Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1901)
- Date
- 1901-12-27
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Miscrllen. — Heber B i s ni a r ck il n d Bleichröder erzählt der frühere Botschafter Robert v. Keudell irr seinen Erinnerungen: „Zu den Personen, die Bismarck näher standen, gehörte schon damals (1864) Herr Gerson Bleichröder. Chef des Bankhauses S. Bleichröder, ein Mann von ungewöhnlichen Fähigkeiten. Sein Verstand war solebendig wie durchdringend, sein Gedächtnitz zuverlässig, sein Herz fest und treu. Das bei ihm depouirte Kapitalvermögen des Ministers gab ihm fast nichts zu thun. weil Spekulationen irgend welcher Art mit dessen Werthen verboten waren; aber seine Stellung zu dem Pariser Hause Rothschild führte ihm mitunter einen politischen Auftrag zu. Die Frankfurter Familie Rothschild ist bekanntlich in Wien, Paris und London verzweigt; ihr Vertreter iu Berlin aber war Bleichröder. Nun hatte der damalige Chef des Pariser Hauses, Baron James Rothschild, jederzeit freien Zutritt zum Kaiser Napoleon, der ihm nicht nur über Finanzfragen, sondern auch über Politik ein freies Wort zu gestatten pflegte. Dies bot die Möglichkeit, durch Bleichröder und Rothschild an den Kaiser Mittheilungen gelangen zu lassen, für welche der amtliche Weg nicht geeignet schien. In jenen Jahren hielt Bismarck für geboten, die Beziehungen zu dem mächtigen Monarchen mit allen verfügbareil Mitteln sorgfältig zu Pflegen, und legte daher Werth darauf, auch diesen Weg vertraulicher Mittheilungen mitunter benutzen zu können. Durch mich sind derartige Aufträge nie vermittelt worden; doch erhielt ich die Anweisung. Herrn Bleichröder über die Lage der auswärtigen Politik, soweit sie nicht geheim zu halteu war. auf Befragen fort-; laufend zu unterrichten, damit er Eröffnungen der bezeichneten Art,! die der Minister sich selbst vorbehielt, schnell und richtig ausfasseu! könnte. Herr Bleichröder pflegte daher mehrmals in der Woche am; frühen Morgen zu mir zu kommen und einige Minuten zu verweilen, au warmen Tagen im Garten, sonst in meinem Wohnzimmer. Ich lernte ihn auf diese Weife genau kennen und aufrichtig schätzen. Die gelegentlichen Aufträge des Ministers au Bleichröder hatten zur Folge, daß dieser sich als Hilfsarbeiter des Auswärtigen Amtes fühlte und demnach, wenn er von Bismarck sprach, ihn „unfern hochverehrten Chef" zu neunen pflegte. Weiteren Kreisen durfte der politische Grund seiner öfteren Besuche im Auswärtigen Amt natürlich nicht bekannt! werden. Es erhob sich daher manchmal das Gerücht, daß Bismarck durch Bleichröder für sich Börsengeschäfte machen ließe, was thatsächlich niemals geschehen ist. Er hat oft genug ausgesprochen, es sei völlig unerlaubt, seine Keuutuiß der politischen Lage zu Spekulationen zu benutzen; ein Minister, der sich damit befasse, müsse in Versuchung kommen, seine politischen Entschlüsse durch Rücksichten ans persönliche Vortheile oder Nachtheile beeinflussen zu lassen und könne daher keine gute Politik machen." Aarnung M Ligarettenrsucber! Es existiren vollständig werthlose Nachahmungen unserer „Lslem ^leikum"- Cignvellen. Die ordinäre Qualität dieser Falsifikate ist geeignet, unsere Erzeugnisse zu diskreditiren. Wir bitten daher dringend, beim Einkauf darauf zu achten, daß auf jeder Cigarette der Name „Salem Aleikirrn" und die volle Firma steht: Orientalische Tabak- und Cigarettenfakrik „Mnidze", Dresden. 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