Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 66 (1902)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1902)
- Date
- 1902-01-24
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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entgeltlich, drei bezahlten die Beköstigung ganz. 19 theilweise, und einer war extern. Bei Beginn des lausenden Schuljahres meldeten sich zum Eintritt in den ersten Kurs süns Schüler aus der Präparandenschule zu Burgpreppach und sieben aus der zu Höchberg, welche ans Grund der bestandeilen Schlußprüfung an ihren Präparandenschnlen in die Anstalt ausgenommen wurden. Ein Schüler aus der Talmud-Thoraschule zu Schwabach unterzog sich der Aufnahmeprüfung, die er auch bestand. Zwei Schüler des ersten Kurses verliehen freiwillig die Anstalt, mithin zählt dieselbe 30 Zöglinge. Am 17. Februar, Abends 5 Uhr, fand in der Anstaltssynagoge aus Anlaß des Hinscheideus des Freiherrn Wilhelm Carl von Rothschild, seitheriger Aufenthalt in Frankfurt a. M.. eine Trauerfeier statt. Die Einnahmen der Anstalten betrugen im Berichtsjahre M. 25 838.36, die Ausgaben M. 19 748.60. das Baarvermögen M. 100 334,81. An der Anstalt unterrichten außer dem Direktor auch die Herren Seminarlehrer Dr. Tachauer, Schlenker. Weißbart sowie zehn Fachlehrer und ein Präzeptor. Oesterreich - Ungarn. LH Wien, 20. Januar. In feierlicher Weise wurde am 9. d. M. der nun vollendete Rothschild-Pavillon seiner zukünftigen Bestimmung übergeben. Der von den Freiherren Nathaniel, Ferdinand und Albert v. Rothschild gestiftete chirurgisch-gynäkologische Pavillon ist ein Erweiterungsbau des im Jahre 1873 vollendeten Spitales der israelitischen Kultusgemeinde. Der Obmann des Ballkomitees, Dr. Anton Löw, begrüßte die zahlreich erschienenen Festgäste und übergab namens des Baukomitees das Haus an den Bauherrn Freiherrn Albert v. Rothschild. Dieser sprach dem Baukomitee, insbesondere dessen Obmann, für seine aufopfernde Thätigkeit. dann dem Architekten Baurath Stiaßny und dem Spitaldirektor Professor Oser den wärmsten Dank aus und übergab das Gebäude im eigenen sowie im Namen seines Bruders in das Eigenthnm der Gemeinde. Sodann ergriff Statthalter Gras Kielmansegg das Wort, um seine Freude darüber auszusprechen, daß in Wien, wo noch viel zu wenig öffentliche Spitäler vorhanden seien, der privaten Wohlthätigkeit wieder ein neues, mustergiltiges Spital errichtet wurde. Dann übernahm Präses kaiserlicher Rath Klinger das Gebäude in die Obhut der Kultnsgemeinde. Nun folgte in mehreren Gruppen unter Führung des Architekten Baurathes Stiaßnh die Besichtigung des Gebäudes; die Disposition der einzelnen Räume, deren Dimensionen, das verwendete Baumaterial und die innere Einrichtung fanden allgemeinen Beifall. — Vor einigen Tagen besuchte der Kaiser das Atelier des Malers Leopold Horovitz, nm dernKünstler zu einem Porträt zu sitzen. Der Monarch fuhr ohne Begleitung in geschlossener Hofeguipage beim Wohnhause des Malers vor und stieg, obwohl sich im Hause ein Lift befindet, durch das Mezzanin und die drei Etagen über die Wendeltreppe hinan. Maler Horovitz empfing den Kaiser im Frack, und der Monarch bemerkte in huldvoller Weise, daß der Künstler nicht so viel Umstände Hütte machen müssen. Der Kaiser saß dann fünf Viertelstunden laug zu dem Porträt, das im Aufträge des Kaisers selbst bestellt ist. Der Kaiser war in bester Stimmung und konversirte während der Sitzung in leutseligster Weise mit dem von ihm hochgeschätzten Künstler. Um */i3 Uhr verließ der Kaiser das Atelier mit dem Versprechen, in den nächsten Tagen zu einer zweiten Sitzung zu kommen. Die Bestimmung des Gemäldes ist noch nicht bekannt. — In der jüngsten Sitzung des In nsbrucker Gemeinderathes beantragte derSchönerianerKirchmayer, künftig keinem Juden ein Lokal in einem städtischen Gebäude zu vermiethen, welcher Antrag auch einstimmig angenommen wurde. — Ein Hauptagitator der Christlich-Sozialen in Baden, der städtische Buchhalter Anton Wastl, hat der Gemeindekasse den Betrag von 145000 Kronen defraudirt; er hat diesen Betrag Jahre hindurch auf dem Rennplätze und bei Gelagen mit antisemitischen Genossen vergeudet. Wastl wurde dem Gerichte eingeliefert. — Ferner wurde der Postoffizial Rudolf Geczink, der eine Sekte „zur Ausrottung der Juden, Psaffen und Aristokraten" gründen wollte, wegen Unterschlagung von Postgeldern zu 15 monatlicher schwerer Kerkerstrafe verurtheilt; das unterschlagene Geld hat er vergeudet. Von Nah und Fern. — Beim Ordensseste erhielten den Rothen Adlerorden IV. Klaffe Justizrath Maximilian Kempner und Bankier Joses F. Goldschmidt hier. Professor Dr. Rosanes in Breslau, Bankier Salz, bach in Frankfurt a. M.. Oberrabbiner Urh in Straßburg, den Rothen Adlerorden 111. Klasse Professor Dr. Laqueur in Straßburg. — Direktor Max Steinthal von der Deutschen Bank ist zum Kommerzienrath ernannt worden. — Der um die Entwickelung unseres Handels mit Brasilien hochverdiente Kaufmann Julius Rothmann ist nach schweren Leiden im 64. Lebensjahre, am 19. d. M., Abends gestorben. — Dem Rechtsanwalt und Notar. Jnstizrath Dr. Ludwig Cohn in Breslau ist der Rothe Adlerorden IV. Klasse verliehen. — In Breslau ist Dr. med. Plato, der jüngste Sohn des Kölner Seminardirektors, gestorben. Derselbe war Assistenzarzt an einer Universitätsklinik und Leiter derselben. -- In drei Jahrhunderten gelebt hat der älteste Bürger von Trier, der Rentner Mendel Schümann. Der körperlich außerordentlich rüstige Greis wußte sein Alter niemals richtig anzugeben, bis es in den letzten Tagen amtlich festgestellt wurde. Da nämlich sein Schwiegersohn mit seiner Tochter im Januar nächsten Jahres ihre goldene Hochzeit feiern, und deshalb die Verleihung der goldenen Ehejubiläumsmedaille beantragt wurde, ergab sich aus den hierzu nothwendigen amtlichen Papieren, daß Schümann im Jahre 1797 geboren ist und mithin jetzt ein Alter voll 104 Jahren erreicht hat. — Auch die zweite Tochter des vorstorbenen Barons Wilhelm v. Rothschild, Frau Max B. H. Gold schmidt, hat am Todestage ihres verstorbenen Vaters der Stadt Frankfurt eine Schenkung von einer Million Mark gemacht, über deren Zweck zur Zeit noch Berathungen gepflogen werden. — Wie die „Karlsruher Zeitung" erfährt, ist der Professor an der Baugewerkschule in Karlsruhe. Ludwig Levh, seitens des Ministeriums des Innern mit der nebenamtlichen Wahrnehmung des Geschäftstechnischen Referenten für Bausachen bei diesem Ministerium beauftragt worden. — Lehrer Michael Kleemaun in Pforzheim hat das Dienstauszeichuuttgskreuz für 20 jährige ersprießliche Tätigkeit als Mitglied des bayerischen Landeshilfenvereins vom Rothen Kreuz erhalten. — Der Privatdozent in der medizinischen Fakultät der Universität Bern, der Physiologe Dr. med. L. Ascher, ist zum Professor ernannt worden. — Eine Statistik der Juden hat die 46>visll eolonisrltion ^ssoei'kltion für Rußland ausgenommen. Dieselbe giebt Auskunft über die jüdischen Kolonien in Rußland, über die Beschäftigung der Juden auf allen Gebieten der Landwirthschaft, über die Zahl der Juden in Städten und Städtchen des Ansiedelungsrayons und deren Betheilignng auf allen Gebieten der produktiven Arbeit. Endlich wird die Statistik genaue Daten über die Entstehung und das Wachsen der Noth unter den Juden Rußlands enthalten. — Die Judenkrawalle im Gouvernement Kowno, die im Sommer 1900 gleich nach der Verhaftung des unglücklichen jüdischen Perrückenmacher Blondes in mehreren Städtchen des Kreises Ponewjesh und Schawly ausgebrochen waren, haben vor dem Schwurgericht zu Ponewjesh' ihre gerichtliche Sühne gefunden. Die Krawalle brachen am 17. Juni 1., 8., 12. und 14. Juli ans, wobei in den Städtchen Linkowo, Konstantinowo, Poschwetin und Jeimeli viel jüdisches Gut zerstört und in der Kolonie Pomusch der Jude Huber ermordet wurde. Der Prozeß dauerte vom 27. bis zum 31. v. M. Von den 128 Angeklagten mußten 15, welche beim Morde Hubers betheiligt waren, zunächst ausgeschieden werden, da die eigentlichen Mörder flüchtig geworden sind. Von den übrigen 113 Personen wurden 63 sreigesprochen, während 50 Bauern zu Gefängnißstrafen von 8 bis 24 Monaten verurtheilt wurden. Einem der Rädelsführer gelang es noch während der Verhandlung zu fliehen. — Sir Ernst Cassel in London, welcher dem König Eduard VII. vier Millionen Mark zu einem wohlthätigen Zwecke übergeben hat, ist der Sohn eines deutschen Juden, dessen Vater, ein frommer, aber armer Mann, sich durch Ertheilung von hebräischem Privatunterricht mühsam durchs Leben schlug. Von den zahlreichen Verwandten des Sir Cassel wollen wir nur das gelehrte Brüderpaar ProfessorPaulus und Dr. David Cassel erwähnen. — Max Rogis ist am 14. d. M. in Algier verhaftet worden. Er hat eine dreijährige Hast zu verbüßen, da er die Geldstrafen, zu denen er in verschiedenen Verleumdungsprozeffen verurtheilt war, nicht geleistet hat. — Die schwedische Regierung hat Herrn Dr. d'Arb ela, Chefarzt des Rothschildschen Hospitals, zu ihrem Konsul für Jerusalem ernannt. Die Zahl der Unterthanen beziffert sich auf 150. Darunter befinden sich auch einige Juden. — Der frühere Gesandte Amerikas bei der Pforte, Oscar Strauß in Newyork, ist an Stelle des verstorbenen Präsidenten Harrisou zum Mitglied des Schiedsgerichts vom Haager Friedenskongreß ernannt worden. Druck und Verlavon Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mar Bauchwitz in Berlin.