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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-11-22 · Heft 47 (22.11.1901) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 47 (22.11.1901)
Date
1901-11-22
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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65. Jahrgang. Nr. 47. Allgemeine Berlin, 22. November 19V1. eitung öes Zudenchums. Gin unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Diese Zeitung erscheint wöchentlich. I AbonnementS-Preis: Durch Buchhandel, l Post oder direkt von der Expedition in Berlin l unter Streifband bezogen Vierteljahr!. 3 M. I Redaeteurr Gustav Karpeles. I Begründet von Nabbiner Lu-Wjg Phttippson-Äonn. Verlags-GrpeLition: Lerlin, Lerusalemerstr. 48/49. I Alle Zusendungen für Redaktion und I Expedition sind an die Adresse: Verlag der I „Allgem. Zeitung des Judenthums", Berlin I 8W., Jerusalemer Straße 48/49 zu richten. I Verlag von Rudolf Mosse, Berlin. InhttÜ. Leitartikel: Der Wasserkopf. — Die Woche. — Der allgemeine Kantorenverband. — Die armen Rabbiner. — Königin Christine von Schweden und ihr Verhältniß zu den Juden. Von Dr. S. Bäck, Rabbiner in Lissa. — Joachim L. Lederer. Von Eugen Isolani. — Feuilleton; Wie soll er heitzen? Von H. York-Steiner. II. — Literarische Mittheilmigen. — Sprechsaal. Der Gemeindebote. Korrespondenzen und Nachrichten: Berlin, Könitz, AuS der Provinz Posen, Lissa, Halberstadt. Frankfurt a. M., Duisburg, Lms, Wien. — Bon Nah und Fern. — Miseellen. Der Wasserkopf. Berlin, 18. November. icht die Ultramontanen allein sehen in Berlin den Wasserkopf des Deutschen Reiches, auch unsere süddusche Orthodoxie hegt dieselbe Vorstellung. Wir laben schon letzthin erwähnt, daß sie prinzipiell alles, was von öerlin kommt, ablehnt. Sie geht dabei von einer falschen Voraussetzung aus, indem sie das religiöse Moment mit dem ozialen oder politischen verquickt, und in ihren Anhängern den Glauben erweckt, daß das religiöse Moment dadurch gejährdet werde, wenn sie irgend welchen von Berlin ausgehenden Anregungen Folge geben. Da ist es denn interessant, aus dem?ben erschienenen Verwaltungsbericht der jüdischen Gemeinde >ür die drei abgelaufenen Jahre zu erfahren, was Berlin für oie jüdischen Institutionen innerhalb dieses Zeitraums geleistet hat. Man wird daraus zweierlei ersehen: erstens, daß Berlin nicht der Wasserkopf, sondern nicht nur numerisch die weitaus größte und bedeutendste Gemeinde des deutschen Reiches ist, md daß ihr deshalb das volle Recht zusteht, tonangebend aufzutreten; zweitens aber, daß diese Gemeinde in jeder Begehung streng auf dem Boden des traditionellen Judenthums steht und alle religiösen Institutionen in voller Blüthe erhält, and daß selbst die strengste Orthodoxie kein Recht hat, sich von dieser Gemeinde auszuschließen, während anderseits auch die Anhänger liberaler Anschauungen ihre volle Befriedigung unerhalb derselben finden können. Die jüdische Gemeinde in Berlin hat gegenwärtig 23 171 zahlende Gemeindemitglieder. Damit ist aber durchaus nicht twa die Größe der Gemeinde festgestellt, denn die Anzahl der nicht beitragenden Gemeindemitglieder ist ungleich größer, wenn auch ziffernmäßig nicht festzustellen. Nun ist es von hohem Interesse, gegenüber dem Geschrei über die Taufwuth in Berlin aus dem Verwaltungsbericht zu hören, daß die Zahl der Personen, welche innerhalb der drei Jahre ihren Austritt aus dem Judenthum erklärt haben, sich Mi Ganzen auf 32S beläuft, was für das einzelne Jahr etwa 1 von 1000 der Gesammtzahl der Gemeindemitglieder ausmacht. Einen von Tausend können wir alle Jahre verschmerzen! Aus der Synagogengemeinde ohne gleichzeitigen Austritt aus dem Judenthum sind in demselben Jahre 47 ausgeschieden. Hören wir nun aus dem ebenfalls jetzt ausgegebenen Rechnungsbericht der Hauptkasse der jüdischen Gemeinde, welche Aufwendungen innerhalb eines Jahres für jüdische Institutionen gemacht worden, so kann dies unsere volle Bewunderung für die Leistungsfähigkeit eines Gemeinwesens erregen, dessen Mitglieder im letzten Grunde doch nur durch das religiöse Gefühl verbunden bleiben. Der Etat unserer Gemeinde beläuft sich im Jahre 1900/01 auf 3 294 147,31 Mark. Das ist ein Etat, wie ihn ein kleines Fürstenthum kaum aufzuweisen hat, und es ist dabei wohl in Anschlag zu bringen, welche Sorge und Mühe die Verwaltung einer solchen Gemeinde mit sich bringt, die doch nur von Männern als Ehrenamt geführt wird, welche außerdem große geschäftliche oder anderweitige Verpflichtungen haben. Aber auch die einzelnen Posten in diesem Budget sind von hohem Interesse. Für Gehälter und Pensionen an Rabbiner, Vorbeter und andere Gemeindebeamte wurden ausgegeben 246 070 Mark; für den Gottesdienst 216 059 Mark; für den Unterricht 171 118 Mark; für Wohlthätigkeit 299646 Mark. Und das sind nur die großen Posten; vergessen wir dabei nicht den Betrag von 3612 Mark für die Mikwah, von 16200 Mark für die Kommission zur Beschaffung des Koscherfleisches, von 68750 Mark für Subventionen an kleine jüdische Gemeinden, die fast durchweg auf orthodoxem Standpunkte stehen, so wird Niemand behaupten können, daß die Verwaltung der jüdischen Gemeinde Berlin eine einseitige sei und nur aus reformistischem Standpunkte stehe. Begeben wir uns von dem Gebiete der Zahlen auf das der Thatsachen, so wird jeder Unbefangene nach der Lektüre des Verwaltungsberichts zugestehen müssen, daß innerhalb verletzten drei Jahre, in welchen nach Behauptung der Gegner die Liberalen am Ruder gewesen sind, so eifrig gearbeitet worden wie fast noch nie zuvor. Die Satzungen der einzelnen Kommissionen, speziell der Waisenkommission, des Schulvorstandes und des Krankenhauses, sind revidirt worden. Die Fürsorge für die Gemeindebeamten ist ein Gegenstand ernster Sorge gewesen, der Pensionsfonds ist wesentlich erhöht worden; die Erbauung der Synagoge Lützowstraße hat einem bringenden Bedürfniß abgeholsen; mit dem Plan der Erbauung weiterer Synagogen hat sich die Gemeinde eingehend beschäftigt. Die Synagoge Kaiser-straße wurde renovirt; zwei neue Rabbiner und ein

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