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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1902-01-10 · Heft 2 (10.1.1902) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
66 (1902)
Issue
Heft 2 (10.1.1902)
Date
1902-01-10
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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66. Jahrgang. Nr. 2. Allgemeine Berlin, 10. Januar 1902. eitung öes Audenthums. Ein unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Begründet von Rabbiner Dr Ludwig Phttippson-Konri. Verlage-Crpedition: Berlin, Jerusalemerstr. 48/49. Alle Zusendungen für Redaktion und I Expedition sind an die Adresse-. Verlag der I „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin I 8VV., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. I Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. I Diese Zeitung erscheint wöchentlich.! Abonnements-Preis: Durch Buchhandel,! Post oder direkt von der Expedition in Berlin l unter Streifband bezogen Vierteljahr!.3 M.! Nedacteur: Gustav Karpeles. I Leitartikel: Die Kölner Wirren. — Die Woche. — Hin und her. Von Dr. Adolf Blumenthal. — Archivaliscke Funde zur Geschichte der Juden 1822—1848. Von Professor Dr. Ludwig Geiger. — Die Sittenlehre des Judenthums. Von Dr. M. Joseph. VII. — Feuilleton: Ohne Wohnrecht. Von V. H. Oljnem. II. — Sprechsaal. Der Gemeindcbote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Jnowrazlaw. Aus der Provinz Posen, Breslau, Magdeburg, Cöthen, Hamburg, München, Augsburg, Wien, Basel. — Von Nah nnd Fern. — Geschäftliche Notizen. — Miscellen. Die Kölner Wirren. Berlin, 5. Januar. n Köln, einer der ältesten und größten jüdischen Gemeinden des deutschen Reiches, herrschen seit einiger Zeit Zustände die eine nähere Erörterung verdienen, weil sie uns zeigen, wohin es führen würde, wenn die Neuorthodoxie die Macht in die Hände bekäme. Obwohl in Köln so gut wie in anderer! Großgemeinden die überwiegende Mehrzahl der Gemeindemitglieder liberal ist, blieb doch der Gottesdienst, solange nur eine Gemeindesynagoge existirte, ganz nach alten! Ritus, und Niemand wehrte sich dagegen. Seither ist aber eine neue große Gemeindeshnagoge erbaut worden, und nun hat die Majorität der stenerzahlenden Mitglieder den Wunsch ausgesprochen, daß in dieser eine Orgel spiele. Der Vorstand, der anfangs dagegen war. gelangte schließlich zu der Erkenntniß von der Berechtigung dieses Wunsches und stellte sich ans die Seite der Petenten. Aber in der Nepräsentantenversanunlung siegten die Gegner, nicht etwa wirkliche altorthodoxe, strenggläubige Männer, sondern eine Koalition der verschiedenartigsten Elemente: Zionisten, Romantiker, theoretische Orthodoxe, deren Leben aber nichts weniger als orthodox ist, theoretische Liberale, die selbst gar kein religiöses Bedürfnis; haben und deshalb das der Gegner befürworten u. dgl. m. Dieser sauberen Koalition, die ja auch bei den letzten Berliner Gemeindewahlen den Sieg davongetragen hat, gelang es nun in Köln, den Antrag auf Einführung der Orgel in einer der Gemeindesynagogen zu Fall zu bringen. Man muß die Argumente lesen, mit denen gegen die Orgel in der betreffenden Sitzung agitirt wurde, um zu erkennen, daß jene Leute auch nicht ein einziges wirkliches und ausschlaggebendes Argument ins Feld zn führen hatten. Denn die Behauptung, daß die Orgel „religionsgesetzlich" verboten sei, wird doch wohl heute Niemand ernst nehmen, nachdem in mehr als 120 deutschen Gemeinden die Orgel seit mehr als einem halben Jahrhundert den Gottesdienst begleitet. Aber die Vorgänge in Köln sind von allgemeinem Interesse. sie sind typisch und charakteristisch zugleich; sie erheischen deshalb die allgemeine Aufmerksamkeit aller Freunde des Fortschritts innerhalb des deutschen Judenthums. Wir geben darum an dieser Stelle den Bericht wieder, der uns über die Generalversammlung des „Liberalen Vereins für die jüdischen Angelegenheiten der Gemeinde Köln" zugeht und fügen den Wortlaut einer Rede an, die ein Mitglied des Vorstandes der Gemeinde in jener Versammlung gehalten hat. Aus beiden Ennnciationen wird man ersehen, daß unsere Gesinnungsgenossen in Köln keineswegs gewillt sind, den Kampf aufzugeben, sondern vielmehr, daß sie ihre gerechten und wahrlich sehr bescheidenen Forderungen in Bezug auf den Gottesdienst wahren und vertheidigen wollen. Die Sympathien aller Derer, die nicht wollen, daß das deutsche Judenthuin wieder in das Ghetto zurückgeführt werde, folgen ihnen auf diesem Wege! Wir lassen nunmehr den Bericht und die Rede im Wortlaut folgen. 6. II. Köln, 26. Dezember. Der hiesige „Liberale Verein f ü r die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde" hielt am 23. d. M. seine statutenmäßige Generalversammlung ab. Trotz des ungünstigen Zeitpunktes hatten sich Mitglieder des Vereins und Gesinnungsgenossen sehr zahlreich eingefunden — ein Beweis, wie sehr dieser seil zwei Jahren bestehende Verein einem wirklichen Bedürfnisse entgegenkonunt. In seinen Eröffnungsworten hob der Vorsitzende Herr Fritz Rothschild hervor, wie nothwendig der Zusammenschluß aller liberalen Elemente sei. Obwohl der Liberalismus im vergangenen Jahre bei den Repräsentantenwahlen einen entscheidenden Sieg erkämpft habe, so gehe er doch schweren Konflikten entgegen. Die Orthodoxie habe sich auch ihrerseits vor Kurzem zu einem Verein organisirt, nnd, was das Schlimme dabei sei: die hiesigen Vertreter des Zionismus spielen da eine Hauptrolle. Es sei in hohem Grade bedauerlich, daß die Orthodoxie den Zionisten ermöglicht habe, beiden Gemeindekärnpsen mit einzugreifen und Vertreter in die Repräsentanten- Versammlung zu entsenden; in keiner anderen deutschen Gemeinde sei das der Fall. In dem darauf folgenden Referat gab Herr Rechtsanwalt Dr. Callmann einen Ueberblick über die gegenwärtige Situation innerhalb der Gemeinde. Es sei Thatsache, daß weitaus die Majorität der Gemeinde liberal sei in Bezug aus Denk- und Handlungsweise. daß auch ein großer Theil der „Konservativen" sich lediglich einer theoretischen Orthodoxie befleißige. Trotzdem sei es unmöglich, auch die allergemäßigteste Reform durchzusetzen. Zwar habe der Liberalismus im Vorstand und Repräsentanz die absolute Mehrheit, aber doch nicht die Zweidrittelmajöritüt, die zu Kultnsänderungen erforderlich sei. Nnd was der Kölner Liberalismus verlange, sei so sehr berechtigt, daß es fast in allen anderen deutschen Gemeinden dnrchgesetzt sei. und dies unter Zustimmung der konservativen Elemente. Die liberalen Elemente der Kölner Gemeinde verlangen zunächst in einer „der beiden Synagogen eine Orgel, um so auch den Wünschen Derjenigen, die zu ihrer Erbauung die Musik nicht entbehren wollen, gerecht zu werden. Und doch wird diesem Verlangen nicht statt

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