Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 65 (1901)
- Issue
- Heft 29 (19.7.1901)
- Date
- 1901-07-19
- Page
- Seite 346 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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346 Reichsten in Hannover, ihm seine Tochter zur Frau gab. Es ist interessant, wie in den beiden Familien Geldern und Heine die Fäden der Verwandtschaft wie die eines Webeschiffleins herüber und hinüber laufen, so daß es erst der späteren Forschung mühsam gelingt, sie zu entwirren. Glücke! Hameln war mit Chajjim Hameln, dein Enkel von Samuel Stuckert aus Witzenhausen, dem Ahnherrn der Familie van Geldern, vermählt. Eine Enkelin desselben Samuel Stuckert, Jente Gans, verheirathete ihre Tochter Gelle wiederum mit Salomon Eljakim Gottschalk Levi aus Düsseldorf, und eine Tochter dieses Paares Bräunele wurde die Gattin des Juspa van Geldern, des Ur- Urgroßvaters von Heine. Nach dem Tode seiner Frau Edel, die am 2. Adar 5517, also am 22. Februar 1757 gestorben, und deren das Memorbnch von Hannover ebenfalls mit hohen Ehren gedenkt (vergl. den Anhang) heirathete Chajjim Bückeburg zum zweiten Male, und zwar Mathe Eva, die Tochter des reichen Kaufmanns Meyer Samson Popert in Altona. I Sie war die zweite Tochter, nicht die einzige, wie Heine schreibt.-) 23 Jahre dauerte diese Ehe. aus der acht Kinder entsprossen, sechs Söhne und zwei Töchter. Die beiden Töchter starben bald nach der Geburt; die sechs Söhne waren Isaak, Samson, Salomon, Meyer, Samuel, Herb. Die fernere genealogische Entwickelung kann man aus der beifolgenden Geschlechtstafel ersehen. Von diesen sechs Söhnen sind nur drei bekannt geworden: Isaak, Samson und Salomon. Der älteste Sohn Isaak, dessen Geburtsjahr unbekannt ist, wunderte Anfangs des Jahrhunderts nach Frankreich aus und etablirte sich in Bordeaux, wo er sich mit einer Französin verheirathete und am 16. Oktober 1828 mit Hinterlassung eines ansehnlichen Vermögens gestorben ist. Zwei seiner Söhne sind die in den letzten Jahren viel genannten Bankiers Armand und Michel Heine, die früheren Chefs des Hauses Oppenheim öv Fould. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß gerade diese Verwandten sich zu Heinrich Heine während seines ganzen Lebens sehr wenig freundlich gestellt haben. Salomon Heine (1767 — 1844) war der weltberühmte Hamburger Bankier, der ebenso durch seinen Reichthum wie durch seine Wohlthätigkeit, aber auch durch das Verhältnis; zu seinem Reffen eine gewisse Popularität erlangt hat. Man begreift es nach den vorhergegangenen Mittheilnngen, daß Salomon Heine über die in seinen Biographien stereotyp wiederkehrende Phrase, daß er der Sohn armer Eltern gewesen, welche zu unvermögend waren, seinen geistigen Anlagen die nöthige Ausbildung zu gewähren, sehr erbittert war. Der dritte dieser Söhne war Samson Heine, auf den wir noch zurückkommen. 4 Noch der Geschlechtstafel der Familie Heine bei Strodtmann l. e. 11. Aichamz, ist neben vielen anderen Jrrthiunern auch der Sterbetaa des Meyer Samson Popert falsch angegeben. Er ist am 26. März 1763 (7. Nissan 5528) gestorben, nicht am 14. April. Die Eintragung seiner Geburt findet sich in Altona nicht vor. Er scheint ans Emden zu stammen nnd hat nach der Inschrift seines Grabsteins <2'^'' ein hohes Alter erreicht. Meyer Hartog Popert, der 1768 eine Stiftung für die Hamburg Altonaer Gemeinde gemacht hat. war vermuthlich ein Brnderssohn seil,es Vaters, lieber die Art seiner Verwandtschaft mit Samuel (Samvel Popert), dem ersten Begründer einer hebräischen Druckerei in Altona, habe ich Näheres nicht eruiren können. (Vergl. Steinschneider. Hebräische Drucke in Deutschland in Zeitschrift für Geschichte der Inden in Deutschland, I. 281 ff.) -) Ges. Werke (Berlin 1893)-'. VII. 399. Die Aeltere, Jette, hat den Kaufmann Bendir Schiff in Altona geheirathet. Chajjim Bückeburg starb am 18. Elul 5540, also am 18. September 1780. Auch ihm widmet das Memorbuch der Synagogeugemeiude zu Hannover ein ehrendes Andenken, als das eines frommen und wohlthätigen Mannes, der an jedem .Morgen nnd jedem Abend einer von den ersten Zehn war, die zum Gottesdienst erschienen, der mit Eifer dein Studium der heiligen Lehre obgelegen und während seines ganzen Lebens nie einen Armen von seinem Tische hat Weggehen lassen, dessen hoher Trieb darauf hinging, seine Söhne in die Gebote Gottes und auf die Pfade des Rechts zu führen. Sein Grabstein ist auf dein alten Judenkirchhof in Hannover (Reihe 25, Grab Nr. 304 (s. Handbuch für David Kaufmann, S. 505). Mathe Eva Heine zog nach dem Tode ihres Mannes mit ihren sechs Söhnen nach Hamburg, wo sie sich später mit ihrem Schwager Bendix Schiff, dessen Gattin ebenfalls früh gestorben, vermählte. Dort ist sie am 29. April 1799 gestorben. O. X. (Schluß folgt.) Mc Geschichte eines Musikanten. Voll H. Jork-Steiner. I. /^in niedriges Zimmer, an dessen Decke ans gekreuzten Balken die hohen Hüte der Männer stoßen, der enge Raum voll junger Frauen und Mädchen, die alle um eine sitzende Weibesgestalt drängen. Die alten Frauen und auch die jungen, die durch das glänzende „Scheitel" als verheirathet gekennzeichnet sind, greifen nach ihren Taschentüchern, die im Hintergründe stehenden Mädchen recken die Köpfe in die Höhe, denn jetzt soll dos große Mysterillm sich erfüllen, ihre jungfräuliche Freundin wird der Frauenweihe zugeführt; mall bindet dem regungslos dasitzenden Mädchen ein großes, goldgesticktes Tuch vor das Gesicht, jede Anwesende zündet ein Wachskerzchen an, der Rabbi hebt die Hände zum Segen, doch sein Spruch bleibt ungehört im Schluchzer: der zahlreichen Falllilien. Sie weinen null einmal bei allen jüdischen Freudenfesten, die Eitlen, weil es so der Brauch will, die Anderer:, weil sie jenes Tages gedenket:, der sie dem sicheren Vaterhaus entriß, auf daß sie das Leben kennen lernen, Manche auch, weil sie die Empfindung davon haben, daß Thränen ihr Vatertheil und ihr Muttererbe seit vielen, vielen Jahrhunderten sind. An diesen Freudentagen muß demnach von Außen für die erlösende Aufheiterung gesorgt sein, gleich nach den: „Bedecken" soll die Musik ihres tröstlichen Amtes walten. Die junger: Mädchen, deren Neugierde befriedigt war, spitzten neugierig die Ohren, um den scholl so oft gehörten nnd doch immer wieder erquickenden Hochzeitsmarsch zu vernehmen. Die Frauen wischten die Augen, schneuzten sich hörbar, um so deutlich anzuzeigen, daß die Freudigkeit die Trauer abzulösen habe. Man wartete einige Augenblicke-— keine Violine, keine Klarinette, keine Trompete zu Hörer:. Der würdige Rabbi, den: es ohnehin in der Frauenatmosphäre nicht recht geheuer war, begab sich in den Hof und frug, warum die Klesmoirim noch nicht angefangen hätten.