Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1901)
- Date
- 1901-12-20
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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68. Jahrgang. Kr. 51. Allgemeine Kerlin» 20. Dezember 1901. eitung öes Audenchums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. Abonnements-Preis.- Durch Buchhandel, Post oder direkt von der Expedition in Berlin unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. Nedaeteur: Gustav KarpeleS. Begründet von Rabbiner V* Ludwig Philippson-Lonn. Vertags-Grpe-ition: Berlin, Jeruscüemerstr. 48/49. I Alle Zusendungen für Redaktion und I Expedition sind an die Adresse: Verlag der I „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin! Jerusalemer Straße48/49 zu richten. > Verlag von Rudolf Moste, Berlin. Inhalt. Leitartikel: Zur Gefainmtmgainsalwil der deutschen Juden. — Die Woche. — Die Pensiouskasse für Rabbiner. — Die Berliner Gemeinde- Wahlen. Von Dr. S. Bernfeld. — Dichtungen von Karl Emil Franzos. Bon M. Friedeberg. I.— Feuilleton: Schwester Fanny. Von Dr. Adolph Kohut. — Litterarische Mittheilungen. — Sprechsaal. Der Gemeindevote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Königsberg i. Pr., Breslau, Hannover, Köln. Wien. — Bon Rah und Fern. - Geschäftliche Notizen. Jur Gesammtorganisation der deutschen Juden. Berlin, 18. Dezember. ls wir vor Jahresfrist mit einigen Bemerkungen zu obigem Thema an dieser Stelle die Angelegenheit besprachen, glaubten wir am Anfänge vom Ende zu stehen; wir erlaubten uns bereits zur Ernennung der Delegirten Vorschläge zu machen. Das war allerdings sehr verfrüht. Auch heute noch sind die ersten Anfänge nicht überwunden. Hüben und drüben wird über die Idee der geplanten Verbindung an und für sich noch eifrig debattirt, ohne daß die Frage ihrer Realisirung näher gekommen wäre. Vielleicht darf man den Grund hierfür in dem Umstande sehen, daß von Anfang an der etwaige Wirkungskreis des „Judentages" oder der „Gesammtorganisation" nicht klar umschrieben war. Es war für Jeden freier Spielraum da, sich unter der geplanten Verbindung alles Mögliche zu denken. Am schlimmsten sah man die Sache in Süddeutschland an, und hauptsächlich Bayer» verhielt sich ablehnend. Vielleicht haben die letzten Ereignisse unsere Glaubensgenossen in diesem Lande eines Besseren belehrt und auch ihnen die Nothwendigkeit einer straffen Gesammtorganisation klar gemacht, die bei jedem gegebenen Anlaß für unser gutes Recht einzutreten das Mandat und die Pflicht hat. Aber es waren thatsächlich nicht blos im Süden, sondern auch im Norden viele und gewichtige Bedenken gegen das Projekt geltend gemacht worden. Vielleicht war die Idee noch nicht genügend durchgesprochen; vielleicht war sie noch nicht populär genug, um schon allgemeinen Anklang zu finden. So konnte es auch kommen, daß Einige für die Konkurrenz fürchteten, welche leicht mehreren Vereinen entstehen würde, während Andere, von kleinlicher Furcht getrieben, wieder einmal das Schreckgespenst religiöser Bevormundung ängstlich voraussahen. Beides trifft aber nicht zu. Deutlicher konnte es wohl nicht gesagt werden, daß der Verband nie und nimmer sich mit religiösen, kulturellen und rituellen Fragen zu befassen gedenkewenn es in dem erlassenen Rundschreiben wörtlich heißt: „Fragen des Kultus und des Ritus sollen seiner Kompetenz überhaupt entzogen sein; grundlos ist die Befürchtung, daß sich im Laufe der Zeiten ein Kirchenregiment entwickeln könnte, welches die Strenggläubigen durch freigeistige Anschauungen oder die freiere Richtung durch den Geist starrer Rechtgläubigkeit bedrücken konnte." Hiermit ist also jede Befürchtung wegen hierarchischer Gelüste vorweg als unbegründet abgelehnt. Schwerer ist allerdings der Einwand, ob nicht andere bereits bestehende Verbindungen die Gesammtorganisation überflüssig machen. Man weist da auf den „Centralverein" und auf den neubegrüildeten „Hilfsverein" hin. Letzterer würde wohl sogleich nicht in Betracht gekommen sei», wenn in jenem Rundschreiben nicht auch als ein - freilich in der Ferne schwebendes — Arbeitsprogramm hingestellt worden wäre die Unterstützung der „Glaubensgenossen im Osten". Und doch meinen wir, daß dem Ausschüsse zur Vorbereitung der Gesammtorganisation dabei nur eine solche Hilfeleistung vorgeschwebt hat, wie sie der Hilfsverein niemals leisten kann. Haben die Juden Deutschlands eine anerkannte Vertretung, so wird dieselbe auch wohl einmal eine» geeigneten Schritt zur Abstellung mancher unseren Stammesgenossen im Osten zugefügten Unbilden unternehmen können. Das ist doch etwas ganz anderes, als was der Hilfsverein hoffentlich recht bald leisten wird. Der „Centralverein" ist wiederum, wie es an dieser Stelle klar und deutlich ausgeführt wurde, nur ein privater Verein, der wohl Abwehrbestrebungen, und zwar häufig recht glücklich, verfolgt, aber doch keine nach Außen hin die Gesammtheit vertretende Macht darstellt. Auch neben dem neuen Organe wird er Verdienstliches nach wie vor wirken und erstreben können; er wird eben im Dienste der Gesammtorganisation stehen. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, der eine Vertretung jüdischer Gemeinden darstellt, darf sich — auch das ist bereits hervorgehoben worden — wenn er seinen Satzungen nicht untreu werden will, nur um innere Angelegenheiten bekümmern. Nahe liegt natürlich dann der Vorschlag, wie er gemacht ist. das Statut entsprechend zu ändern. Das dürfte wohl gern Jeder zugeben, daß eine vor dem Gesetze und der großen Oeffentlichkeit anerkannte Gesammtvertretung der deutschen Juden dies auch wirklich dem Geiste nach und nicht blos nach seinem Namen sein sollte. Sie müßte alle oder doch die allermeisten Glaubensgenossen uiiifasien. Nach dem statistischen Jahrbuch vom Jahre 1900 gehören von den 2359 Gemeinden Deutschlands nur 690 Gemeinden dem D.-J. G.-B. an. Sollte jener Anregung Folge gegeben werden, dann müßte wohl vor allem darauf hin zu