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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1901-08-09 · Heft 32 (9.8.1901) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
65 (1901)
Issue
Heft 32 (9.8.1901)
Date
1901-08-09
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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4 Vertreter der deutschen Berussgenossenschast. auch im deutschen Reiche eine derartige Organisation geschaffen werde, die Hand in Hand mit der in Wien gegründeten Organisation die Förderung der Interessen der gesummten Berufsgenossenschaft verfolge. Um den persönlichen Kontakt innerhalb der Berussgenossenschast anznregen und den Austausch der Ideell zu fördern, wird alle zwei Jahre, und zwar jedesmal in einer anderen Stadt, ein allgemeiner Kantorentag abgehalten, und ist, um den Besuch leichter zu ermöglichen, zu diesem Behufs auf die Bildung eines Reisesonds Bedacht zu nehmen. — Die Israelitisch-theologische Lehranstalt hat soeben ihren achtelt Jahresbericht ansgegeben. Der Nachlaß des großen Hebraisten Osias H. Schorr ist nun definitiv all die Anstalt übergegangen, und 16 Hörer haben ans den Zillselt dieses Nachlasses eilt Stipendium voll je 600 Kronen erhalten. Für 11 Volksschullehrer, die den Religionslehrerknrslls besuchen, hat der Vorstand der Wiener jüdischen Gemeinde 10 Stipendien zu 400 Kronen bewilligt. An Subventionelt gingen ferner eilt: 10000 Kronen voll der Negierung, 8000 Kronen von der Wiener Knltusgemeinde, 2000 Krollen vom Mährisch-jüdischen Landesrnassafonds, 1300 Krollen von der Prager Gemeinde, 1260 Kronen von der böhmischen Landesjndeuschaft und 1000 Kronen Volt der jüdischen Gemeinde Lemberg. Dem Bericht hat der Rektor Professor Dr. Schwarz eine gelehrte Abhandlung voraufgeschickt: „Der hermeneutische Syllogismus in der talmudischen Litteratur, ein Beitrag zur Geschichte der Logik im Morgenland," über die Sie wohl an anderer Stelle selbst berichten werden. — Ter Kaiser hat dem Großindustriellen Ignaz Eisler den Adelsstand mit dem Ehrenworte „Edler" und dem Prädikat „Terramare" verliehen. — Der außerordentliche Professor an der Prager Universität Dr. Victor Sch issner ist zum außerordentlichen Professor der Botanik an der Universität in Wien ernannt worden. — Der Kaiser hat dem Sekretär der Wiener Generalagentschaft der ,.lIi'nu!ono ^llrintwn lli SicurtrO Sigmund Reich taxfrei den Titel eines kaiserlichen Rathes und dem Landes-Sanitätsinspektor bei der Statthalterei in Brünn Tr. Salomon Spitzer den Titel eines Negiernngsrathes verliehen. Ll. Budapest, 3. August. Der ehemalige Justizminister Desider Szilngyi ist eines plötzlichen Todes gestorben. Mit ihm verliert die ungarische Wissenschaft eine ihrer glänzendsten Leuchten, die ungarische Politik einen ihrer berufensten Vertreter, das Abgeordnetenhaus seinen glänzendsten Redner, der unverfälschte Liberalismus eine bewährte Stutze, das Judenthum einen warmen Freund. Seine glanzvollste politische Thätigkeit entfaltete er als Justizminister im Ministerium Wekerle. Seinern unerschütterlichen Freisinn war es zu danken, daß die kirchenpolitischen Gesetze trotz der starken Opposition der Klerikalen den Sieg davon getragen haben. Er hat dadurch seinem Andenken und seiner staatsmänuischen Größe, wie auch seinem Ruse als Kodifikator ein unvergängliches Denkmal gesetzt. — Unter der Banffyschen Regierung haben die Juden, so oft die antisemitische Agitation die gesetzlichen Schranken überschritten hat. ausgiebiger: Schutz gefunden. Heute ist dies, wie die Ausschreitungen in Privigye anläßlich der vorige Woche abgehalteuen Abgeordneteuwahl dies zur Genüge bewiesen, nicht der Fall. So sehr die Sicherheit der Person und des Vermögens vor und nach der Wahl gefährdet war, und so sehr das Gesetz mit Füßen getreten worden ist. hat die Behörde — angeblich auf Anordnung der Negierung — den Juden irr der durch die blödesten Hetzereien kritisch gewordenen Lage keinerlei Schutz geboten. Die Juden haben noch vor der Wahl die Stadt verlassen. — Unter der Leitung des Negierungskommissars Eduard Egan, dessen antisemitische Gesinnung allgemein bekannt ist, soll, wie „Magyar Hirlap" meldet, eine Bewegung in Gang kommen, die dahin abzielt, den im nordöstlichen Ungarn lebenden Juden, auf deren Nothlage wir hier schon oft hingewiesen haben, einen Erwerb zu sichern. Auf Anregung des ungarischen israelitischen Ackerball- und Haudwerkervereins hat der genannte Negierungskommissar ein Memorandum allsgearbeitet, in welchem er darauf hinweist. daß jene Juden zu tüchtigen Landwirthen herangezogen werden könnten, einem Berufe, „in welchem die Zähigkeit und Gewissenhaftigkeit dieses Stammes voll und ganz zur Geltung gebracht werden könnte". Zum Schlüsse erklärt Egan rundweg, die oberungarische Judenfrage könne überhaupt nur durch Heranziehung der Juden zum Ackerbau gelöst werden. Er will aber die Durchführung dieser bedeutsamen Aktion nicht dem genannten Verein überlassen, sondern er verlangt, daß sie von der Regierung geleitet werde. — Von Nah und Fern. Ar: der Berliner Universität bestand Frau Or. mell. Jenny Bornstein die ärztliche Vorprüfung. Sie war vom Minister zur Prüfung zugelassen, nachdem sie bereits vor etwa sieben Jahren in Zürich den Doktorgrad lind die Approbation erworben hatte. Die Dame erhielt beim „Physikum" das Prädikat „gut". Bemerkenswerth ist. daß auch ihr Sohn Kandidat der Medizin ist und im vergangenen Jahre gleichfalls das Physikum bestanden hat. Die gelehrte Dame war allen männlichen Kollegen über. Voll den neun Examinanden bestand sie am bestell. — Ein jüdisches Blatt bringt die Biographie des bekannten Chemikers Professor Dr. Oscar Liebreich als die eines „berühmten Glaubensgenossen", obwohl dieser bereits seit mehr als dreißig Jahren nicht mehr Jude ist. — Bei der Preisvertheilung der Universität erhielt der stall, mell. Adolf Silberstein-Berlin den Preis der medizinischen Fakultät. Dell Preis der juristischen Fakultät hat Htull. jnr. Paul Abraham Grünberg erhalten. Voll den neuen Preisanfgaben betrifft die eine der philosophischen Fakultät eine Prüfung der Berichte des Josephus über die römische Kaiserzeit bis auf Nero, drei der theologischen Fakultät den Unterschied der einzelnen Sammlungen des alttestamentlichen Spruchbnches nach der Form ihrer Sprache, die Folgerungen, die sich aus dem , geschichtlichen Verständuiß der heiligen Schrift sür den Schristgebrauch in der Dogmatik ergeben haben, und die Frage, welche ^biblischen Namen von Griechen und Lateinern als Rufnamen rezipirt worden sind. — Der Vorstand der Israelitischen Krankenverpfleguugsanstalt zu Brest all hat von den seitens des Geheimraths von Miknlicz-Nadecki sür die Stellung eines Oberarztes all der chirurgischen Abtheilung des neuen Krankenhauses vorgeschlagenen drei Herren Privatdoceut Dr. Georg Neinbach, Dr. Georg Galtst ein und Dr. Franz Honig mann, Herrn Dr. Neinbach als Oberarzt gewühlt. — Bei den Verhandlungen des kürzlich in Goslar abgehalteuen Kongresses der Thierärzte stand ein Antrag betr. Stellungnahme zur Schächtfrage zur Berathnug. Der Vorsitzende Professor Esser-Göttingell beantragte, die Versammlung «löge sich ablehnend verhalten und sich nicht in diese heikle Streitfrage mischeil, denn nach seiner Allsicht sei das Schächten die einzig richtige Tödtungsart für Thiere. da eilt rasches Abbluten erfolge. Die Versammlung beschloß aber, die Angelegenheit auf die Tagesordnung der nächsten Generalversammlung zu sehen. — Dem Geheimen Sauitätsrath Dr. Strauß zu Barmen ist der königliche Kronenordeu III. Klasse verliehen worden. — Der Berichterstatter einer Chicagoer Zeitung hatte dieser Tage mit dem Zionistensührer Dr. Herzl in Wien eine Unterredung, in welcher dieser erklärte, er beabsichtige, binnen Kurzem nach Amerika zu reisen, um dort dem politischen Zionismus neue Anhänger zu gewinnen. — Der italienische ' Fiuanzminister Wollemberg hat seine Demission gegeben, weil die Steuerreform, die er vorgeschlagen, keine Annahme gesunden. Es fanden daraus Verhandlungen mit Luigi Lnzzatti statt, die sich aber auch zerschlagen haben. — Oberrabbiner Fo rn a r i in Nom hielt eine Gedenkfeier für König Humbert ab, an welcher sich viele allgesehene Gemeindemitglieder betheiligteu. — Die neue Negierung beabsichtigt, Georg Brandes zum Professor der Litteratur au der Universität Kopenhagen zn ernennen. — Zur Jllnstrirung der „jüdischen Zuchtlosigkeit gegenüber der Armee" wird aus War sch all berichtet: Im Judenstädtcheu Ben dz in gerieth der Kommandant der dortigen Kosakengarnison mit den Juden in Streit, wobei er von denselben geohrfeigt wurde. Als dies zur Kenntnis: des Warschauer Gouvernements gelangte, ordnete dasselbe die unverweilte Verhaftung der Juden all. welche es gewagt hatten, sich in solcher Weise au einem russischen Offizier zu vergreifen. Die verhafteten Juden legten jedoch eine Quittung des geohrfeigteu Kosakcnosfiziers vor, worin derselbe den Empfang voll 50 Rubeln bestätigt und sich damit vollständig allsgeglichen und entschädigt erklärt. — Die russische Palästinagesetlschaft nahm im vorigen Jahre 700 000 Rubel ein und unterhielt 41 Schulen mit 9337 Schülern. Ostern 1900 besuchten 5882 russische Pilger die heilige Stadt. Auf der letzten Versammlung der Gesellschaft, die aus dem russischen Staatsschatz jährlich 30 000 Rubel erhält, wurde als Losung ausgegeben, das russische Volk müsse das heilige Land und die heiligen Stätten dem schwachen Griechenthum entreißen, bevor noch die Lateiner und die Protestanten sich derselben bemächtigen könnten. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Vauchwitz in Berlin.

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