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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-01-31 · Heft 5 (31.1.1902) · p. Seite 50

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 5 (31.1.1902)
Date
1902-01-31
Page
Seite 50 (sequence 4)
Language
German
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50 leugnet, der kann keine Geschichte darstellen. Nur aus diesem Grunde hat Samson Raphael Hirsch sein Lebenswerk nicht durch ein Geschichtsbuch abgeschlossen, wie es immer seine Absicht war. Und es ist sehr interessant, daß der größte Gelehrte, über den die deutsche Orthodoxie heute zu verfügen hat, keineswegs in die Jubelhymnen einstimmt, die die junge Brut für Halevh und sein von Ueberhebung strotzendes Werk intonirt hat. Aber wenn nun ungeachtet der längst erfolgten Ehrenrettung unserer Historiker Männer, die davon unterrichtet sein könnten oder sollten, immer wieder diese gehässigen Angriffe wiederholen, wenn sie gar einem Publikum, das sich ein eigenes Urtheil nicht gut bilden kann, so einseitige und unbegründete Verurtheilungen vorlegen, dann gewinnt man unwillkürlich den Eindruck, daß es sich hier um ein wohlbedachtes Attentat gegen die Selbständigkeit des Denkens und die Freiheit der Forschung handelt. Was weiß man denn de<jüdischen Geschichtsforschung zum Vorwurf zu machen? Daß sie die Anschauungen der Orthodoxie nicht bestätigt, daß sie die Wandlungen und Umgestaltungen der religiösen Lehren und Bräuche, eine freiheitliche Auffassung des Judenthums durch unsere größten Autoritäten lehrt? Das mag vom Parteistandpunkt aus betrübend sein, doch der Wahrheit kann sich Niemand für die Dauer ungestraft verschließen. Es giebt nur einen von den beiden Wegen; entweder man ignorirt die Wissenschaft vollständig, verschanzt sich hinter gewissen Thatsachen, an denen man nicht rütteln lassen will, wie es unsere Ultra-Orthodoxen thun, oder aber man bedient sich der Wissenschaft und — fügt sich auch den Resultaten, die sie liefert. Voraussetzungslvs, um das Schlagwort dieser Tage zu gebrauchen, ist die Wissenschaft jedenfalls nicht, die jede ihrer vorgefaßten Meinung entgegenstehende Anschauung von vornherein verwirft. Solche Anschauungen pflegen dann als pietätlos gebrandmarkt zu werden. Als wären nicht Pietät und Hochachtung vor der Vergangenheit die bedeutsamsten Antriebe zur Erforschung der Geschichte! Echte Pietät verbietet es aber, von der Wahrheit auch bei Schilderung der Vergangenheit abzuweichen. Ein gutes Vorbild der Pietät bietet die Hetze gegen die modernen Historiker nun gerade nicht; auch wir fordern Pietät für das Andenken moderner Historiker, fordern Respekt und Hochachtung für einen ehrwürdigen Greis von siebenundachtzig Jahren, der, wie I. H. Weiß in Wien, ein langes Leben in unverdrossener, aufopfernder Arbeit für die Wissenschaft segensreich verwendet hat. Der Ruf der modernen Wissenschaft des Judenthums steht zn fest, als daß er durch gehässige Angriffe erschüttert werden könnte; wer sie verleumdet, werde» auch wir mit Friedrich dem Großen sagen, beißt auf Granit. Wir leben in einer Zeit, in der die führenden Geister Deutschlands sich zur Vertheidigung der Freiheit der Wissenschaft zusannnengeschlvsseu haben; auch die geistigen Führer des Judenthums werden dieses Gut zu wahren verstehen, und zwar mit umso größerem Eifer, als alle Anzeichen dafür vorhanden sind, daß endlich einmal auch unsere Wissenschaft den ähr gebührenden Platz in der Universität des Geistes finden wird. Mehr als für jede andere Gemeinschaft gilt deshalb für uns der Satz: Wissen ist Macht. Are Woche. Berlin, 28. Januar. s^nvermuthet hat bei der Berathung des Etats des Reichsamts des Innern ein konservativer Neuling im Reichstage einen antisemitischen Ausfall gemacht, an dem dessen eigene Parteigenossen selbst wohl wellig Freude haben werden. Herr v. Massow aus Ostelbien hielt seine Jungfernrede, und es stellte sich heraus, daß die Konservativen in Herrn v. Massow ein Talent besitzen, das dem Ahlwardts würdig an die Seite gestellt werden kan«». Er bekannte sich stolz als Junker und unternahm eine Art Generalabrechnung zwischen Stadt und Land. Dabei kam Berlin besonders schlecht weg. Und dann brach die Empörung durch und machte sich in den wildesten antisemitischen Burlesken Luft, wie sie ein Liebermann von Sonnenberg längst nicht mehr zu bieten wagt. Es wäre unbillig, die lieblichstell Blüthen konservativer Rhetorik der Vergessenheit anheimzugeben. Hören wir, worüber Herr v. Massow zu klagen hat: „Was geht es Sie an, was bei uns Graf Mirbach für seine Jagd misgiebt? Kümmern wir uns dem« darum, ob Herr Singer auf Gummirädern in den Reichstag hersährt oder aus Gummigaloschen hergondelt. (Schallende Heiterkeit.) Sage ich denn, da kommt der Jude? Kümmere ich mich denn darum, wenn die Juden fick hier große Paläste bauen, wenn da oben so ein Jndenmädchen singt: Komm herab, o Madonna Theresa! (Große Heiterkeit.) Da bringt der Herr Singer das von Heine vor! Das war ja auch so ein Jude! Es giebt zwei Sorten Ratten, die hungrigen und die satten. Da hat er doch die Juden mit gemeint. (Heiterkeit.) Wenn das Rothe Meer damals so vernünftig gewesen wäre, die Klappe früher znzumachen, dann würden eine Million Thränen nicht vergossen worden sein. (Große Heiterkeit.) Sehen Sie doch, wie so ein Kürassierosfizier Morgens um 6 Uhr schon heraus muß und die Rekruten drillt. Wer sitzt aber da in den Nachtcasös? Das sind alles die Leute, denen Jahrtausende das Kainszeichen haben noch nicht von der Nase abwischen können." (Große Heiterkeit.) Wir sind weder in der Litteratur des Tingeltangels noch iill Rayon der Nachteafös so bewandert wie die konservativeil Herren und können daher diese Ausfälle gar nicht einmal widerlegen. Aber bedarf es dessen? Dies einfache Citat genügt, um den Geist der Partei zu charakterifiren, die in der vorigen Woche den hundertsten Geburtstag ihres jüdischen Begründers gefeiert hat. Weit über die Grenzen Berlins hinaus wird das Preisausschreiben, welches der „Liberale Verein für die An gelegen heilen der jüdischen Gemeinde in Berlin" auf die Bearbeitung der besten Schrift über das Wesen des Judenthnms ausgesetzt hat, großes Interesse erregen. Wir begrüßen diesen Entschluß mit aufrichtiger Genugthuung, nicht nur, weil wir darin einen Erfolg unserer beständigen Mahnungen erblicken, sondern hauptsächlich darum, weil dieses Vorgehen seitens eines Vereins, der die Fahne des Fortschritts im Judenthum vvranträgt, uns'als ein günstiges Zeichen dafür erscheint, daß man nunmehr auch in weiteren Kreisen der Wissenschaft des Judenthums die Beachtung zu widmen beabsichtigt, die ihr gebührt, die sie erheischt, und die man ihr nur allzu lauge vorenthalten hat. Der „Liberale Verein" hat sich mit diesem Preisausschreiben, wie auch das Resultat sein möge, ein großes Verdienst erworben. An dev Vertretern der Wissenschaft des Judenthums aber wird es nun mehr zu be m d einig A lassen des L Elter, burts, Erive» Anzat die rr Paß t sich in verwe werde meind kann erhebe des P innert waare ohne Präfek A die G> Ausnc Forstb nehme 3 ilnme auf d hervo Fami die o die N Sie fo B die in iremd gemein chließi T sie Zs gesetze schreib S< Md fl Menge ollkon »is au besetzt, uoch g luden leider luahrscl dagege udere

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