Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 7 (14.2.1902)
- Date
- 1902-02-14
- Page
- Seite 2 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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s kritischen Lheil 1.1 und 01. Auch die Volksschule mutz dieser Disziplin Rechnung tragen, allerdings nur auf der Oberstufe. Ein zweiter Vortrag soll eingehend die Methode besprechen. lieber die Thesen entwickelte sich eine lange und angeregte Debatte; alle werden allgenommell, jedoch mit dem Vorbehalt der redaktionellen Aenderung. Eine Kommission, bestehend aus den Kollegen Barol, Golde, Dr. Gutmann, Hanfs und Dr. Kellerrnann, hat folgenden Wortlaut festgestellt: 1. Der systematische Religionsunterricht in den oberen Klassen höherer Lehranstalten hat zunächst diejenigen religiösen Ideen zu vermitteln, die geeignet sind, alle Angriffe abzuwehren, welche von Seiten der Wissenschaft (Philosophie, Geschichte, Naturwissenschaft) gegen die Religion erhoben werden. Insbesondere hat der systematische Religionsunterricht daraus hinzuweisen, daß die Religion dem Leben einen solch erhabenen Inhalt giebt, wie ihn weder Kunst noch Wissenschaft zu bieten vermögen. Er hat die Schüler mit den Resultaten des modernen Denkens in objektiver Weise bekannt zu machen, sie von dem Standpunkte der Religion zu beleuchten und zu ergänzen. 2. Der systematische Religionsunterricht hat sich außerdem mit allen Angriffen auseinanderzusetzen, die von anderen Kulturreligionen gegen die israelitische Religion erhoben werden. Hierbei ist besonders auf die Quellen der Konkurrenzreligionen wie auf die neuere apologetische und polemische Litteratur hinzuweisen. 3. Der systematische Religionsunterricht hat sich auch mit jenen Strömungen auseinanderzusetzen, die innerhalb der eigenen religiösen Gemeinschaft zu Tage treten. Insbesondere hat hier der Lehrer nicht nur objektiv referirend zn verfahren, sondern vielmehr mit dem nöthigen pädagogischen Takte sich für jene Anschauung zu entscheiden, die ihm selbst als wahrer Lebensinhalt erscheint. ----- Berlin, 29. Januar. Der „Verein Jüdische Lesehalle und Volksbibliothek" hielt gestern Abend seine achte Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Dr. Max Ginsberg, begrüßte die Erschienenen und erstattete den Jahresbericht, dem wir entnehmen, daß die Bibliothek einen Bestand von 3051 Bänden (gegen 2809 im Vorjahre), darunter560 Belletristika. 540 Hebraica, 138 kulturgeschichtliche, 304 geschichtliche Werke, 30Zeitschriftenrc. erreicht hat, und daß in der Lesehalle 41 Blätter anslagen, und zwar 18 deutsche, 7 englische, 6 französische, 5 hebräische, 2 russische, 2 polnische, 1 jüdisch-deutsche. Die Bibliothek wurde von 442 ständigen Entleihern, die Lesehalle im Durchschnitt täglich von 60—70 Personen benutzt. Der Vorsitzende gedachte auch mit Worten herzlicher Sympathie der soeben erfolgten Begründung des „Jüdischen Volksbildungsheims" und stellte in Aussicht, daß sich eine spätere Generalversammlung mit der Frage zu beschäftigen haben werde, ob und in welchem Umfange der „Verein Jüdische Lesehalle" all der ideellen und materiellen Förderung dieses Instituts sich betheiligen soll. Der in Abwesenheit des Schatzmeisters Herrn Benas Levy, von Herrn Oberlehrer Dr. Schäfer verlesene Kassenbericht gewährte leider kein besonders erfreuliches Bild. Es ist dringend zu wünschen, daß die Lesehalle mehr unterstützt und gefordert werde. Die bisherigen Mitglieder des Vorstandes, die Herren Dr. M. Ginsberg, Heinr. Fränkel, Maxim. Heymann, Dr. Hirsch Hildesheimer, Benas Levy, Oberlehrer Dr. Schäfer und Rabbiner Dr. Stier, wurden durch Zuruf wiedergewühlt. Nach einem lebhaften Gedankenaustausch über das „Jüdische Volksbildungsheim", dessen Einrichtung allseitig als überaus verdienstlich begrüßt wurde, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit dem sehr beherzigenswertheil Appell, sür den vortrefflichen Verein in Freundes- und Bekanntenkreisen thätiges Interesse zu werben. o. Berlin, 3. Februar. Im Verein jüdis cher Studente n sprach am 14. und 21. v. M. Rabbiner Dr. Eschelbacher über Professor Harnacks „Wesen des Christenthums". Im erstell Theile der Ausführungen wies der Vortragende mit großer Schärfe und Klarheit aus Grund einer eingehenden Kenntniß des Neuen Testaments nach, daß die christlichen Dogmen, so besonders die Lehre von der Gottessohnschaft Christi, nicht von der christlichen Religion, auch nicht vom Evangelium, „der Predigt Jesu", zu trennen sind, und hierauf begründete er die Ablehnung des Christenthums. Der zweite Theil brachte in ebenso lichtvoller Darstellung die Bejahung des Judenthums mit dem Nachweise, daß der innere Gehalt der jüdischen Religion den hohen Ideen, die Harnack — zu Unrecht — allein vom Christenthum bestehen läßt, mindestens nichts nachgiebt. Die Vorträge, welche von einem ebenso entschiedenen wie vornehmen Stolze auf unser Judengetragen wurden, riefen unter den Zuhörern hohe Begeisterung hervor. Beuthen 5. Februar. Während der Ausübung seiner Militärpflicht bei depA WcMrMdes 2. Schlesischen Dragonerregiments (König Friedrich III.) Nr. 8 hatte der Geschäftsführer Sal o Brinitzer aus Beuthen in Oberschlesien von der Firma Conrad Tack u. Ciein seiner Eigenschaft als Eseadronsschreider im Jahre 188die Ehre, dem damaligen Premierlieutnant und Eseadronsführer m Bernstadt in Schlesien, Freiherrn Schalscha von EhrenfeLd, die Aller höchste Kabinetsordre zu überreichen, welche die Beförderung des Premierleutnants zum Rittmeister und Eseadronschef enthielt. Seit dem sind 19 Jahre verflossen, ein Zeitraum, in welchem der Rittmeister ein sehr befähigter Offizier, auf der militärischen Stufenleiter allmälig zum Obersten aufgerückt und Kommandeur desselben Regiments in Oels ill Schlesien geworden ist. Auf dem Manöverfelde bei Gleiwst im August vorigen Jahres hat der Oberst seinen ehemaligen Escadronsschreiber, nachdem er denselben unter den Zuschauern wiedererkannt und ihn seinem Adjutanten vorgestellt hatte, durch eine längere An spräche ausgezeichnet und jetzt seine Photographie mit entsprechendem Begleitschreiben sowie kurz vorher ein Exemplar der Geschichte der 8. Dragonerregiments, Herrn Salo Brinitzer als erneuten Beweis seiner Werthschätzung zugehen lassen. n. Kaltowitz, 4. Februar. Die Versammlung, welche der Verband der Rabbiner Oberschlesi ens in Zabrze abhielt, warreiü all anregenden Momenten.Der Vorsitzende. RabbinerDr. Cohn-Kattowitz eröffnete die Sitzung und begrüßte die Anwesenden. Nach Eintritt in die Tagesordnung wurde zunächst der bisherige Vorstand, und zwar Rabbiner Dr. Cohu-Kattowitz als Vorsitzender und Rabbiner Dr Münz-Gleiwitz als Stellvertreter, auf die Dauer von weiteren drei Jahren gewählt. Hieraus wnrde Bericht über die Revision des Religionsunterrichts und der religiösen Institutionen in den kleineren rabbinerlosen Gemeinden erstattet. Der Vorsitzende ersuchte die Kollegen wie bisher, so auch in Zukunft diese wichtige Angelegenheit im Ang« zu behalten, die Revisionen regelmäßig abzuhalten und die Protokoll» an Herrn Amtsgerichtsrath Gloganer in Tarnowitz einzusenden. De- Weiteren gelangte der Antrag des Dr. Münz betr. den Entwurf de- Sahungen für die Pensions- und Reliktenkasse der norddeutsche! Rabbiner zur Verhandlung. Es wurde eine Kommission, bestehend arm Dr. Kopfstein-Beuthen, Dr. Münz-Gleiwitz und Dr. Kaatz-Zabrze, ge wählt und derselben die Aufgabe übertragen, den Entwurf zu Prüfer und etwaige Abänderungsvorschläge einer zu berusenden Versammlung der oberschlesischen Rabbiner vorzulegen. Die voll der Versammlung genehmigten Abänderungsvorschläge sollen dann den einzelner! Provinzial-Rabbinerverbänden mit dem Ersuchen mitgetheilt werden auch ihrerseits die Sache zu prüfen und zur Klärung der einzelne! Punkte beizutragen. Erst dadurch könne der Vorstand des allgemeiner deutschen Nabbinerverbandes ein klares Bild von dem wichtigen Unter nehmen erhalten und die wertere Entwickelung der segensreichen Wohl fahrtseinrichtung in die rechten Wege leiten. Der motivirte Antra; des Dr. Kcrah, daß die Mitgliedschaft zur Pensionskasse von der Mit gliedschaft zum allgemeinen deutschen Rabbrnerverband unabhängß I sein soll, wird der Kommission als Material überwiesen. — In Ge mäßheit eines älterer» Beschlusses des oberschlesischen Rabbinerver bandes, daß bei jeder Sitzung eine wissenschaftliche Materie vorgetragen werden solle, behandelte Dr. Cohn in längerer Auseinandersehun > eine religiös-rituelle Frage. Hierauf wurde die Angelegenheit des Jsrae litischen Waisenhauses inRhbnik zur Erörterung gestellt. DerVorsitzend Dr. Cohn, welcher Mitglied des Kuratoriums ist, sprach über die Wirk samkeit des Instituts und über die Fürsorge sür die aus demselben entlassenen Zöglinge. Besonders wichtig erschien der Versammlung die Frage, ob die Zöglinge nach ihrer Entlassung in solchen Häuser» und Geschäften untergebracht werden, wo die Sabbathheiligung streu; I innegehalten werde. Die Versammlung konstatirte, daß es ihre Au- I gäbe sei, darauf zu achten, daß die religiöse Erziehung, die das Kinn I im Waisenhanse genieße, bei seinem Austritt aus demselben nicht ver-! nachlässigt werde. Alsdann gelangte die von Dr. Kopfstein am! geworfene Frage über die Stellungnahme des Verbandes zur Scha I fung einer Vertretung der deutschen Judenheit zur Verharrdlun; I Der Korreferent Dr. Kaatz neigte der Ansicht zu, daß der „Centra! I verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" sür die Abweh I ausreiche. In dem von dem Komitee versandten Zirkulare seien nacr I seiner Ansicht keine greifbaren Vorschläge darüber enthalten, wem i eigentlich erstrebt und wie es erstrebt werde. Dr. Kopfstein hingegen I hält die Ziele der neu zn schassenden Organisation für hochbedeutsam I