stettin, Nordhausen. Hamburg, München, Ans dem Elsaß, Wien. — Bon Nah nnd Fern. — Miocellen. Der neunte Deutsch-Israelitische Gemeindetag. Berlin, 24. Februar. ^Ä^er neunte Gemeindetag, der gestern und hellte hier stattgefunden, wird unzweifelhaft eilte wichtige Etappe in der Entwickelung des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes bilden. Es sind bedeutsame Beschlüsse gefaßt, werthvalle Anregungen geboten warben. Die Allträge des Nabbillerverbandes, der Knltusbeamteu sind eingehend besprachen lind erledigt worden. Die weitere Förderung des Bundes durch die Gemeinden selbst ist als ein dringendes Bedürfnis! anerkannt, die Ausdehnung seiner Ausgaben als eilt nathwendiges Erfordernis; hingestellt worden. Bor allem aber ist das Baud, das die deutschen Juden in allen Landestheilen unter einander nnd mit der Centrale verknüpft, gefestigt und gestärkt worden, w daß ans den oft erregten, immer aber angeregten und fruchtbaren Bewachungen dem deutschen Jndenthum sicher Zegen ersprießen wird. Indem wir uns Vorbehalten, auf die einzelnen Punkte der Tagesordnung und ans die bereits gefaßten Beschlüsse noch gelegentlich znrückzukominen, geben wir in Folgendem einen übersichtlichen Bericht über den Gang der Verhandlungen: In den Räumen des hiesigen Vereinshanses fand heute unter zahleicher Betheiligung der nennte Gemeinde tag statt. Nach der argenonnnenen Prüsnng der Mandate sind 252 Gemeinden ans demlben vertreten. Die Tagesordnung setzte sich diesmal nur ans sieben Punkten zusammen, von denen noch einer, die Durchsührnng des naelitischen Religionsunterrichtes an den höhereil Lehranstalten Deutschlands, abgeseht wurde. Gleichwohl dehnten sich die Debatten, unter Abrechnung einer halbstündigen Frühstückspause, ans snven stunden aus; den Hanpttheil der Diskussion, nnd zwar über zwei stunden, nahm der zweite Punkt der Tagesordnung, welcher wohl l'.rch als der wichtigste bezeichnet werden darf, der Antrag des 'abbinerverbandes. für sich in Anspruch. Ulli 10'b Uhr wurde die - itznng durch Herrn Professor P hiliPp s o rr, de,, geschästssührendcn Parsitzenden des Genleindeblmdes. eröffnet. In herzlichen Worten bcüu'ißte er die ans allen Gauen des deutschen Vaterlandes herbeigeeilten D legirten.welche damit bekundet hätten, das; sie sich trotz der weiten Entfernungen stets dort zusammenfinden, wo es gelte, die Sache des Indcnlhnms zu verlheidigen. Nach Feststellung der satznngsgemäßcn Einberufung des Gemeindetages nnd der satznngsgemäßcn Bekanntgabe der Tagesordnung schlug er nach den Beschlüssen der.gcstrigen Vorversannnlung für die Leitung der Verhandlungen als erstell Vorsitzenden den Abgeordneten der Gemeinde Berlin. Rechtsanwalt Dr. Edmund Lach mann, als zweiten Vorsitzenden den Vertreter der Gemeinde München. Sigmund Nass, als dritten Vorsitzenden den Abgeordneten der Gemeinde Halberstadt. Ven j am i n H i rs eh. welcher seit mehrererl Fahren bereits zweiter Vorsitzender des Ausschusses des D.-J. G.-B. ist, vor. Die Vorgeschlagenen werden unter allseitiger Zustimmung der Versammlung durch Zuruf gewählt. Dr. Lachmann übernimmt den Vorsitz und dankt für die Ehre der Berufung im Namen seiner Gemeinde; ebenso nehmen die stellvertretenden Vorsitzenden die Wahl mit Dank an. Zn Schriftführern ernennt alsdann der Vorsitzende die Herren Rechtsanwalt Dr. Fri e d l ä n de r-Potsdam Mid Rechtsanwalt V u rg h e i m - Minden. Nach Eintritt in die Tagesordnung wird allseitig aus die Verlesung des gedruckt vorliegenden Berichts des geschästssührenden Ausschusses über die Zeit von Herbst 1808 bis Neujahr 1002 verzichte!, der Kassenbericht, welcher in zwei früheren Mittheilungen des Gcmeindebundes veröffentlicht ist. wird nach einem kurzen Referat des Revisors, Subdirektor Leszynsky, angenommen nnd die beantragte Entlastung ertheilt. Es folgte alsdann die Berathnng der Resolution des Nabbinerverbandes, welche solgende drei Forderungen zum Ausdruck bringt: 1. Bei Verhandlungen über religiöse Angelegenheiten ist der Rabbiner znznziehen. Bestehende Knltnseiiirichtinlgen können nur mit Zustimmung der Gemeindebehörde und des Navbinats geändert werden. 2. Die Anstellung der Rabbiner soll derart geregelt werden, daß dieselbe nach einem höchstens drei Jahre dauernden Provisorium eine definitive wird. Zur Wahrung der religiösen Angelegenheiten nnd zur Hebung des Religionsunterrichts sollen Bezirksrabbinate gebildet werden. Zur Begründung des Antrages erhallen zuvor die Antragsteller Rabbiner Dr. M a y b a u m-Berlin nnd Rabbiner Dr. Werner-München das Wort. Dr. M a h b a n m dankt zuvor dem geschässsührenden Ausschuß, daß derselbe den "Antrag in Würdigung dessen Bedeutsamkeit an die erste Stelle der Tagesordnung gesetzt hat. Er beklagt den geistigen Nothstand. in welchem die Rabbiner sich befinden und bezeichnet jede materielle Sicherung des Rabbiners als nutzlos, weil», die Achtung vor der Person nnd vor der Sache, welche sie vertritt, nicht vorhanden und dadurch die Krafl zu dein segensreichen Wirken unterbunden ist. Er hätt es für eine Forderung der Gerechtigkeit, daß der Rabbiner seinen Einfluß wiederi,'. religiösen Angelegenheiten zum Ausdruck bringt, und zwar persönlich, da schriftliche Gutachten in der Regel zu Einseitigkeiten nnd Mißverständnissen führen. Auch die weitere Forderung, daß bestellende Knllnseinrichtnngen nur mit Zustimmung der Gemeindebehörde und des Rabbinats geändert werden wollen, sei nur ans diesem Wege erfüllbar; durch die gemeinsame Beratung beider Faktoren würde das Veto des einen oderanderen Theiles zu einer überaus seltenen Erscheinung werden. In Bayern sei der vorgeschlagene Modus seit Jahrzehnten eingesührt, nnd die religiöse Entwickelung Bayerns sei dadurch in keiner Weise zurückgeblieben. Werde der beantragte Modus angenommen, dann winden sich auch die Gemeinden mehr bei der Wahl eines Rabbiners